Die Betonsäulen des Entlade-Krans stehen noch. Zwei Jahrzehnte ist es her, dass An der Lände, im Süden der Stadt, ein Schiff anlegte. Um Industriegüter abzuliefern. An der selben Stelle des Rhein-Main-Donau-Kanals werden bald die ersten Flusskreuzfahrt-Touristen in Forchheim an Land gehen.
Wirtschaftsförderer Viktor Naumann und Nico Cieslar, der Leiter der Tourist-Information, arbeiten seit Jahren an dem Plan. Bereits 2014 war Marco van Ingen, River Manager der Reederei Scylla AG, nach Forchheim gekommen, um die Stadt und die Anlegestelle zu begutachten. Seine Reederei gebe drei neue Schiffe pro Jahr in Auftrag, erzählte van Ingen gestern unserer Zeitung.
30 Scylla-Boote sind derzeit unterwegs. "In der Branche gibt es große Steigerungen und es fehlt an Infrastruktur", sagt van Ingen. Die Fundamente für die Forchheimer Anlegestelle sollen noch heuer gegossen werden. Probeweise könnten dann schon 2019 "die ersten paar Schiffe kommen", hofft der River Manager aus Basel. Offiziell im Programm der Reedereien sei Forchheim ab 2020.


Das Who is Who der Schifffahrt

Im Dezember habe er bei der Internationalen Donauschifffahrts- und Tourismuskonferenz in Wien das "Who is Who der Donauschifffahrt" kennengelernt, berichtet Nico Cieslar. Die Idee, Fluss-Touristen nach Forchheim zu bringen, sei bei den Reedern angekommen. "Der Kellerwald ist das Hauptthema", sagt Cieslar. Studien belegten, dass der Fluss-Tourismus "luxuriöser und individueller" geworden sei. Daher werde man den Gästen ganz unterschiedliche Erlebnis-Pakete anbieten: Ausflüge in die Stadt, in die Umgebung, per Rad, per Bus, und so weiter. Als die Stadträte vergangene Woche den Bau der Anlegestelle befürworteten, hatten Erwin Held (FW) und Manfred Mauser (FBF) bedauert, dass die Schiffe nicht zentraler anlegen, etwa an der Sportinsel. Doch um das Anlegen zu ermöglichen, bedürfe es einer "Aufweitung" des Kanals, erklärte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). An der Lände sei die "einzig mögliche verbleibende Stelle."
Wirtschaftsförderer Naumann verdeutlicht, dass die Stadt auf diesem Weg den Einstieg in den internationalen Tourismus finde - und kein Risiko trage. Die Investition der rund 500 000 Euro für die Anlegestelle übernimmt die RSR Schifffahrt AG, ein Tochterunternehmen der Reederei Scylla.
Die Reedereien würden Forchheim ins Programm nehmen, weil vor allem das Thema "Deutsches Bier" im Ausland "in aller Munde" sei, betont Viktor Naumann. "Aber nicht nur die Brauereien, sondern die vielen kleinen Komponenten machen Forchheim zu einer Perle", meint der Wirtschaftsförderer. Ja, stimmt Marco van Ingen zu: "Ich möchte was Neues entwickeln und Forchheim hat alles, was du als Tourist brauchst." Der River Manager schwärmt von der "Mischung aus Fachwerk, Brauereien, Festung und Kellerwald".


45 Prozent kommen wieder

Und Naumann verweist auf eine Studie, die besagt, dass jeder Tourist "pro Ausstieg" im Schnitt 50 Euro in einer Stadt lasse. Zudem: 45 Prozent der Gäste, die einmal da waren, kämen auch ein zweites Mal.
Die Nachbarn in Bamberg nutzen diese Dynamik seit über zwei Jahrzehnten. Als Bamberg Anfang der 90er Jahre in das Geschäft einstieg, habe die Stadt "einen Anleger am Margaretendamm bereitgestellt", sagt Tourismusdirektor Andreas Christel. Die "Volumina" im Flusskreuzfahrt-Tourismus seien dann deutlich gewachsen. Seit zehn Jahren werde das Geschäft von der Bayernhafen AG organisiert. Anlegemöglichkeiten für neun Schiffe gibt es mittlerweile im Hafenbecken II. Dort liegen die Kreuzfahrtschiffe an manchen Tagen im Dreierpack nebeneinander. "Mehr und mehr haben die Reedereien die Verbindung von der Donau zur Nordsee über den Kanal entdeckt", freut sich Andreas Christel.
Drei bis vier Stunden liegen die Schiffe im Schnitt in Bamberg. Oft steigen die Passagiere hier nur aus. Und sie werden nach ihrem Stadtbesuch per Bus beispielsweise nach Nürnberg gebracht, wo sie wieder an Bord gehen. Mittlerweile zählt Bamberg rund 800 Schiffe und 130 000 Kreuzfahrt-Touristen pro Jahr, sagt Tourismusdirektor Christel. Auch Kitzingen habe neuerdings investiert, um am Geschäft teilzuhaben. "Man muss ordentliche Programme bieten", sagt Christel. "Aber die Gäste wollen auch Land und Leute kennen lernen und die regionalen Spezialitäten."
Andreas Christel spricht von "Entdeckermomenten", die die Touristen über den Kanal in die Städte lockten. Dadurch werde Forchheim ab 2020 zum "internationalen Destinationspunkt", betont Viktor Naumann. "Über die Reedereien wird in den Reise-Fachzeitschriften dann beispielsweise auch in den USA für Forchheim geworben. "