Fränkischer Dialekt ist oft direkt und bildhaft. Das zeigt sich nicht nur im Alltag, sondern auch bei jenen Ausdrücken, mit denen Ärger, Spott oder Unmut besonders genau formuliert werden. Manche dieser Begriffe wirken derb, andere fast schon scherzhaft. Was sie eint: Sie sind tief im regionalen Sprachgebrauch verankert.
Wir haben euch auf Facebook nach euren liebsten fränkischen Schimpfwörtern gefragt. Die meistgenannten fränkischen Schimpfwörter haben wir gebündelt und daraus ein Ranking erstellt. Die Liste zeigt, welche Begriffe in Franken besonders häufig genannt werden und bis heute im Dialekt präsent sind. Auffällig ist dabei, dass viele Wörter weniger auf grobe Beleidigung als auf überspitzte Charakterisierung und sprachliche Eigenart setzen. Wer sich mit weiteren typischen Begriffen und Wendungen aus Franken beschäftigen möchte, findet im Franken-Wörterbuch für Anfänger viele weitere Beispiele.
Platz 10: Pflunzn
Auf Platz 10 landet das Wort "Pflunzn". Sprachlich geht "Pflunzn" auf "Blunzn" zurück, was im süddeutschen Raum "Blutwurst" bedeutet. Unter anderem im ostfränkischen Sprachgebrauch bezeichnet der Ausdruck laut Erbendorfer Mundart-Lexikon also metaphorisch eine "dicke, ungelenke Frau".
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Wie präsent und wandelbar oberfränkischer Sprachgebrauch bis heute ist, zeigt sich auch daran, dass sogar Asterix auf Oberfränkisch erschienen ist.
Platz 9: Hundskrüppel
Platz 9 belegt "Hundskrüppel", auch "Hundsgrübbl" oder "Hundsgrüppl" genannt. Das Wort zählt zu den gröberen fränkischen Beschimpfungen und wird vor allem eingesetzt, um starken Ärger oder deutliche Verachtung auszudrücken. Es bezeichnete einen bösartigen, gerissenen Menschen oder ein unerzogenes, unfolgsames Kind.
Der Ausdruck setzt sich aus dem Tier "Hund" laut Wiktionary "zur Steigerung der Minderwertigkeit" und dem Wort "Krüppel" zusammen.
Platz 8: Alte Schabraggn
Auf Platz 8 steht "Alte Schabraggn". Der Ausdruck richtet sich meist gegen eine Frau und wird in abwertender Weise verwendet, häufig mit dem Unterton, jemand wirke ungepflegt, anstrengend oder unangenehm. Ursprünglich stammt das Wort vom türkischen "çaprak" ab und bezeichnet eine prunkvolle Satteldecke beim Pferd.
Wie viele fränkische Schimpfwörter lebt auch dieser Begriff von seiner sehr bildhaften Form. In Dialekt und Umgangssprache wird er oft mit spöttischem, manchmal auch bewusst überzeichnetem Ton gebraucht.
Platz 7: Fregger
Platz 7 geht an "Fregger". Das Wort wird in Franken für einen gewitzten Menschen oder ein freches, aber durchaus sympathisches Kind verwendet. Anders als sehr harte Beleidigungen kann "Fregger" je nach Situation auch halb scherzhaft gemeint sein, besonders wenn es um Kinder oder Jugendliche geht.
Das Wort "Fregger" lässt sich auf das Verb "verrecken" zurückführen, eine saloppe Bezeichnung für "sterben". Früher bedeutete es etwas Negatives - heute hat sich die Bedeutung komplett ins Gegenteil verändert und von "einer, der elend stirbt" ins Positive "einer, der gewitzt und listig ist" gewandelt. "Fregger" war übrigens das oberfränkisches Wort des Jahres 2020.
Platz 6: Oaschloch
Auf Platz 6 folgt "Oaschloch", das auch "Oaschluch", "Orschluuch" oder "Ooschluuch" gesprochen wird. Wie im gesamten ostfränkischen Sprachraum dient es vulgär-umgangssprachlich als Beleidigung oder Ausdruck für eine dumme, gemeine Person, die man überhaupt nicht mag.
Das Wort wird im fränkischen Alltag trotz seiner unbestreitbaren Derbheit gelegentlich auch in einem fast schon vertrauten oder scherzhaften Tonfall unter engen Freunden genutzt.
Platz 5: Maulaff
Platz 5 belegt "Maulaff". Das Schimpfwort hat im fränkischen Dialekt mehrere eng verwandte Bedeutungen, die sich aus der Redewendung "Maulaffen feilhalten" ableiten. Meist bezeichnet er einen großen Dummkopf oder eine leichtgläubige Person, kann aber ebenso jemanden meinen, der untätig herumsteht, mit offenem Mund starrt und bloß gafft, während andere arbeiten.
Im Vergleich zu gröberen Beleidigungen wirkt der Ausdruck stärker alltagsnah und hat oft einen spöttischen statt aggressiven Ton. Gerade deshalb ist "Maulaff" in Franken bis heute ein typisches Beispiel für jene Dialektwörter, die Kritik und Ironie in einem einzigen, prägnanten Begriff bündeln.
Platz 4: Greinmaichela
Auf Platz 4 landet "Greinmaichela", teils auch als "Greinmeichalla" geschrieben. Der Begriff bezeichnet meist jemanden, der jammert, klagt oder schnell weinerlich wirkt. Typisch fränkisch ist dabei die lautmalerische Form, die dem Wort einen sofort erkennbaren regionalen Charakter gibt.
Im Alltag wird es häufig nicht nur als Schimpfwort, sondern auch als spöttische Zuschreibung verwendet, wenn jemand als überempfindlich oder nörgelig gilt. Einen weiteren Einblick in die Eigenheiten des fränkischen Sprachgebrauchs gibt auch das Universalwort "Fei“.
Platz 3: Doldi
Platz 3 geht an "Doldi". Das Wort gehört zu den bekanntesten fränkischen Beschimpfungen für eine Person, die als begriffsstutzig, tölpelhaft, unzuverlässig, albern, ungeschickt oder nicht besonders helle wahrgenommen wird. Ursprünglich leitet er sich vom Wort "toll" ab, was in der Vergangenheit bedeutete, jemand tue etwas Törichtes oder Unsinniges.Das weibliche Pendant ist die "Dolln".
Im Vergleich zu sehr groben Beleidigungen wirkt "Doldi" oft fast schon volkstümlich und kann je nach Tonfall auch halb ironisch oder scherzhaft klingen. Gerade diese Mischung aus Deutlichkeit und Alltagstauglichkeit dürfte erklären, warum der Ausdruck im fränkischen Dialekt so präsent geblieben ist.
Platz 2: Alte Sulln
Silber geht an "Alte Sulln", einschließlich Varianten wie "Sulln", "Dumme Sulln" oder "Bleeda Sulln". Der Ausdruck wird in Franken abwertend für eine Frau verwendet und hat einen deutlich herabsetzenden Klang. Er wird für Frauen verwendet, denen eine besonders geringe Intelligenz zugeschrieben wird und die dies nach außen hin offen erkennen lassen.
Typisch ist die Verbindung aus Dialektform und zugespitzter Charakterbeschreibung, die den Begriff besonders markant macht. Dass mehrere Varianten desselben Wortes häufig genannt wurden, zeigt seine starke Verankerung im regionalen Sprachgebrauch.
Platz 1: Bridschn
Den ersten Platz im Ranking um die beliebtesten fränkischen Schimpfwörter belegt "Bridschn", das auch in Zusammensetzungen und Varianten wie "Dreggsbridschn" oder "Rutzbritschn" auftaucht. Der Begriff gehört zu den markantesten fränkischen Schimpfwörtern und wird je nach Zusammenhang als deutliche, teils derbe Abwertung einer Person eingesetzt.
Es handelt sich um eines der derbsten fränkischen Schimpfwörter. Es bezeichnet eine Frau in stark abwertender Weise, indem sie mit einer Prostituierten verglichen wird. Wie lebendig und eigenständig fränkische Sprache bis heute ist, zeigt auch die Wahl des oberfränkischen Wort des Jahres.
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