Auch an diesem Tag im Oktober stöbern ein paar Frauen in den Spielsachen, die sich in den schlichten Holzregalen sauber, aber spärlich stapeln. Dabei plaudern die Damen mit Sonja, die in normalen Läden eine Verkäuferin wäre. Hier ist sie die, die einen nicht schief anschaut, die einen freundlich begrüßt, die einem mal zuhört, die einem mal einen Kaffee anbietet und die einem ab und zu nach fest vorgeschriebenen Regeln erlaubt, umsonst Spielsachen mitzunehmen.

Ein Mitbringsel fürs Krankenhaus

"Bei mir reicht das Geld vorne und hinten nicht. Jetzt ist auch noch mein Kind im Krankenhaus, weil es sich die Hand am Herd verbrannt hat. Ich kann meinem Jungen noch nicht mal Süßigkeiten in die Klinik mitbringen. Deswegen bin ich hier. Ich suche ein Geschenk", sagt die eine Frau, die vielleicht 40 Jahre alt ist und mit vielen persönlichen Problemen wie Krankheit und Arbeitsunfähigkeit zu kämpfen hat. Bei der Jüngsten der drei Frauen herrscht ebenfalls meistens Ebbe im Geldbeutel. Sie sei allein mit einem behinderten Kind. Der Kindsvater habe sich längst aus dem Staub gemacht und interessiere sich überhaupt "nicht die Bohne". Sie gehe auch einmal in der Woche zur Tafel. Dann rechnen die beiden Frauen vor, warum sie kein Geld haben: "Von dem bisschen Hartz-IV" müssten die Pflichtausgaben beglichen werden. Kostenpflichtige Vergnügungen haben sich die Frauen seit langem abgeschminkt. Nur für die Kinder, für die tut es allen leid, dass immer so wenig da ist zum Ausgeben. Dann sagt auch die Älteste der drei Frauen etwas: "Ich suche nach einem kleinen Geschenk für meinen Enkel. In den Sozialkaufhäusern wollen sie auch immer mehr Geld haben."

Mit Eifer bei der Sache

Über mehr Geld würden sich auch die Mitarbeiter der Toys Company nicht beklagen. Für einen Euro und 35 Cent in der Stunde richten die Langzeitarbeitslosen alte Spielsachen her, damit Kinder später wieder anständig damit spielen können. Während Jutta nachsieht, ob das Puzzle komplett ist, baut Wolf eine Carrera-Bahn auf, die nicht wirklich von Carrera ist. Gleich daneben sitzt Anita und überprüft, ob der Traktor noch richtig funktioniert. Denn eines wollen sie hier alle auf keinen Fall: Dass Spielzeug in den Laden wandert, mit dem die Kinder später nichts anfangen können. Häufig bringen die Spender selbstverständlich Spielsachen, die nicht mehr ganz heil sind. Dann geben die Mitarbeiter der Spielzeugfabrik alles und verarzten armlose Barbiepuppen oder kleben neue Reifen an alte Plastikautos. Besonders stolz sind sie auf ihr Ersatzteillager für Spielzeug aus dem Hause Playmobil. Vom Bauernhof bis zur Ritterburg findet sich fast alles, was das Herz von Spielzeugrettern höher schlagen lässt. "Playmobil ist total begehrt bei den Kunden. Wir haben einen Experten, der das macht mit dem Playmobil. Der klebt dann auch immer so schöne Fotos auf die Schuhschachteln", sagt Jutta und stellt beim Zeigen der matten Farbfotos auf den Schuhschachteln fest, dass der Playmobil-Experte heute leider nicht da ist.

Traurige Realität

Leiter der Einrichtung ist Günther Wittmann. Seine Tür steht nicht zufällig offen: Der Chef will wissen, ob die Mitarbeiter auch fleißig sind. Wenn nicht, steht er auf, geht rüber in die kleine Werkstatt und verteilt neue Aufgaben. Die Mitarbeiter kommen über das Arbeitsamt: "Aktivierung von Langzeitarbeitslosen", heißt das Programm. Das Jobcenter schickt die Leute vorbei, damit Wittmann erzählen kann, wo der Schuh drückt. Die meisten Mitarbeiter haben nicht nur ein Problem, sondern zu viele Probleme. Eine Arbeitsfähigkeit bescheinigt das Amt den meisten Menschen trotzdem, sagt Wittmann. Auch wenn manche nur in der Lage seien, bei chilliger Musik drei Stunden am Tag die Hühner im Liegen zu hüten. Wittmann meint das nicht böse. Er kennt die traurige Realität, die so überhaupt nichts mit den schönen Spielsachen zu tun haben will. "In den seltensten Fällen" fänden seine Mitarbeiter den Weg zurück in die Arbeitswelt. Aber in der "Spielzeugfa brik" hätten sie wenigstens die Chance, ein paar eigene Probleme hinter sich zu lassen, ein paar Geldsorgen von anderen zu lindern und vielen Kindern eine wirkliche Freude zu machen.


Info

Die "Toys Company" hat ihren Sitz in der Gebhardtstraße 7 in 90762 Fürth (Tel. 0911/739 58 76). Im Landkreis Fürth stehen Sammelboxen für gebrauchte Spielsachen bereit, die auch an soziale Einrichtungen verteilt werden. Weitere Infos hier.