Die nächste Hitzewelle steht zweifellos bevor. Da Perioden mit extrem hohen Temperaturen auch in Bayern häufiger werden, drängen Gesundheits- und Umweltorganisationen auf wesentlich mehr Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung und die Städte. Der Anlass hierfür ist der bundesweite Hitzeaktionstag am 11. Juni.

Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mangelt es in bayerischen Städten erheblich an Schutzmaßnahmen gegen sommerliche Hitze. Beim "Hitze-Check 2026" erreichte keine der 17 untersuchten bayerischen Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern eine positive "grüne" Gesamtbewertung. Einige fränkische Städte liegen sogar im roten Bereich.

Bamberg, Nürnberg und mehr: Städte nicht gut für Hitze gestaltet

In der DUH-Studie wurden auch die Beschattung durch Bäume oder andere hohe Vegetation sowie die Versiegelung von Flächen betrachtet. München schnitt in beiden Bereichen bayernweit am besten ab. Dennoch kommt auch die Landeshauptstadt nicht an die beiden einzigen Städte mit grüner Gesamtwertung heran: Kiel in Schleswig-Holstein und Wuppertal in Nordrhein-Westfalen. Untersucht wurden alle 195 deutschen Städte, die mehr als 50.000 Einwohner haben. 

Sieben bayerische Städte erhielten eine rote Gesamtwertung: Neu-Ulm, Fürth, Nürnberg, Rosenheim, Aschaffenburg, Bamberg und Schweinfurt. Diese Kommunen weisen laut der Analyse in mindestens zwei der drei Hauptkategorien - Baumschatten, Versiegelungstrend und Hitzebetroffenheit - unzureichende Werte auf.

Gelbe und rote Einstufungen dominieren das Bild im Süden, wie die Daten der Organisation zeigen. Gleichzeitig findet sich aber auch keine bayerische Stadt unter den bundesweiten Schlusslichtern. Vor allem Neu-Ulm fiel negativ auf. Die Stadt hat beim Zuwachs der Versiegelung mit einem Plus von 1,48 Prozent eine der höchsten Versiegelungsraten der gesamten Studie. Zudem liegt sie beim Baumschatten im Bayernvergleich am Schluss.

Diese deutsche Stadt hat den größten Nachholbedarf

Trotz der insgesamt mäßigen Ergebnisse in Bayern gibt es etwa bei der direkten Hitzebelastung der Bevölkerung einzelne positive Beispiele. Passau erzielt hier mit einem Wert von 13,84 das beste Ergebnis in Bayern und verfehlte eine grüne Einzelbewertung in dieser Kategorie nur knapp.

Obwohl Bayern keine einzige grün bewertete Stadt vorweisen kann, stehen die Kommunen im Freistaat besser da als die absoluten Schlusslichter der Untersuchung, die in Baden-Württemberg liegen. Die Stadt Offenburg steht mit einem Beschirmungsgrad - also Beschattung etwa durch Bäume - von nur 12,78 Prozent bundesweit am Ende der Tabelle.

Patrick Friedl von den Landtags-Grünen mahnte, Bayern müsse dringend mehr für die Anpassung an zunehmende Hitzeperioden tun. Er warf der Staatsregierung vor, die tatsächliche Belastung in Städten und Gemeinden systematisch zu unterschätzen, da Messwerte aus den Innenstädten nicht ausreichend berücksichtigt würden.

3000 zusätzliche Todesfälle bundesweit im Hitzejahr 2024 

Auch Ärzte warnen. "Die Sommer 2024 und 2025 gehörten weltweit zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen", sagte Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. Allein im Jahr 2024 seien in Deutschland 3000 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Neben den Risikogruppen, wie älteren Menschen oder chronisch Erkrankten, seien etwa 1,7 Millionen Beschäftigte in Bayern bei Hitzewellen stark belastet. 

Bei Temperaturen über 30 Grad steige auch bei Kindern das Risiko für behandlungsbedürftige Hitzeschäden um das Achtfache. Für extreme Hitze mit Temperaturen von mehr als 40 Grad seien vergleichbare Vorsorgestrukturen notwendig wie bei Hochwasser oder Waldbränden.

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hob die Rolle von Vegetation in der Stadt hervor. "Der wirksamste natürliche Schutz gegen Hitze sind Bäume", sagte der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. Straßenbäume und Parks wirkten wie natürliche Klimaanlagen, da sie durch Verdunstung die Umgebungstemperatur senkten und Schatten spendeten. Doch in Bayerns Städten gingen weiterhin viele Bäume verloren. Zwischen 2012 und 2022 seien in den größten Städten bis zu 300.000 Bäume verschwunden, während im gleichen Zeitraum rund 250.000 nachgepflanzt worden seien. 

Hintergrund der Studie und Kühle-Orte-Karten

Für den Check wurden neben Sommertemperaturen und Bevölkerungsdichte auch die Versiegelung mit Beton und Asphalt sowie die Zahl schattenspendender Bäume und Grünflächen mit Luftbildern in den Blick genommen. Es handelt sich somit um Schätzwerte, bei denen nicht alle Faktoren berücksichtigt wurden. Neu gepflanzte Bäume gingen etwa weitgehend nicht in die Schätzung ein.

Da Hitzewellen infolge des Klimawandels zunehmen, wird die Anpassung von Städten wichtiger. Die DUH fordert unter anderem eine konsequentere Entsiegelung und mehr Grünflächen. Eine große Rolle spielte somit bei der Untersuchung die Frage, wie sich die Flächenversiegelung in den einzelnen Städten seit dem Jahr 2018 entwickelt hat und welcher Anteil der Gesamtfläche mit schattenspendender Vegetation bepflanzt ist. Hitze bringt gesundheitliche Risiken vor allem für ältere oder vorerkrankte Menschen. 

Kühle-Orte-Karten sollen Menschen bei Hitzewellen helfen. München etwa hat gerade seine digitale, interaktive Karte kühler Orte weiterentwickelt und zeigt nun Stellen im Umkreis von 200, 500 oder 1000 Metern an, die an heißen Tagen Schatten, Abkühlung oder Zugang zu Trinkwasser bieten. Neu ist laut Stadt auch die Darstellung des dreidimensionalen Stadtmodells. Damit können etwa der Schattenwurf von Gebäuden berechnet und somit schattige Routen zu unterschiedlichen Tageszeiten dargestellt werden.