Im ehemaligen Playmobil-Werk in Dietenhofen wird derzeit tatsächlich wieder gearbeitet, obwohl der Standort seit dem 1. Juli 206 offiziell geschlossen ist. Wie die Horst Brandstätter Group bestätigt, handelt es sich dabei jedoch nicht um eine Wiederaufnahme der Produktion. Stattdessen laufen "noch verbleibende Restarbeiten zur geordneten Abwicklung des Standorts". Eine reguläre Fertigung von Playmobil-Figuren findet nach Angaben des Unternehmens nicht mehr statt.

Für Verwunderung hatte gesorgt, dass offenbar auch Mitarbeitende aus dem tschechischen Werk vor Ort tätig sind. Die Unternehmensgruppe erklärt dazu, dass externe Dienstleister sowie Beschäftigte anderer Gesellschaften - darunter aus Tschechien - die Arbeiten durchführen. Warum genau diese Mitarbeitenden eingesetzt werden, begründet das Unternehmen mit einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern.

Arbeiten bei Playmobil in Dietenhofen: Fragen bleiben offen

"Das Unternehmen und die Arbeitnehmervertreter haben sich gemeinsam darauf verständigt, dass die verbleibenden Rest- und Demontagearbeiten nicht mehr von der Dietenhofener Belegschaft durchgeführt werden sollen. Diese Regelung wurde im Rahmen des Interessenausgleichs und Sozialplans zwischen den Betriebsparteien vereinbart und entsprechend festgehalten", wie die Horst Brandstätter Group auf Nachfrage von inFranken.de mitteilt. 

Wie viele Mitarbeiter aktuell in Dietenhofen im Einsatz sind, seit wann genau sie dort arbeiten oder wie lange die Arbeiten noch dauern werden, lässt das Unternehmen bewusst offen. Dazu heißt es, es handle sich um "interne betriebliche Abläufe", zu denen keine weiteren Angaben gemacht würden. Zusätzliche Irritation hatte im Frühjahr eine Stellenausschreibung ausgelöst, in der Leiharbeiter für einen großen Spielwarenhersteller in Dietenhofen gesucht wurden. Die Horst Brandstätter Group weist jedoch klar zurück, diese Anzeige beauftragt oder veröffentlicht zu haben. 

Das Unternehmen betont, es habe weder im Mai noch zu einem anderen Zeitpunkt entsprechende Stellen ausgeschrieben. Wer hinter der Anzeige steckte oder warum sie veröffentlicht wurde, sei nicht bekannt. Auch die Zukunft der Produktionshallen ist noch unklar. Nach Angaben der Unternehmensgruppe werden derzeit verschiedene Optionen für eine mögliche Nachnutzung geprüft. Konkrete Entscheidungen sind bislang jedoch nicht gefallen. "Über konkrete Planungen werden wir die Öffentlichkeit informieren, sobald diese feststehen."

Sendung "jetz red i": Kritik an Arbeitsministerin Ulrike Scharf

Den erneuten Arbeiten war ein Auftritt von Arbeitsministerin Scharf in der Sendung "jetz red i" vorangegangen. Betriebsratsvorsitzender Michael Ulbrich erklärte am 24. Juni 2026 in der BR-Sendung: Rund 350 Beschäftigte waren zusammengerufen geworden und anschließend "mit sofortiger Wirkung freigestellt". Eigentlich hätte das Werk zum 30. Juni schließen sollen, wie inFranken.de berichtete. Die Situation treffe die Belegschaft hart. Ulbrich schilderte eine große emotionale Belastung: Kollegen hätten ihm sogar von Suizidgedanken berichtet. "Die Situation ist sehr erdrückend", sagte er. Doch Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) versprach Hilfe, in Form eines Gesprächstermins.

Sie verwies auf bestehende Maßnahmen: Es gebe einen Sozialplan, Abfindungen sowie eine Transfergesellschaft. Diese soll den Übergang der Beschäftigten unterstützen und neue Perspektiven ermöglichen. Zudem sei eine persönliche Betreuung durch die Agentur für Arbeit vorgesehen. "Etwas spät", entgegnet Betriebsratsvorsitzender Michael Ulbrich.

Neben der persönlichen Betroffenheit wuchs die Kritik. Betriebsrat Willi Wening zeigte sich enttäuscht, auch von der Politik: "Bei uns war niemand, wir sind alleingelassen worden." Auch Schreiben an die bayerische Staatskanzlei seien unbeantwortet geblieben. Neben den Betriebsräten und Ministerin Scharf suchten auch andere Lokalpolitiker wie Arbeitnehmervertreter die Sendung in Herzogenaurach auf. Worum Arbeitnehmer in Region bangen und warum die Kritik eines Herzogenauracher Azubis den meisten Applaus erntete, ist im Plus-Artikel des Fränkischen Tags zu lesen.