Anette Schreiber

Es braucht mehr Großeltern. Sina Ott und Marion Hartmann machen sich dafür stark, dass mehr Senioren im Landkreis Leihgroßeltern werden. "Oma und Opa gesucht", heißt es auf dem Titelbild der Broschüre, die in allen Landkreisgemeinden ausliegt. "Das gibt es schon mit großem Erfolg in anderen Städten und Landkreisen", so Sina Ott, seit 2010 Generationenbeauftragte des Landkreises. Der hat das Projekt in den Jahren 2013 bis 2015 in zehn Gemeinden getestet. Dabei zeigte sich ein erheblicher Bedarf in der Region.
Für das nun fest etablierte Projekt kooperieren für den Landkreis Bamberg die Generationenbeauftragte am Landratsamt und Marion Hartmann in der Carithek. Die eine bringt suchende Familien und sich zur Verfügung stellende Senioren zusammen. Die andere steht dann für Fragen aller Art und auch die Abwicklung der Formalien zur Verfügung, vermittelt kostenlose und freiwillige Kurse und ist Ansprechpartnerin auch für die Dankeschön-Veranstaltung. Dank der Mittel von der Stiftung Helfen tut gut, lässt sich das realisieren. Für die Stadt Bamberg wird das Projekt über den Deutschen Kinderschutzbund umgesetzt.


Zu wenig Interessierte

Nach der Probe- und Pilotphase im Landkreis steht für Sina Ott und Marion Hartmann fest: Es braucht mehr Leihgroßeltern, die Nachfrage bei den Familien ist doch sehr groß und das Projekt anscheinend noch nicht so bekannt, dass sich deswegen wohl nur wenig Senioren melden. Zu wenig. Das soll sich ändern.
Die Generationenbeauftragte ist durch ihre Tätigkeit in der Region sehr gut vernetzt. So melden sich bei ihr die Familien bzw. Alleinerziehenden, die einen Leihopa oder eine Leihoma suchen. Sina Ott versucht sie auf der Grundlage bestimmter Daten, darunter geografische Nähe diejenigen zusammenzubringen, die zu einander passen sollten. Wenn sich herausstellt, dass die Chemie nicht stimmt, dann wird eben neu gesucht.
Alles erfolgt auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis, heben Ott und Hartmann hervor. Das einzige, was potenzielle Leihgroßeltern brauchen, ist ein polizeiliches Führungszeugnis, damit man vermeidet, dass einschlägig Vorbestrafte tätig werden. Bei Marion Hartmann gibt es ein Formular, mit dem geht man wegen des Führungszeugnisses zur Gemeinde. Dafür fallen keine Kosen an. Das Zeugnis, das übrigens inzwischen überall gefordert ist, wo Jugendarbeit geleistet wird, dürfen die Leihgroßeltern behalten.


Großeltern versichert

Die ehrenamtlichen Großeltern sind bei ihrer Tätigkeit versichert, lassen die beiden Damen wissen. Sie betonen zugleich, dass dieses Projekt nicht unter die Rubrik Betreuung fällt oder hier ansetzt. Der Gedanke der Vernetzung der Generationen steht im Vordergrund. Dazu kann gehören, dass man mit einander Zeit verbringt, Feste wie Weihnachten oder Geburtstage mit einander feiert. Aber auch zeitliche Entlastung und Hilfe im Krankheitsfall. "Auf die jeweiligen Wünsche wird geachtet", sichert die Generationenbeauftragte zu. Die individuelle Gestaltung ist jedenfalls völlig frei und hängt von den jeweiligen Partnern ab.


Regelmäßigkeit nötig

Freilich machen Leihgroßeltern nur dann Sinn, wenn es eine gewisse Regelmäßigkeit gibt, etwa ein bis zwei Stunden wöchentlich. Kennen die Kinder die Leihgroßeltern gar nicht, würden sie deswegen auch nicht mit oder zu ihnen gehen.
Wie Ott und Hartmann aus der bisherigen Erfahrung mit dem Projekt wissen, haben bis jetzt alle profitiert.
Derzeit sind acht Leihomas in zehn Familien aktiv, das heißt, zwei Omas engagieren sich in zwei Familien. Einen wirklichen Leihopa gibt es bislang nicht, abgesehen von Männern der Leihomas. Im Moment warten, so Sina Ott, im Landkreis 35 Familien auf Leihgroßeltern. Nachfrageschwerpunkte sind Hirschaid (vier), Bischberg, Strullendorf und Walsdorf mit je drei Anfragen. Die Erfassung gibt sogar noch genaueren Bedarf über das Erhoffte: "In Strullendorf, Pödeldorf und Hallstadt wird explizit nach einem Leihopa gesucht, in Pettstadt nach einem Leihgroßelternpaar".
Gesucht werden Leihgroßeltern übrigens in 20 der 36 Gemeinden.