An Touristen mangelt es den Weißenoher und Dorfhauser Bürgern nicht. Im Gegenteil: "Wir brauchen keine Werbung zu machen, doch ein Dauerzustand kann es nicht sein", sagt Bürgermeister Rudolf Braun (FW/WGA). Seit Jahren sei der Ort an Feiertagen wie Christi Himmelfahrt und Pfingsten überfüllt. Die Corona-Krise habe das Ganze verschärft. Nicht nur an bestimmten Tagen ist der Ort mit Autos zugeparkt, erst recht, seit die Ausgangsbeschränkungen gelockert wurden. An den Wochenenden herrscht auch ohne Corona Chaos.

"Die Wanderparkplätze waren schon um 9 Uhr besetzt", sagt Braun. Eine oder zwei Stunden später der ganze Ort. Würden sich die Touristen vernünftig verhalten, würde wohl kaum jemand etwas sagen. Die Realität sieht jedoch anders aus. "Sie stellen sich mit den Autos in die Äcker und holen dort den Kinderwagen aus dem Auto. Oder sie fahren bis zu den Fischweihern in Dorfhaus", erzählt der Bürgermeister. Am liebsten würden die Wanderer gleich bis zu den Sinterstufen und zur Lillachquelle fahren, schiebt er hinterher.

Weißenohe: Touristen sorgen für Kollaps im Dorf

Zwar gebe es viele Sinterterrassen im Landkreis, die meisten seien aber nicht so ausgeprägt wie die in Weißenohe - und vor allem nicht erschlossen. So waren die Sinterstufen schon früher eine Attraktion, doch seit sie in den 90er Jahren als Naturdenkmal ausgewiesen wurden, sind sie einer der Hotspots, der die Besucher lockt und die immensen Probleme auslöst. "Die kommen zum Wandern, wollen aber keinen Meter laufen müssen", erklärt Braun.

Die Straßen werden beiderseits zugeparkt, auch vor den Garagen der Bewohner stellen die Tagesgäste ihre Autos ab. Zum Beispiel in Dorfhaus beim Bach. "Wir haben ihnen gesagt, dass sie hier nicht stehen bleiben können. Es kommt kein Auto mehr durch", erklärt ein Anwohner, der dann von einer Wanderin im Pelzmantel beschimpft worden sei. Der Sohn der Touristin beleidigte den Dorfhauser als Lackaffen, der ihnen gar nichts zu sagen habe.

"Das ist für die Anwohner eine Belästigung. Die Besucher stellen ihre Autos vor deren Garagen ab und pöbeln die Bürger an", empört sich Braun. "Sie laufen, wie es ihnen gefällt, stellen ihre Autos ab, wo sie wollen und lassen ihre Hunde überall hinlaufen und Häufchen machen", behauptet ein anderer Anwohner. Auch im Bach entlang der Dorfhauser Straße und in den Wiesen der Landwirte rennen die Hunde der Touristen angeblich herum.

Touristen bringen Dorf mit rücksichtslosem Verhalten über Grenzen

Es sei also nicht die bloße Zahl der Touristen, die das Dorf an manchen Tagen weit über seine Grenzen bringt, sondern vor allem deren rücksichtsloses Verhalten. "Sie kommen und führen sich auf wie die Könige", schimpfen die Anwohner. Insbesondere das Parkverhalten der Wanderer sprenge den Rahmen. Sie fahren so weit Richtung Wanderweg zu den Sinterstufen, dass die Landwirte mit ihren Geräten nicht mehr fahren können. "Sie parken links und rechts, es sind keine 2,50 Meter Durchfahrt und sie beachten keine Durchfahrtsschilder", berichtet der Gemeindechef.

Am Pfingstwochenende seien weder Rettungsdienst noch Feuerwehr durchgekommen, meint ein Dorfhauser. Rettungseinsätze würden vom egoistischen Verhalten der Touristen erschwert. "Sie kommen als Wanderer und fahren mit dem Auto", sagt Braun kopfschüttelnd. "Es ist nicht jeden Tag so. Der Normalzustand ist schon belastend, aber was an Pfingsten los war...", ärgert sich Braun. Es wäre kein Thema, wenn sich die Wanderer vernünftig verhielten. Aber: "Manche kennen keine Rücksicht, auch nicht auf die Natur", unterstreicht Braun. Er müsse seine Bürger schützen. Es sei die Aufgabe der Kommune, das zu kanalisieren. "Die Einwohner müssen fahren können", erklärt der Gemeindechef. "Aus ihren Garagen und auf den Straßen. Und sie dürfen nicht angepöbelt werden."

Besonders schlimm sei der Besucherandrang, wenn in den Medien über die Sinterstufen und die Quelle berichtet werde. Dass man im Wasser spielen und es sogar trinken könne. "Das ist Quatsch", sagt Braun. "Wenn es nur ein oder zwei Mal im Jahr wäre, könnten wir es akzeptieren, doch es ist ein Dauerzustand." Eine mögliche Lösung heißt Parkleitsystem. Das ist jedoch nicht so einfach. Zwar gebe es Straßen wie die Sportplatzstraße, auf denen die Autos am Wochenende am Rand parken könnten, ohne jemanden zu stören, diese Straße ist jedoch hinter dem Bahnsteig und den Wanderern offensichtlich zu weit weg.

"Guter Boden" soll nicht betoniert werden

Auch beim Wertstoffhof wären noch Plätze und Richtung Netto-Markt in Igensdorf gehört der Gemeinde ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück. Das ist derzeit an einen Landwirt verpachtet. Einen weiteren Parkplatz möchte der Bürgermeister dort aber nicht umsetzen: "Das ist bester Boden. Ob es sinnvoll ist, das als Parkplatz zu betonieren, ist sehr fraglich", meint Braun.

Die Gemeinderäte sollen sich Gedanken darüber machen. Fest steht jedenfalls. "Eine kurzfristige Lösung gibt es nicht. Das muss man langfristig planen", sagt Braun. Endgültig Ruhe werde mit der Dorferneuerung in Dorfhaus einkehren, meint der Gemeindechef. Diese wird angegangen, doch bis dahin wird es sicher noch viele besucherreiche Wochenenden geben.