Tausende bunte Eierschalen, kunstvolle Girlanden und frische Blumen verwandeln zur Osterzeit nahezu 200 Brunnen in der Fränkischen Schweiz in wahre Kunstwerke. Was viele nicht wissen: Der Ursprung dieser farbenfrohen Tradition liegt in Aufseß-Haag, wo seit 1909 Frankens ältester Osterbrunnen geschmückt wird. Filmaufnahmen aus diesem Jahr belegen die über hundertjährige Geschichte eines Brauchtums, das heute aus Bayern nicht mehr wegzudenken ist.

Von Bieberbach mit dem größten Osterbrunnen der Welt bis zu den malerischen Routen durch Gößweinstein und Heiligenstadt – die Fränkische Schweiz lockt zwischen Karwoche und zwei Wochen nach Ostern mit einem ganz besonderen Anblick. Hinter jedem prächtigen Brunnen stecken hunderte Stunden Handarbeit: 1800 bis 2000 handbemalte Eier, 80 Meter Girlandenschmuck und die Liebe zum Detail machen die Osterbrunnen zu lohnenden Zielen für Wanderungen und Radtouren. Rund um Ostern finden in ganz Franken zahlreiche Märkte und Veranstaltungen statt. Von Nürnberg bis Bamberg verwandelt sich die Region in eine lebendige Bühne für Brauchtum, Kunsthandwerk und fränkische Spezialitäten – mit Ostermärkten, Frühlingskonzerten und traditionellen Festen.

Osterbrunnen in Franken: Das "Original" in Aufseß-Haag und weitere Highlights

Der Hintergrund dieser Tradition liegt in der Bedeutung des Wassers für die einst wasserarme Region der Fränkischen Alb. Durch die spezielle Geologie des Fränkischen Juras, der überwiegend aus wasserdurchlässigem Dolomit- und Kalkgestein besteht, gab es nur wenige natürliche Wasserreserven. Um die Versorgung zu sichern, errichteten die Menschen Brunnen und Zisternen.

Dem Osterwasser wurde laut der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz früher eine besondere Wirkung zugeschrieben. So sollten etwa Kinder, die mit frisch geweihtem Wasser an Ostern getauft wurden, besonders klug werden. Auch sollte das Trinken von Osterwasser dem Volksglauben nach vor Krankheiten schützen, und wer Osterwasser im eigenen Haus verspritzte, sollte so Ungeziefer fernhalten können.

Neben dem Osterbrunnen-Schmücken gibt es in Franken viele weitere traditionelle Osterbräuche. Vom Karfreitagsratschen über das Ostergelächter bis zur Kräutelsuppe – die Osterzeit ist reich an jahrhundertealten Traditionen, die bis heute gepflegt werden. Das "Putzen" der Brunnen beginnt dabei in den verschiedenen fränkischen Ortschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten, zumeist aber Ende März oder etwa zwei Wochen vor Ostern.

"Pioniere": Hier steht Frankens ältester Osterbrunnen

Als ältester Osterbrunnen der Region gilt der im Ortsteil Haag bei Aufseß in der Fränkischen Schweiz. Laut einem Bericht vom Bayerischen Rundfunk (BR) wird der Osterbrunnen dort seit über 100 Jahren geschmückt – Filmaufnahmen von 1909 belegen das. Gleichzeitig sei dort "vermutlich" der Ursprung des inzwischen über ganz Franken verbreiteten Brauchtums, denn die Aufseßer würden als die "fränkischen Pioniere des Osterbrunnenschmückens" gelten.

Der Grund: Im selben Jahr – also 1909 – bekamen die Aufseßer ihren ersten Brunnen. Davor musste das Wasser aufwändig mit einer sogenannten Butte den Berg hinaufgetragen werden. Geschmückt wurde er daher aus "Freude und Dankbarkeit" von den Einwohnern, so der BR. Das geschehe in der Regel am Gründonnerstag.

Eine weitere Besonderheit des Aufseßer Brunnens: Der Schmuck sehe auch noch fast genauso aus wie vor hundert Jahren. Von Hand ausgeblasene und bemalte Hühnereier, die an kleinen Fichten hängen – Plastik oder Glitzer sucht man hier vergebens.

Rekordhalter: "Größter Osterbrunnen der Welt" in Franken

Im Durchschnitt benötigt ein Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz etwa 80 Meter Girlandenschmuck und 1800 bis 2000 bemalte Eierschalen, heißt es von der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz.

Doch es geht noch weitaus opulenter: Der Osterbrunnen in Bieberbach bei Egloffstein hat sich mit rund 11.000 Eiern sogar als "größter Osterbrunnen der Welt" einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde gesichert. Dabei handelt es sich auch ausschließlich um echte Eier, die allesamt liebevoll von Hand bemalt wurden.

Wer die schönsten Osterbrunnen in Franken entdecken möchte, findet hier eine Übersicht. Von Bieberbach über Heiligenstadt bis Gößweinstein – die Leser von inFranken.de haben ihre Favoriten gewählt und verraten, wo die beeindruckendsten Kunstwerke stehen. Ganze Busse voller Besucher drängen sich bei Oster-Rundfahrten dann um die Brunnen. Was rund um Frankens größten Osterbrunnen noch alles geboten ist, erfährst du hier.

Von Bieberbach bis Gößweinstein: Die schönsten Osterbrunnen-Routen

Wer gleich mehrere der kunstvoll geschmückten Osterbrunnen an einem Tag erleben möchte, für den bietet sich eine der ausgearbeiteten Osterbrunnen-Touren durch die Fränkische Schweiz an. Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz stellt verschiedene Routen bereit – wahlweise mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß. Besonders beliebt ist laut dem Bayerischen Rundfunk die klassische Rundfahrt, die vom größten Osterbrunnen der Welt in Bieberbach über Egloffstein und Gößweinstein bis nach Heiligenstadt führt.

Für Radfahrer eignet sich besonders die Route von Forchheim, dem "Tor zur Fränkischen Schweiz", über Ebermannstadt bis nach Gößweinstein. Die gut ausgebauten Radwege führen durch malerische Täler und vorbei an zahlreichen geschmückten Brunnen. Wer es gemütlicher angehen möchte, kann die Tour auch auf zwei Tage verteilen und unterwegs in einer der traditionellen Brauereigaststätten einkehren, so die Ausflugsbox.

Wanderfreunde finden ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, die Osterbrunnen zu Fuß zu erkunden. Besonders reizvoll sind die Wanderwege rund um Ebermannstadt, wo mehrere geschmückte Brunnen in fußläufiger Entfernung zueinander liegen. Kartenmaterial und detaillierte Tourenvorschläge mit Kilometerangaben und Höhenprofilen stehen laut der Genussregion Oberfranken auf den Websites der örtlichen Tourismusverbände zum Download bereit.

Handarbeit für die Tradition: So werden Ostereier für den Brunnen bemalt

Hinter jedem prächtigen Osterbrunnen stecken hunderte Stunden Handarbeit – und das beginnt lange vor dem eigentlichen Schmücken. Die Grundlage bilden ausgeblasene Hühnereier, die in mühevoller Kleinarbeit bemalt werden. In vielen fränkischen Gemeinden treffen sich die Einwohner bereits Wochen vor Ostern zu gemeinsamen Mal-Aktionen. Dabei kommen laut NDR sowohl traditionelle Motive wie Blumen, geometrische Muster und religiöse Symbole zum Einsatz als auch moderne Designs.

Die klassische Technik verwendet Acryl- oder spezielle Eierfarben, mit denen die ausgeblasenen Schalen von Hand bemalt werden. Manche Orte setzen auf natürliche Färbemittel wie Zwiebelschalen, Rote Bete oder Kurkuma, um die Eier zunächst einzufärben und anschließend mit feinen Pinseln zu verzieren. Besonders aufwendig sind Wachstechniken, bei denen mit flüssigem Wachs Muster aufgetragen werden, bevor das Ei gefärbt wird – ähnlich wie bei ukrainischen Pysanky-Eiern, wie Heimwerker.de berichtet.

Für einen durchschnittlichen Osterbrunnen werden etwa 1800 bis 2000 bemalte Eierschalen benötigt, für den Rekordhalter in Bieberbach sind es sogar über 11.000 Stück. Die fertigen Kunstwerke werden dann vorsichtig an Girlanden befestigt oder auf Zweigen aufgehängt. In Aufseß-Haag, wo der älteste Osterbrunnen Frankens steht, hält man bis heute an der traditionellen Gestaltung fest: schlichte, handbemalte Eier ohne Plastik oder Glitzer – genau wie vor über 100 Jahren.

Vom Gründonnerstag bis zwei Wochen nach Ostern: Wann die Brunnen geschmückt werden

Das "Brunnenputzen", wie das Schmücken der Osterbrunnen im fränkischen Volksmund heißt, beginnt in den meisten Gemeinden in der Karwoche – also in der Woche vor Ostern. Viele Orte starten bereits am Gründonnerstag oder Karfreitag mit der aufwendigen Dekoration, sodass die Brunnen spätestens am Karsamstag in voller Pracht erstrahlen. In einigen Gemeinden wird jedoch schon zwei Wochen vor Ostern, teilweise sogar ab Palmsonntag, mit dem Schmücken begonnen, so der Naturpark Fränkische Schweiz.

Die geschmückten Brunnen bleiben in der Regel bis etwa zwei Wochen nach Ostersonntag stehen – also bis in die erste oder zweite Woche nach den Feiertagen. Das bedeutet, dass Besucher je nach Ort zwischen Ende März und Mitte April die Möglichkeit haben, die kunstvollen Arrangements zu bewundern. Der genaue Zeitraum variiert von Gemeinde zu Gemeinde, weshalb sich laut Reisehappen ein Blick auf die Übersichten der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz lohnt.

Die beste Besuchszeit ist erfahrungsgemäß die Woche direkt nach Ostern: Die Brunnen sind noch frisch geschmückt, die Osterfeiertage mit ihrem größten Besucherandrang sind vorbei, und das Frühlingswetter lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Wer die Osterbrunnen in Ruhe fotografieren möchte, sollte unter der Woche und am Vormittag kommen – an Wochenenden und Feiertagen kann es besonders an den bekannten Standorten wie Bieberbach oder Heiligenstadt sehr voll werden, wie die Fränkische Schweiz Tourismus berichtet.