Es war absehbar, und nun ist es passiert: Der Standort des Automobilzulieferers Valeo im unterfränkischen Bad Neustadt ist seit Dienstag (30. Juni 2026) geschlossen. Schon Anfang des Jahres hatte der Konzern angekündigt, die Niederlassung im Landkreis Rhön-Grabfeld vollständig zu schließen. Derweil gehen die Diskussionen um einen weiteren fränkischen Valeo-Standort weiter.

183 Mitarbeiter waren zuletzt noch in Bad Neustadt beschäftigt, teilt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von inFranken.de mit. 31 davon werden an den Standort in Erlangen wechseln. "Alle anderen Mitarbeiter verlieren leider ihre Stelle im Rahmen der Schließung des Forschungszentrums." 

Valeo-Aus in Bad Neustadt: Von ehemals 500 Beschäftigten auf 0

Die Kündigungen in Bad Neustadt, die nach Auskunft des Unternehmens im Laufe des zweiten Halbjahres 2026 wirksam werden, seien fast alle im Juni ausgesprochen worden. Das Unternehmen spricht von "konstruktiven Verhandlungen mit den Sozialpartnern". Es gebe einen "Interessenausgleich und einen Sozialplan für die Beschäftigten". 

Zu Spitzenzeiten waren am Valeo-Standort in Bad Neustadt mehr als 500 Menschen beschäftigt. Jetzt wird nur noch aufgeräumt. In den nächsten Wochen würden vor Ort die letzten Test- und Prüfstände abgebaut und die Hallen Schritt für Schritt geleert, so ein Unternehmenssprecher. Wie es mit den Gebäuden in Bad Neustadt weitergehe, sei noch nicht geklärt.

Auch am Valeo-Standort in Ebern (Landkreis Haßberge) geht der Stellenabbau weiter, wie er zu Jahresbeginn angekündigt war. "Von 766 Mitarbeitern (Stand Dezember 2025) werden leider 139 am Standort Ebern bis Ende 2027  abgebaut", erklärt der Unternehmenssprecher gegenüber inFranken.de. 39 Mitarbeiter aus der Eberner Valeo-Niederlassung würden an den Standort Erlangen wechseln. Für die Beschäftigten, die in den kommenden Monaten ihre Stelle verlieren, habe es ein Freiwilligenprogramm und eine Transfergesellschaft gegeben.

Valeo in Ebern "fast ausschließlich vom Verbrennungsmotor abhängig"

Die Gewerkschaft IG Metall blickt für den Valeo-Standort in Ebern mit Sorge in die Zukunft. Als der Stellenabbau zu Jahresbeginn verkündet wurde, verwies Andrea Sicker von der IG Metall Bamberg auf den andauernden Niedergang des Standortes, der 2016 noch 1650 Beschäftigte gezählt habe. 

Der Valeo-Standort in Ebern sei "historisch mit seinen Produkten und Komponenten fast ausschließlich vom Verbrennungsmotor abhängig“, kritisierte die Gewerkschaft damals. Die Probleme am Standort Ebern seien daher "hausgemacht".  

"Wir müssen uns strategisch auf geänderte Marktbedingungen einstellen - das ist klar", sagte Andrea Sicker von der IG Metall im Januar dieses Jahres. "Die Antwort ist aber nicht Personalabbau, sondern innovative Produkte und eine qualifizierte Belegschaft." Noch ist offenbar Zeit, das Ruder bei Valeo in Ebern herumzureißen. Der Valeo-Sprecher teilt auf inFranken.de-Anfrage mit, dass es für den Standort einen sogenannten Ergänzungstarifvertrag gebe, der eine Standortsicherung bis mindestens 31. Dezember 2030 vorsehe.