Gelassen stehen die Kühe von Landwirt Markus Galster in ihrem Stall in Gosberg. Die einen dösen im Liegen, die anderen käuen vor sich hin. Zwei mal am Tag kommt Bewegung in die Herde: Wenn der Landwirt 65 Kühe pünktlich um sieben Uhr in der Früh und um fünf Uhr am Abend melkt. Dazu werden sie in einen Melkstand geführt, sechs Kühe können darin gleichzeitig stehen.

"Die Kühe haben auch eine innere Uhr", sagt Landwirt Galster überzeugt. Längst haben sich die Kühe an die Zeiten gewöhnt. Er erzählt, dass die Tiere meist von selbst zum Melkstand kommen. "Die Melkzeiten müssen eingehalten werden, damit kein Stress für die Kuh entsteht. Sonst werden sie nervös", sagt der Landwirt.

Die Zeitumstellung geht auch an den Kühen nicht spurlos vorbei: Wenn Markus Galster eine Stunde früher als gewohnt im Stall auftaucht, ruhen manche Tiere noch und sind unmotivierter als sonst. Zehn bis 14 Tage dauert es, bis sich die Kühe an den neuen Rhythmus gewöhnt haben, berichtet der Landwirt. "Man muss ein bisschen tricksen, zum Beispiel eine halbe Stunde später melken", erklärt Galster.


Melken dauert länger

Die ersten vier Tage nach der Umstellung dauert das Melken jeweils rund 20 Minuten länger. "Nach der Zeitumstellung ist das Melken aufwendiger. Man muss die Tiere mehr motivieren", erzählt Galster. Vor allem die älteren Kühe sind etwas langsamer und entspannter. Deshalb trotten diese nach der Zeitumstellung meist als letzte zum Melkstand. Unter den Jungtieren herrscht größere Aufregung: "Die jüngeren Tiere sind schreckhafter und reagieren leichter", erklärt der Landwirt.


So viel Milch wie immer

Entgegen der weitläufigen Meinung wirke sich die Zeitumstellung nicht auf die Milch aus. Als keine Angst vor saurer Milch nach der Zeitumstellung. Die Kühe geben genauso viel Liter wie sonst auch, berichtet der Gosberger Landwirt. Manche Landwirte müssen sich um die Zeitumstellung keine Gedanken machen: Bei denen, die einen Melkroboter besitzen, können sich die Kühe rund um die Uhr melken lassen. "Das ist die Zukunft", sagt Galster. Auch wenn die Tiere in einem Anbindestall leben, das heißt an einem Platz fixiert sind, stellt sich das Problem nicht.

Weniger problematisch sieht es dagegen bei den Wildtieren aus. In den heimischen Wäldern geht alles seinen gewohnten Gang. "Die Tiere wissen von der Zeitumstellung nichts. Ihr Verhalten bleibt gleich", sagt Erich Fiedler, zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim im Landesjagdverband Bayern und Kreisjagdberater. Denn Wildtiere orientieren sich an den natürlichen Gegebenheiten und Lichtverhältnissen.


Tiere im Wald werden aktiver

Außerdem werden die Tiere im Frühling aktiver. Die Natur erwacht wieder, die Tiere kriechen aus ihren Winterquartieren. Rehe finden sich zu Beginn des Herbstes, wenn die Brunft abgeschlossen ist, zu einem Sprung, einer Art Herde, zusammen. Wenn im Frühling die Natur austreibt, dann lösen sich auch die Sprünge wieder auf, erklärt Fiedler. Wenn die Kitze zur Welt kommen, geht jedes Reh selbstständig wieder seinen eigenen Weg. Nach der Zeitumstellung erwachen außerdem viele Tiere aus ihrer Winterruhe. Der Dachs wird beispielsweise erst ab Plusgraden wieder aktiv, berichtet Fiedler. "Eine innere Uhr haben Tiere schon", betont der Jäger.

Die Zeitumstellung
Historisch 1916 wurde die Sommerzeit erstmals im Deutschen Kaiserreich eingeführt, drei Jahre später mit dem Beginn der Weimarer Republik schon wieder abgeschafft. Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit, wie sie aktuell umgesetzt wird, gibt es in Deutschland seit 1980. Ursprünglich sollten damit Energiekosten eingespart werden.
Eselsbrücke Wer sich nicht merken kann, ob die Uhr vor- oder zurückgestellt wird, nimmt eine Eselsbrücke zur Hilfe: Wenn es Sommer wird, werden Gartenstühle vor dem Haus benötigt. Genauso wird die Uhr zur Sommerzeit eine Stunde vorgestellt. Zum Winter kommen die Stühle wieder zurück ins Haus - die Uhr wird zur Winterzeit eine Stunde zurückgestellt. red