Viele Internetnutzer in der Königsstadt dürften es schon erlebt haben: Die Webseite lässt sich nur langsam oder gar nicht aufrufen. Die E-Mail wird nicht verschickt, der Online-Film lädt nicht oder nur langsam, die Videokonferenz hakt. Gerade in Corona-Zeiten mit Homeoffice und digitalem Schulunterricht wird deutlich: Eine zuverlässige Internetverbindung ist wichtig - und schnell soll sie sein. Den Ruf nach schnellem Internet hört man nicht nur in Forchheim. Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei Breitbandausbau mit Glasfaser hinterher.

Welche Technik dahinter steckt, wissen nur wenige. Der FT klärt zusammen mit Christian Palla, dem Abteilungsleiter Telekommunikation der Stadtwerke Forchheim, auf: Wieso machen die dünnen Leitungen unter der Erde einen Anschluss "breit"? Was macht Glasfaser so besonders? Und wie läuft der Ausbau im Stadtgebiet?

1. Breitband steht heute synonym für schnelles Internet. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Physik.

Breitband ist das Gegenstück zur Schmalband-Technologie, mit der früher nur vergleichsweise kleine Datenpakete verschickt werden konnten. Mitte bis Ende der 1990er Jahren entwickelte sich die Technologie der Datenübertragung fort. Für die bessere Internet-Leistung etablierte sich der Begriff Breitband.

Das Wort leitet sich von der "Bandbreite" ab, die durch Leitungen geschickt werden kann. Ein kleiner Ausflug in die Physik: "Wir reden hierbei von Frequenzbändern. Ganz vereinfacht gesagt, heißt das: Umso breiter die Frequenzbänder sind, die ich über eine Leitung schicken kann, umso mehr Datenvolumen bekomme ich hindurch. Und umso schneller ist das Internet für den Nutzer", erläutert Palla. Im heutigen Sprachgebrauch steht Breitband deshalb synonym für schnelles Internet.

2. Schnelles oder langsames Internet hängt davon ab, wie groß die Datenpakete sind, die pro Sekunde verschickt werden.

Wer einen Internetvertrag abschließt, kann (je nach Verfügbarkeit) zum Beispiel zwischen Anschlüssen von 16, 50, 100 oder mehr Megabit (Mbit) pro Sekunde wählen. Umso größer die Pakete - also die Daten, die pro Sekunde verschickt werden können - umso schneller ist das Internet. Für Anschlüsse mit hohen Übertragungsraten zahlen die Kunden mehr. "Es gibt auch bei uns in der Stadt und im Landkreis Forchheim noch Haushalte, die mit zwei, drei oder vier Mbit/s arbeiten müssen. Da geht es zum Beispiel nicht, schnell einen Film im Netz in sehr hoher Qualität anzuschauen", verdeutlicht Palla.

3. Glasfaser kann deutlich mehr leisten als Kupfer.

Die Kupferkabel wurden ursprünglich für das Telefonnetz verlegt und sind teilweise sehr alt. Obwohl die Leitungen nie dafür ausgelegt waren, werden sie zusätzlich fürs Internet genutzt. Der große Nachteil bei Kupfer: Durch die Leitungen werden elektromagnetische Signale geschickt, die Störfaktoren unterliegen. Je länger beispielsweise das Kabel ist, umso schwächer wird das physikalische Signal. Christian Palla nennt ein konkretes Beispiel: "Deswegen haben Haushalte in einer Stadt wie Forchheim auch unterschiedliche Geschwindigkeiten - je nachdem, ob das Haus in der Nähe eines Verteilerkastens ist oder weiter weg." Die Glasfaser hingegen nutzen optische Signale und sind dadurch auch leistungsfähiger. Palla meint: "Glasfaser ist das Medium der Zukunft, weil es sicherer und besser ist. Nach oben hin gibt es heute faktisch noch keine Grenzen."

4. Das Verlegen von Glasfaser ist aufwendig und kostenintensiv.

Die praktische Hürde: Um das Glasfasernetz auszubauen, sind Tiefbauarbeiten nötig. Die Straße muss aufgebuddelt und die Leitungen müssen unterirdisch verlegt werden - bis in jedes Haus und Gebäude. "Und das passiert erst dann, wenn es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist", erläutert Palla. Die Stadtwerke verfolgen das Ziel, im ganzen Stadtgebiet sukzessive Glasfaser zu verlegen. 2017 wurde das erste Wohngebiet rund um die Merowingerstraße mit Glasfaser versorgt, 2018 folgten Sattlertorstraße, dann Büg- und Regnitzstraße. Jährlich sollen weitere Wohngebiete folgen. Der Versorger kontaktiert regelmäßig Eigentümer: Wenn mindestens 40 Prozent eines Wohngebietes Interesse bekundet, würden die Stadtwerke dort Glasfaser-Netz bauen. "Die großen Unternehmen in Forchheim fordern schon Glasfaser. Die privaten Bewohner werden in Zukunft auch erwarten, dass es schnelles und stabiles Internet gibt."