Das Junge Theater hat nicht nur die Kulturszene aufgerüttelt. Seit der zweiwöchigen Veranstaltungsreihe "Kulturpuls" im Februar denken einige Lokalpolitiker wieder laut über die Nutzung des Kolpinghauses als Kulturzentrum nach. Die CSU etwa fühlt sich bestärkt. Ihr Fraktionssprecher Udo Schönfelder will "noch in diesem Jahr mit der Planung und der Konzeption loslegen und einen Wettbewerb durchführen." Schönfelder glaubt, den SPD-Oberbürgermeister mit im Boot zu haben: Es sei "ein erfreulicher Fortschritt und gut für die Forchheimer Kulturentwicklung, dass sich Kirschstein zunehmend zum Kolpinghaus als Kulturzentrum bekennt".
Dennoch eine Stadthalle planen?Doch das Bekenntnis Kirschsteins scheint nicht ganz zum Bekenntnis der CSU zu passen. Zwar hat sich der OB im aktuellen Stadtanzeiger für den "Erhalt des Kolpinghauses als Veranstaltungsort" ausgesprochen; doch die von der CSU erhofften Konsequenzen zieht in der Partei des Oberbürgermeisters niemand. SPD-Fraktionschef Reiner Büttner betont: "Wir sehen, dass wir das Kolpinghaus brauchen. Aber erst der Vertrag mit dem Kolpinghausbauverein entscheidet, wofür wir das Gebäude nutzen." Auch als Veranstaltungsraum während einer Landesgartenschau sei das Kolpinghaus denkbar, meint Büttner. "Für uns ist zudem noch offen, ob es eine Stadthalle geben soll. Und wir müssen auch warten, was das Kulturentwicklungskonzept erarbeitet."

Auch Reinhold Otzelberger (SPD) will die jüngsten Formulierungen seines Parteifreundes Uwe Kirschstein nicht überbewerten: "Der Stadtanzeiger ist kein Stadtrat", sagt Otzelberger und appelliert, dass "in Alternativen gedacht werden sollte". Die Stadthalle sei nicht vom Tisch, zumal ein Kulturzentrum Kolpinghaus (für rund 15 Millionen Euro) die nicht beantwortete Frage nach der Gegenfinanzierung aufwerfe. Was das ursprüngliche Konzept betreffe, "da bröckeln die Argumente", bemerkt Otzelberger: "Es wird immer teurer und es gibt immer weniger Plätze."


SPD will mindestens 650 Plätze

Damit spielt der SPD-Stadtrat auf den CSU-Plan an, "die Sanierung des Kolpinghauses mit 500 Plätzen zu realisieren" (Schönfelder). Doch Otzelberger hält dagegen: "Weniger als 650 Plätze sollten es nicht sein."



Herbert Wolfrum, der Vorsitzende des Kolpinghausbauvereins, zeigte sich am Montag "positiv überraschst, dass sich der OB so eindeutig zum Kolpingshaus bekannt" habe. Und dass von der Stadthalle keine Rede mehr sei. Bei den Vertragsverhandlungen zwischen dem Verein und der Stadt stehe das Thema Erbpacht im Mittelpunkt. "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es noch heuer mit dem Vertrag klappen könnte", sagt Wolfrum. Es gehe um Details: Etwa wolle der Verein das Jugendheim aus dem Vertrag rausnehmen und für sich behalten.
Für den FDP-Stadtrat Sebastian Körber ist die entscheidende Frage nicht beantwortet: "Wer investiert das Geld für die Immobilie?" Es gebe keinen Beschluss, kein Konzept; daher sei das Thema schlicht "nicht spruchreif". Grundsätzlich könne sich die FDP das Kolpinghaus als Kulturzentrum vorstellen. "Aber wir brauchen Fakten", sagt Körber: "Wollen wir eine große Lösung für 15 Millionen Euro? Oder wollen wir nur das Nötigste für rund drei bis vier Millionen Euro sanieren? Dann brauchen wir keinen Wettbewerb."

Auch Annette Prechtel (Fraktionssprecherin der Grünen) sagt, dass nur noch über den "Ausbaugrad" der Immobilie am Kolpingplatz entschieden werden müsse: Zur Erbpacht gebe es keine Alternative, weil die Kolping-Familie das Haus nicht verkaufe. "Das Gebäude muss genutzt werden", sagt Prechtel: "Und der Kulturpuls hat gezeigt, wie es genutzt werden muss. Ein Realisierungswettbewerb wäre jetzt der Wunsch, um eine Perspektive zu haben."


Kommentar von Ekkehard Roepert


Ekkehard Roepert: "Ich nehme eine mehrheitliche Stimmung für das Thema wahr." Dieser Satz ist häufig von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) zu hören, wenn er nach zähen Debatten die Stimmung seiner Stadträte auslotet. Beim Thema "Kolpinghaus als Kulturhalle" hat Kirschstein die Stimmung jetzt nicht nur erfasst; er hat dazu beigetragen, sie weiter zu entfachen. Zumindest werden seine jüngsten Äußerungen im Stadtanzeiger nicht nur in der Kolpingfamilie so gedeutet.
Verwirrend wirkt allerdings, dass Kirschstein im Widerspruch zur eigen Partei zu stehen scheint, weil dort an der Vision einer Stadthalle festgehalten wird. Verwirrend wirkt zudem, dass neuerdings das Kolpinghaus als Veranstaltungsort für eine mögliche Forchheimer Landesgartenschau im Gespräch ist.
Doch diese Verwirrung kann der Stadtrat jetzt ganz schnell beenden. Denn der Vertrag zwischen Stadt und Kolpinghausbauverein liegt in Kürze auf dem Tisch. Dann muss der Grundsatz-Beschluss für eine Erneuerung des Kolpinghauses getroffen werden. Denn: Dass eine Halle für die Kultur benötigt wird, das ist Konsens. Zudem gilt das Argument von Alt-OB Franz Stumpf, dass die Stadt an einer Sanierung des Baudenkmals am Kolpingplatz nicht vorbei kommt, immer noch. Sanieren wir nicht, dann fällt uns das Gebäude auf die Füße, hatte Franz Stumpf sinngemäß gesagt, als das Kulturhallenthema aufkam. Mittlerweile hat die Kolpingfamilie ihre letzten Geldreserven mobilisiert, um das Nötigste zu reparieren. Jetzt ist die drängende Haltung der CSU angesagt: Fakten schaffen und mit den Fördergeldern von bis zu 70 Prozent das wunderschöne Denkmal am Kolpingplatz bewahren.
Um dadurch gleichzeitig den Kulturbetrieb in Forchheim nachhaltig auf jenes Niveau zu heben, das im Februar beim Kulturpuls-Festival schon mal vorgeführt wurde.