Zum Artikel "Angehörige kritisieren den Krisenstab" (Bayerische Rundschau vom 15. Januar) wird uns geschrieben:

Nun ist die Diskussion losgetreten! Dabei stehen schon seit den Wochen vor Weihnachten Entscheidungen zur Besuchsregelung in den Heimen zur Debatte. Meine Mutter lebt, schwer dement, unbeweglich und kaum noch sprechend in einem Kulmbacher Seniorenheim der Diakonie. Auch ich habe mich vor Weihnachten besorgt an die Heimleitung gewandt und für meine Sorgen offene Ohren und Herzen vorgefunden.

Es hilft ja nichts! Man muss der aktuellen Situation Rechnung tragen und für Bewohner und Besucher und Pflegepersonal eine gangbare Lösung finden.

100 Prozent Sicherheit gibt es nicht. Das Virus ist ein Teil der Biologie und der Evolutionsgeschichte, hier gelten die Regeln der Statistik, daraus ergeben sich im Einzelfall nicht vorhersehbare und auch grausame Konsequenzen.

Wir haben keine besseren Werkzeuge als momentan gängige Testverfahren, Masken und Hygienepläne mit ihren bekannten kleinen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten. Warum sollen wir darauf nicht vertrauen? Warum sollten wir sie mit aller Gewalt madig machen?

In den Heimen der Diakonie in Kulmbach gilt ebenfalls: Besuch einer Einzelperson 30 Minuten nach Absprache und mit aktuellem negativen Test. Besuch ist im Einzelzimmer möglich, ich finde das am sichersten für alle Beteiligten. FFP2-Maske auch im Bewohnerzimmer, möglichst keine Berührungen an kritischen Stellen sind für mich als Besucherin auch Eigenschutz und Selbstverständlichkeit.

Ich bin glücklich darüber, dass in Kulmbach die Testungen für Heimbesucher äußerst problemlos durchgeführt werden. Ich war heute erst im Testzentrum, es gibt keine Warteschlangen.

Auch über Weihnachten im Schnelltestzentrum mit vielen freiwilligen Ehrenamtlichen vom Roten Kreuz habe ich nur gute Erfahrungen gemacht und danke hier allen noch einmal sehr.

Ich finde, in der gegenwärtigen Situation müssen alle kompromissfähig sein. Wenn es mir gelingt, alle ein bis zwei Wochen Testtermin und Besuchstermin zu koordinieren, ist viel erreicht gegenüber der schrecklichen Zeit im letzten Jahr mit absolutem Besuchsverbot.

Es ist nur schade, dass in Kulmbach das hervorragende Schnelltestzentrum nicht mehr geöffnet ist. Der Schnelltest ist halt viel billiger als der PCR-Test - und weil er eben schnell ist, lassen sich die Termine besser koordinieren.

Ein Problem bleibt leider immer: Jedes Testverfahren spricht erst einige Zeit - zwei Tage? - nach einer Ansteckung an. Man könnte also trotz des negativen Ergebnisses möglicherweise infiziert und doch ansteckend sein. Um dies zumindest so unwahrscheinlich wie möglich zu machen hilft nur Eigendisziplin bei Besuchern und bei Personal: eigene Kontakte einschränken, hinterfragen und kontrollieren, den Test als zusätzliche Sicherheit und Bestätigung empfinden. Aber wie bereits erwähnt: 100 Prozent Sicherheit gibt es nicht. Da hilft doch manchmal nur beten.

Gudrun Dunkel

Kulmbach