Mit den Gemeinsamkeiten, aber auch den Unterschieden zwischen Egloffstein und Kunreuth, hat sich jetzt Hermann Ulm beschäftigt. Der Kunreuther Bürgermeister (Demokratie) war dazu von der "Werkstatt Egloffstein" eingeladen worden.
Für Kunreuth skizzierte Ulm dabei ein positives Szenario. Die Zeichen stehen seiner Ansicht nach dort auf Entwicklung und Wachstum. Nachdem Egloffstein ganz ähnliche Voraussetzungen habe, hält Ulm auch dort eine positive Entwicklung für möglich.

Umgedrehter Trend

Vor allem die demografische Entwicklung hängt wie ein Damoklesschwert über dem ländlichen Bereich. Prognosen gehen davon aus, dass in 20 Jahren im Landkreis Forchheim jeder dritte Einwohner über 60 Jahre alt sein werde.

Schuld daran ist auch die zunehmende Landflucht. Besonders Jüngere zieht es in urbanere Gegenden: "Die Jobs der Zukunft entstehen in den Städten", sagte Ulm dazu in seinem Vortrag. Er erinnerte daran, dass es noch gar nicht so lange her ist, als das Gegenteil der Fall gewesen ist, und es die Menschen von den Städten auf das Land gezogen hat.

Zwischen den 70er- und 90er-Jahren prosperierten die Dörfer auch deshalb, weil die Lebenshaltungskosten dort niedriger waren als in den Städten.
Davon konnte laut Ulm auch Egloffstein profitieren: Allein zwischen 1987 und 1999 hat die Zahl der Einwohner um 17 Prozent zugelegt. In den zurückliegenden Jahren jedoch sinkt die Zahl kontinuierlich: um durchschnittlich vier Prozent im Jahr. "Das Land blutet umso stärker aus, je weiter es von Zentren und Metropolregionen weg ist", resümierte Ulm.

Mit den sinkenden Einwohnerzahlen gerät laut Ulm auch die notwendige Infrastruktur in Gefahr: Ärzte, ÖPNV, Einzelhandel: Hier müsse rechtzeitig gegengesteuert werden.

"Viele, viele Gespräche"

Als Beispiel nannte Ulm die Ärzteversorgung. Er stützte sich dabei auch auf die Bürgerumfrage, in der die Egloffsteiner diesen Bereich als "sehr wichtig" bewertet haben.
In Kunreuth habe man dagegen einen Investor gefunden, der ein Ärztehaus baut. Aufgrund des Neubaus habe der alteingesessene Arzt einen jungen Nachfolger gefunden. "Viele, viele Gespräche waren notwendig, um alle, die man dazu braucht, an einen Tisch zu bekommen", machte Ulm aus den Schwierigkeiten allerdings auch keinen Hehl.

Tatsächlich liegt bei der Ärzteversorgung noch einiges im Argen in Egloffstein. Dr. Alfred Riedl, der zusammen mit seiner Frau Emilie seit 28 Jahren eine Arztpraxis am Marktplatz betreibt, beschwerte sich in der Versammlung über das Verhältnis zur Gemeinde; vor allem was die Praxisräume im Tanzsaal des ehemaligen BdK-Heims angeht. Seit 20 Jahren versuche er, die bauliche Situation dort zu verbessern. Die Gemeinde habe ihm in all den Jahren aber "nur Steine in den Weg gelegt".

Mittlerweile, Riedl ist nun 64 Jahre alt, "bekomme ich aus Altersgründen nicht einmal mehr Kredit von der Bank, um das Gebäude umzubauen", sagte er.

Aber ohne Umbau könne er keinen jungen Arzt davon überzeugen, die Praxis zu übernehmen. "Wenn der das undichte Dach sieht und die Wasserflecken an den Wänden, wird er die Räume nicht übernehmen", ist sich Riedl sicher. Die Nachfolge für seine Praxis ist deshalb noch nicht geklärt.

Es gebe zwar Interessenten, aber die seien "nur scharf auf die Zulassung". Würde er die Zulassung nach Nürnberg verkaufen oder zurückgeben, "gäbe es auf absehbare Zeit keinen Arzt mehr in Egloffstein", sagte Riedl.

Eine Scheune gekauft

Egloffsteins Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU) versicherte, dass die Gemeinde bei der Sanierung der Praxisräume helfen werde. Allerdings erst, wenn ein neuer Arzt gefunden sei und der seine Vorstellungen für die Räume formuliert habe.
Das eigentliche Problem am Marktplatz sind aber wahrscheinlich die fehlenden Parkplätze. Die Arztpraxis hat sogar eine Scheune gekauft und abgerissen, damit drei Parkplätze entstehen. Die anderen Läden am Marktplatz - Bäckerei, Metzgerei, Dorfladen, Apotheke und Bank - teilen sich wenige Plätze entlang der Ortsstraßen. Allen Anwesenden war klar, was einer dann auch offen aussprach: Ohne Parkplätze könnten die Läden auf Dauer nicht konkurrenzfähig bleiben, die Kunden bleiben weg und gehen dorthin einkaufen, wo sie bequem vor der Türe parken können.

Das Hochwasser am Hals

Gemeinderat Günther Polster sagte, dass sich viele Gemeinderäte einen Abriss des alten Rathauses vorstellen können, um Parkplätze zu schaffen.
Allerdings seien die Egloffsteiner in ihrer Mehrzahl nicht bereit, einen Abriss mitzutragen. Viel mehr andere Möglichkeiten gebe es aber nicht in der Dorfmitte, da die Häuser sehr eng aneinander und in den Hang gebaut sind. "Die Probleme kennt ihr nicht", wandte sich Polster an Ulm. Der konterte mit einem Lächeln: "Dafür haben wir das Hochwasser am Hals."

Bei der öffentlichen Infrastruktur steht Egloffstein im Vergleich zu Kunreuth allerdings gut da, sagte Ulm: Eine Kinderkrippe sei vorhanden, die Anbindung an Rad- und Wanderwege ebenso und sogar einen Kulturweg habe Egloffstein. Letzteres gelte aber auch für Kunreuth.

Ulm beendete seinen Vortrag mit einem zuversichtlichen Ausblick: Wenn auf dem Land die Lebensqualität erhalten und gesteigert, Neubürger ins Dorf integriert und "das Dorf als wertvoller Lebensraum würden, dann hätte das Land gute Perspektiven.