Die Antwort ist schnell gegeben. "Es gibt leider keine Grenze", berichtet Hans Beer, Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Franken. Das gilt nicht nur für die Baubranche. In der gesamten Arbeitswelt gebe es so etwas nicht, sagt Kersten Bux von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund.


Nur eine Richtlinie

Was es gibt, ist die Arbeitsstättenregel Temperatur. Diese bezieht sich aber nur auf die Hitze in Räumen und besagt, dass ein Raum ab einer Temperatur von mehr als 35 Grad ohne besondere Maßnahmen ungeeignet zum Arbeiten ist.
Den rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland, die im Freien arbeiten - insbesondere den Bauarbeitern - bringt diese Regelung gar nichts. Auch die Baustellenverordnung hilft da nicht weiter. Egal, wie hoch die Temperaturen noch steigen: Hitzefrei auf dem Bau gibt es nicht, zumindest nicht sofort. "Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, um so entscheiden zu können, wie er seine Mitarbeiter am besten vor hohen Temperaturen und Sonneneinstrahlung schützen kann", sagt Birte Hagedorn, Sprecherin der Berufsgenossenschaft (BG) BAU, auf unsere Anfrage.


TOP-Prinzip

Es gelte das sogenannte TOP-Prinzip: Zunächst müsse der Arbeitgeber technische Maßnahmen für eine Verbesserung der Situation ergreifen, zum Beispiel ein Sonnensegel installieren. Wenn das nicht möglich ist, kämen organisatorische Maßnahmen wie geänderte Arbeitszeiten in Betracht. Schließlich gebe es noch personenbezogene Maßnahmen, um die Situation zu entschärfen, zum Beispiel Schutzkleidung.


"Wann sollen wir denn bauen?"

Laut Hans Beer von der IG BAU hat es von Gewerkschaftsseite schon öfter Versuche gegeben, mit einer Hitzeregelung die Arbeit an heißen Tagen einzuschränken. Ohne Erfolg. "Die Arbeitgeber sagen: Wenn wir dieses gute Wetter nicht ausnutzen, wann sollen wir denn dann bauen?", berichtet er. Auch einen Hitzezuschlag im Freien gebe es in den Tarifverträgen der Branche nicht.