Der Streit um die Tauben-Wettflüge zieht weitere Kreise. Wie berichtet, hat die Tierrechtsorganisation Peta die Veranstalterin Irene Steger aus Leutenbach angezeigt. Peta bezichtigt Steger, sie würde mit ihrem Frankenderby zur Tierquälerei beitragen und möglicherweise ein unerlaubtes Glücksspiel unterstützen.
Irene Steger hat die Vorwürfe nicht nur zurückgewiesen. Sie hat ihrerseits Vorwürfe erhoben. Dass so viele Vögel bei den Wettflügen auf der Strecke blieben, gehe auch auf Rechnung der Naturschützer. "Der Himmel brennt vor Raubvögeln", sagt die Franken-Derby-Veranstalterin. Und begründet: Die Naturschützer würden zu viele Wanderfalken aussetzen.
Dass die Taubenverluste nun auf Kosten der Falken gehen sollen, das ruft Edmund Abel auf den Plan. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter im Artenschutzprogramm Felsbrüter des Landesbund für Vogelschutz. Abel rückt das Zahlenverhältnis zwischen den Vogelarten zurecht: "Einem Heer von Millionen Tauben, davon 2,5 Millionen Brieftauben, stehen in Deutschland 1200 Brutpaare Wanderfalken gegenüber." Von den Falken lebten 270 Brutpaare in Bayern - "davon wiederum aktuell in diesem Jahr im Landkreis Forchheim acht Brutpaare mit heuer maximal zwölf Jungvögeln". Der Bestand der Wanderfalken stehe alljährlich unter Beobachtung und sei "relativ leicht zu kontrollieren, da Wanderfalken hier fast ausschließlich Fels- oder Gebäudebrüter sind", stellt der Vogelschutz-Experte fest.
Und wirft Irene Steger vor, unkundig Behauptungen zu verbreiten. Denn: Seit einem Vierteljahrhundert seien keine gezüchteten Wanderfalken mehr in Süddeutschland ausgesetzt worden. "Wer hätte das auch bezahlen sollen?", fragt Edmund Abel. "Frau Steger hätte sich zum Beispiel bei der Naturschutzbehörde kundig machen sollen, bevor sie solche Feststellungen verbreitet."
Sehr zurückhaltend mit Feststellungen ist Bernhard Hauser, der Leiter des Veterinäramtes am Landratsamt Forchheim: "Die aktuelle Sache liegt bei der Staatsanwaltschaft, dazu möchte ich nicht viel sagen." Er habe die Fragestellungen - Tierquälerei oder nicht - an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weitergegeben. In der LGL-Dienststelle Oberschleißheim gebe es nämlich eine auf Tierschutz spezialisierte Abteilung.
Hauser betont, dass seine Behörde auch verantwortlich sei, die artgerechte Haltung zu kontrollieren. Daher sei er bei seiner täglichen Arbeit "am Rande" auch mit Tauben beschäftigt. Was die Gefährdung der Tauben durch Falken betrifft, merkte der Veterinärmediziner persönlich an: Tauben seien "bei Ausflügen in ihrer unmittelbaren Umgebung" möglicherweise größeren Risiken ausgesetzt als auf langen Flugstrecken: "Wo der Tisch gedeckt ist, könnte eher ein Falke auftauchen als irgendwo an einer Strecke, wo nur alle heilige Zeit eine Taube vorbeifliegt."
Was die aktuellen Vorwürfe betrifft, werde er weder der Einschätzung der Staatsanwaltschaft noch jener des Landesamtes in Oberschleißheim vorgreifen. "Für mich ist das Thema ergebnisoffen", sagt Bernhard Hauser.
Eine Einschätzung der Staatsanwaltschaft zu Tauben-Wettflügen war am Montag noch nicht zu kriegen. Edmund Abel vom Landesbund für Vogelschutz sagte, Taubenhaltung sei in Ordnung. "Wenn es aber um materiell begründete Wettflüge über mehrere hundert Kilometer geht, halte ich das tatsächlich als nicht dem Wohl der Tiere dienend. Dies gilt vor allem dann, wenn auch noch Schlechtwetterfronten zu bewältigen sind. Die Vögel folgen dann halt ihrem Trieb so schnell wie möglich 'nach Hause' zu kommen. Insofern ist eine gerichtliche Beurteilung der Problematik begrüßenswert."