Bäumchen wechsle Dich heißt es wieder einmal in der Forchheimer Gastronomie: Während am Paradeplatz im Flammkuchen-Häusle in der Alten Wache in Kürze der Ofen aus geht, wird in dem seit einiger Zeit leer stehenden Lokal in der Apothekenstraße die Küche wieder befeuert. Dort, wo der Betreiber des Restaurants Enno und danach die Pächterin des Tinello scheiterten, will die gelernte Hotelfachfrau Kathrin Grüner mit einem neuen Konzept ihr Glück versuchen.


Viel Herzblut vergeben

Doch zunächst ein (Rück-)Blick zur Alten Wache. Pächterin Jaqueline Sailer erinnert sich mit gemischten Gefühlen an den Start ihres Flammkuchen-Häusles : "Schlimmer hätte es eigentlich nicht beginnen können - wir haben das Lokal am 11. Juni 2016 übernommen und am 9. August stand der Dachstuhl in Flammen." Für eine ungastliche Atmosphäre auf dem Paradeplatz habe zugleich die Tiefgaragen-Baustelle gesorgt. Das Herzblut, das man in das Restaurant gesteckt habe und die viele Mühe, die man sich bei der Ausgestaltung der Freifläche gegeben habe, hätten sich durch viele Stammgäste ausgezahlt, erzählt die Wirtin.
"Wir machen nicht zu, weil das Geschäft nicht mehr läuft, sondern weil es uns zu viel wird", erklärt ihr Partner Jens Klotzkowski. Freizeit sei für sie ein Fremdwort geworden. Eine 70-Stunden-Woche sei keine Seltenheit. "Wir machen jetzt erst mal Urlaub." Wie lange sie danach wieder öffnen, wissen die beiden noch nicht. Das hänge davon ab, wann der potenzielle Nachfolger das Lokal, das von der Tucher-Brauerei verpachtet wird, übernimmt.
Jaqueline Sailer und Jens Klotzkowski, die aus dem Raum Böblingen stammen, wollen Forchheim aber weiterhin treu bleiben. "Wir haben hier Freunde und fühlen uns wohl", betont Klotzkowski. "Wir können uns jetzt einmal die Zeit nehmen, um Forchheim richtig kennen zu lernen". Sie seien wegen des eigenen Betriebs zum Beispiel bisher noch nie dazu kommen auf die Keller oder auf's Annafest zu gehen.


Nachpächter gefunden

Einen Nachpächter für die Alte Wache gebe es schon, berichtet Jens Klotzkowski. Mehr verrät er allerdings noch nicht, denn der Pachtvertrag sei noch nicht unterschrieben. In der Forchheimer Gerüchte-Küche wird indes schon darüber getuschelt, dass ein Mexikaner einziehen soll - aus anderen Quellen heißt es, ein Gastronom aus der unmittelbaren Nähe werde die Alte Wache übernehmen. Kurzum: "Nix genaues weiß ma ned".


Neu aufgetischt in der Apothekenstraße

In der Apothekenstraße, wo im vergangenen Jahr das Tinello die Türen schloss, soll im August neues gastronomisches Leben einziehen. Bis 27. Juli stehe sie noch in ihrem bisherigen Arbeitsverhältnis, berichtet Kathrin Grüner, die zurzeit als Hoteldirektorin eines Vier-Sterne-Hauses mit zwei Restaurants in Weisendorf tätig ist. Sie ist also vom Fach - mehr noch: Die 37-Jährige stammt aus einer Gastronomiefamilie. "Meine Eltern hatten ein Hotel mit Gasthof in der Fränkischen Schweiz - ich bin in der Gastronomie aufgewachsen", erzählt Kathrin Grüner, die ihren Beruf von der Pike auf gelernt hat. Während ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau habe sie unter anderem im Adlon in Berlin gearbeitet, berichtet die Vollblut-Gastronomin.


Ein Traum wird Wirklichkeit

"Mich selbstständig zu machen, das war schon immer mein Traum", gesteht die unternehmungslustige junge Frau. Als sie davon gehört habe, dass die Pächterin des Tinello ihr Geschäft aufgegeben habe, war es für Kathrin Grüner an der Zeit ihren Traum zu verwirklichen. "Ich kenne die Location, denn im vorherigen Enno hatte ich bereits aushilfsweise gearbeitet", berichtet die künftige neue Pächterin des Lokals.


Alles durchkalkuliert

Bange ist ihr nicht, trotz des Scheitern ihrer Vorgänger. "Ich habe alles durchkalkuliert - finanziell ist es zu stemmen", zeigt sich die künftige Wirtin selbstbewusst. Die Pacht, die die Vorgängerin öffentlich gemacht habe, sei nicht das, was sie bezahle, erklärt Grüner und fügt hinzu: "Mehr möchte ich dazu nicht sagen." Nur so viel verrät sie noch: Die Appartements in der oberen Etage habe sie nicht mitgepachtet. "Ich konzentriere mich lieber auf das Restaurant. Diese Aufgabe ist groß genug." Dabei kann sie auf die Unterstützung ihrer gastronomieerfahrenen Eltern zählen. "Meine Mama wird vorwiegend in der Küche tätig sein, mein Vater am Ausschank, im Einkauf und was sonst noch alles anfällt."


Klassische bis moderne Küche

Ihr Konzept will Kathrin Grüner noch nicht im Detail verraten - "aber es werden Klassiker aus der Region serviert, genauso wie es vegane Gerichte aus der moderne Küche geben wird". Sie werde keine feste Karte haben sondern wöchentlich wechselnde frische Gerichte anbieten - und dies mittags und abends. Für ihr Restaurant plant Kathrin Grüner ein völlig neues Interieur. Modern und gemütlich soll es werden. Nur eines ist noch ein Geheimnis: Der Name ihres neuen Restaurants.