Das Einzelhandelsunternehmen Tante Enso übernimmt mehr als 30 Standorte der Supermarktkette Tegut. Das Bundeskartellamt hat den Erwerb freigegeben. Damit steht fest, dass ein Teil der bisherigen Tegut-Filialen künftig unter dem Konzept von Tante Enso weitergeführt wird. Wie aus der von der Enso eCommerce GmbH am Donnerstag (11. Juni 2026) veröffentlichten Übersicht hervorgeht, befinden sich unter den 36 genannten Verkaufsstellen elf Standorte in Franken.

Die Übernahme ist Teil des größeren Umbaus bei Tegut. Hintergrund ist der Rückzug des Mutterkonzerns Migros aus dem Geschäft mit der deutschen Supermarktkette. Verschiedene Filialen und Unternehmensteile gehen deshalb an unterschiedliche Käufer. Den größten Teil der Geschäfte will nach bisherigem Kenntnisstand der Edeka-Verbund übernehmen; dabei geht es um rund 200 Märkte. Die Rewe-Gruppe hat Interesse an etwa 40 Standorten angemeldet.

Diese 11 fränkischen Tegut-Filialen werden zu Tante-Enso-Standorten

Für Tante Enso bedeutet der Kauf einen deutlichen Ausbau des eigenen Filialnetzes. Das Unternehmen ist vor allem für kleinere Nahversorgungsformate bekannt, die insbesondere im ländlichen Raum eine wichtige Rolle spielen. Mit den Tegut-Standorten kann Tante Enso seine Präsenz spürbar erweitern. Das Bundeskartellamt sah keine durchgreifenden wettbewerblichen Bedenken. Die Behörde verwies darauf, dass Tante Enso bislang nur über eine vergleichsweise geringe Marktstellung verfügt. Gerade deshalb wurde die Übernahme genehmigt. 

Die betroffenen bisherigen Tegut-Standorte liegen größtenteils in ländlich geprägten Gebieten Hessens, Thüringens und Nordbayerns. Von den elf Lebensmittelläden liegen zehn in Unterfranken, ein Standort befindet sich im mittelfränkischen Langenfeld, einer Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Folgende fränkischen Tegut-Standorte werden künftig von Tante Enso weitergeführt:

  • Burgsinn (Landkreis Main-Spessart)
  • Gerolzhofen (Landkreis Schweinfurt)
  • Hambach (Landkreis Schweinfurt)
  • Langenfeld (Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim)
  • Leinach (Landkreis Würzburg)
  • Nüdlingen (Landkreis Bad Kissingen)
  • Partenstein (Landkreis Main-Spessart)
  • Pflaumheim (Landkreis Aschaffenburg)
  • Saal (Landkreis Rhön-Grabfeld)
  • Schweinfurt 
  • Unterspiesheim (Landkreis Schweinfurt)

Tante Enso setzt auf Einbindung der Bevölkerung vor Ort - das steckt dahinter

Nach Angaben Enso eCommerce GmbH soll die Umstellung der neuen Filialen schrittweise erfolgen. Geplant ist zunächst die Vorstellung des 24/7-Hybrid-Smart-Store-Konzepts im Rahmen einer Bürgerversammlung. Daran soll sich eine vierwöchige Genossenschaftskampagne anschließen. In diesem Zeitraum müssen laut Unternehmen je nach Standort zwischen 500 und 800 Menschen aus dem Ort und der näheren Umgebung einen Genossenschaftsanteil erwerben, um Teilhaber zu werden. Das Unternehmen sieht in dieser Beteiligung ein Instrument zur langfristigen Sicherung der Standorte.

Beim Sortiment setzt Tante Enso nach eigenen Angaben auf Preiseinstiegsprodukte und Markenartikel, die über Rewe beliefert werden. Hinzu kommen rund 15 Prozent Produkte regionaler Hersteller sowie Waren kleinerer Produzenten und Artikel mit Bezug zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Wie das Unternehmen mitteilt, soll die bisherige tegut-Eigenmarke durch Bioprodukte ersetzt werden, die bei Rewe erhältlich sind.

Ein zentrales Element des Konzepts ist nach Unternehmensangaben die Einbindung der Bevölkerung vor Ort. Bereits in der Kampagnenphase sollen Bürger unter anderem angeben können, welche regionalen Hersteller im Sortiment vertreten sein sollen. Auch Rückmeldungen zur Gestaltung der Filiale seien vorgesehen. Nach der Eröffnung soll es zudem eine Tafel für Produktwünsche geben. Produkte können demnach je nach Verfügbarkeit und Nachfrage in das Sortiment aufgenommen werden.

"Werden mit offenen Armen empfangen": Tante-Enso-Chef zeigt sich zufrieden

Laut Angaben von Tante Enso sollen die Beschäftigten der bisherigen Tegut-Filialen vollständig übernommen werden. Das Unternehmen kündigt an, die Angestellten über die künftigen Abläufe zu informieren und sie während der Umstellung zu begleiten. Zugleich verweist Tante Enso auf mögliche Synergieeffekte zwischen bisherigen und neuen Mitarbeitern. Auch vorhandene Dienstleistungen und Angebote von Vertriebspartnern an den Standorten sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben.

"In vielen Standorten haben bereits Gespräche mit den Gemeinden stattgefunden, und wir werden mit offenen Armen empfangen - das freut uns natürlich sehr", wird Tante-Enso-Gründer und -Geschäftsführer Norbert Hegmann in der Mitteilung des Nahversorgers zitiert. Die Umwandlung der übernommenen Tegut-Standorte soll in den kommenden Monaten fortgesetzt werden.

Für viele der betroffenen Orte dürfte die Entscheidung vor allem mit Blick auf die Nahversorgung von Bedeutung sein. Tante Enso hatte erklärt, mit der Übernahme den Fortbestand der Versorgung an den jeweiligen Standorten sichern zu wollen.

Edeka, Rewe oder Komplett-Aus? Was wird aus restlichen fränkischen Tegut-Filialen?

Offen ist an vielen Orten jedoch weiterhin, wann die einzelnen Märkte umgestellt werden und in welcher Form der Betrieb künftig konkret fortgesetzt wird. Ob die verbliebenen fränkischen Tegut-Filialen, die nicht von Tante Enso übernommen wurden, eine Zukunft haben, bleibt abzuwarten. Für sie kommt nach aktuellem Stand sowohl eine Übernahme durch die Supermarktketten Edeka oder Rewe als auch eine vollständige Schließung infrage.

Tante Enso aus Bremen betreibt bundesweit knapp 90 halbautomatisierte Mini-Supermärkte, vor allem im ländlichen Raum. 2025 setzte die Gruppe laut Kartellamt rund 40 Millionen Euro um. Die Märkte sind rund um die Uhr geöffnet, Personal ist nur zeitweise vor Ort.

Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und 2013 von Migros übernommen. Das Unternehmen ist in sechs Bundesländern aktiv, mit Schwerpunkt in Hessen. Laut Migros betreibt Tegut rund 340 Filialen und beschäftigt knapp 7500 Menschen.

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