Übung macht den Meister. Das ist dem Belgischen Schäferhund "Scharik" klar. Mit großem Vergnügen macht er sich auf die Suche nach Stephan Rehm, dem Schutzhundetrainer des Baiersdorfer Schäferhundvereins, der eigens für ihn eine vermisste Person mimt. Dabei hat der fünfjährige Trümmerhund gerade erst seine Zulassungsprüfung wie jedes Jahr erneut absolviert.

Wie gefordert findet er den Mann schnell und setzt sich vor ihn bellend hin. Damit wüsste Beate Pohlmann, sein Frauchen, im Ernstfall, dass der Hund einen lebenden Menschen in einer schwierigen Situation gefunden hat. Das sieht alles so einfach aus; es steckt aber jede Menge Training dahinter, dass "Scharik" auf weite Entfernung anweisungsgemäß agiert. Denn als oberste Regel für einen Trümmerhundeführer gilt, dass er sich nicht selber in Gefahr bringen darf, also einem gefährlichen Terrain fernbleiben muss. "Bei einem Einsatz muss man sich bewusst sein, dass der Hund unter Umständen verunglückt und nicht zurückkommen kann", sagt Pohlmann nüchtern.

Für den Hund ist es ein Spiel

Für "Scharik" ist es ein tolles Spiel, das dennoch Menschenleben retten kann - wie bei einem Einsatz in einem Steinbruch bei Ebermannstadt: Seit drei Tagen war ein Mann abgängig. Für die Suche nach ihm setzte die Rettungshundestaffel Forchheim zuerst Hunde ein, die auf die Suche in der Fläche trainiert sind, und als das Gelände schwer zugänglich wurde, die auf Suche in Trümmern spezialisierten.

Die Anfangsübungen zeigt Pohlmann mit "Schariks" Nichte, der einjährigen "Peaches". Die schlaksige Hundedame darf mit einem Gummiball spielen, den Pohlmann weit ins Gelände wirft. Als schlauer Hund bringt "Peaches" ihn zurück, damit er nochmals geworfen wird. Doch Pohlmann stoppt ab und hält das Gummiobjekt für das Tier erkennbar fest in der Hand. "Da belle ich mal, dass ich es haben will", glaubt man "Peaches" Miene abzulesen.

Der gewünschte Effekt

Und genau das ist der gewünschte Effekt. Wie die berühmten Pawlowschen Hunde verbindet sie ihren Wunsch mit dem Menschen, der ihn erfüllen kann. Irgendwann im Training überträgt sie das Muster vom Frauchen auf andere Menschen. "Deshalb brauchen wir bei der Ausbildung gute Helfer, die sich verstecken und - wenn sie gefunden werden - mit dem Hund das vertraute Spiel spielen, bis das auch ohne Spielzeug funktioniert. Sie müssen begreifen, was sie suchen müssen", erläutert Pohlmann die Trainingsschritte.

So ganz nebenbei übt sie mit ihren Hunden das Laufen auf ungewöhnlichen Untergründen, seien es Gittertreppen oder schmale Balken. Das beginnt mit den Rosten zum Fußabtreten und Baumstämmen. Das Benutzen einer Leiter ist an und für sich einem Hund fremd. Dafür gibt es eine trickreiche Erfindung, eine zuerst geschlossen Hürde, aus der mit der Zeit Bretter gezogen werden. Da dem Hund das Gerät vertraut wird, überwindet er es nach einiger Zeit, auch wenn es nur mehr aus Leitersprossen besteht. "Immer mit Geduld", erklärt sie mehrmals.

Ungewisses Verhalten

Eine Schwierigkeit beim Einsatz ist das ungewisse Verhalten einer gesuchten Person. Damit sie nicht in Panik gerät, darf sie der Suchhund keinesfalls berühren. Er darf aber auch nicht aggressiv reagieren, wenn ihn sein Gegenüber bedroht. "Besonders schwierig ist es, Hunde an Alkoholgeruch zu gewöhnen; sie mögen ihn nun mal gar nicht", nennt Pohlmann eine weitere Erschwernis, die besonderer Übung bedarf. Denn alkoholisierte Personen sind nicht selten in einer hilflosen Lage.

Erst 2015 ist Pohlmann zur Rettungshundeausbildung gekommen: durch eine Freundin, die durch den Marktstand der Forchheimer Hundestaffel auf eine Trainingsmöglichkeit für ihren Hund aufmerksam wurde. Pohlmann begleitete sie und übernahm bald die Rolle einer Versteckspielerin. Da dauerte es nicht lange, bis die Hundeliebhaberin sich auch ein ausbildungsfähiges Tier zulegte. "Jedes Tier kann suchen; wichtig ist die Nase. Aber ,Scharik' ist da ein Naturtalent", lobt sie ihren Großen.

Auch im Schnee

Das bemerkte sie besonders, als sie mit der Forchheimer Trainerin Jule Waas an einem Schneekurs teilnahm. Waas vermittelte dann die beiden an Walter Fretschner in Roßtal (Kreis Fürth), der seit Jahren Rettungshunde ausbildet und ein Gelände mit einem Trümmerkegel und Geräten hat.

An diesem Wochenende geht es nach Malchin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) zum Trainingsgelände des Bundesverbands Rettungshunde und Anfang September in den Böhmerwald an der österreichisch-tschechischen Grenze. "Gute Trainingsgelände sind selten", erklärt Pohlmann zu den weiten Fahrten, "wegen Einsturz- und anderen Gefahren". Besonders spannend fand sie die Sucharbeit in einer halbleeren Industriehalle, im geschlossenen Raum war für die Hunde eine besondere Herausforderung. Pohlmann ist nicht die einzige in der 30-köpfigen Forchheimer Hundestaffel mit einem Trümmerhund. Seit Sonntag in Ulm sind es fünf geprüfte Trümmerhunde, die Jule Waas, Alexander Bakowski und eben ihr gehören. "Das ist in Bayern einzigartig", hebt sie hervor. Nebenher erinnert sie noch an den großen Einsatz, als in Bad Reichenhall eine Sporthalle wegen der Schneelast eingestürzt war, und an ihre Kollegen, die mit einer Katastrophen-Einsatzgruppe in Beirut waren.