Die Nachricht von der Übernahme der HSH (Hamburgisch-Schleswig-Holsteinische)-Nordbank durch die US-Investoren Cerberus und James Christopher Flowers hat Stadtrat Klaus Neuner (CSU) aufgeschreckt. Er sorgt sich um die liquiden Rücklagen der Pfarrer Norbert Stang/Paul Herbst"schen Stiftung. Auf Beschluss des Stadtrates war 2015 eine Summe von 118 000 Euro bei diesem angeschlagenen Institut angelegt worden.
Bereits im Februar 2000 war der Nachlass von Pfarrer Michael Norbert Stang und Paul Herbst zusammengefasst und in das Seniorenzentrum Ebermannstadt investiert worden. Neun der insgesamt 73 Wohnungen, die Senioren ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen sollen, gehören der Stiftung.
Ursprünglich, so Neuner sei daran gedacht gewesen, mit dem Mieterlös jeweils eine weitere Wohnung anzukaufen und so dem Stiftungszweck gerecht zu werden. Allerdings spielte hier die Stiftungsaufsicht nicht mit. Es wurde ein Grundstockvermögen gefordert, um im Falle einer unvorhergesehenen Sanierung flüssig zu sein. Außerdem sah die Satzung vor, dass alljährlich zu Weihnachten bedürftige Senioren beschenkt werden sollten. Auch dafür musste Geld zur Verfügung stehen.
So wurde bis 2015 das Grundstockvermögen, das bis dorthin auf eine Größenordnung von knapp 120000 Euro angewachsen war, als Festgeld bei einer örtlichen Bank (Sparkasse) angelegt. Auf Grund der rückläufigen Zinsentwicklung beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, alternative Anlageformen zu prüfen.
Die Wahl fiel auf ein Produkt der HSH Nordbank, das der Finanzberater der Bank der Verwaltung empfohlen hatte. Der Stadtrat beschloss am 27. Juli 2015, 118000 Euro bei der HSH Nordbank zu einem Zinssatz von 0,84 Prozent anzulegen. Eine Entscheidung, die im Einvernehmen mit der Stiftungsaufsicht des Landratsamtes getroffen wurde.
"Wir hätten das nicht gemacht", kritisiert ein Mitglied des Forchheimer Stiftungsausschusses diese Entscheidung. Schon damals, so der Forchheimer Finanzexperte, habe es deutliche Anzeichen gegeben, dass dieses norddeutsche Kreditinstitut in Schieflage war. Allein aufgrund der konkurrenzlosen Zinsen hätten bei den Stadträten die Alarmglocken schrillen müssen. "Je höher die Zinsen, desto höher das Risiko. Das weiß doch jeder", findet das Mitglied des Forchheimer Stiftungsausschusses.
Allerdings, so schränkt er ein, komme es auf die Art der Kapitalanlage an. Stehe da in den Geschäftsbedingungen etwas von Risikohaftung, könne es sein, dass im Fall einer Pleite, die Einlagen weg ist.
"Deshalb habe ich explizit nachgefragt, doch unser Kämmerer hat sich darauf relativ kleinlaut gezeigt", legt Klaus Neuner nach.
Kämmerer Wolfgang Krippel beschwichtigt. "Das ist nichts Riskantes und mit der Stiftungsaufsicht abgesprochen."
Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) ergänzt in einer schriftlichen Stellungnahme, die Anlage sei mündelsicher, ein Wertverlust sei nahezu ausgeschlossen, größtmögliche Wertstabilität sei gesichert. Die Ebermannstadter Bürgermeisterin unterstreicht. "Trotz des vorgesehenen Verkaufes ist die Einlage der Stiftung gesichert." Sie verweist dabei auf Paragraf 94 Absatz 4 des Sicherungssystems der Sparkassen Finanzgruppe. Der Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppen wirke zwei Jahre über die Abwicklung des Verkaufes der HSH-Bank hinaus.
Stadtrat Klaus Neuner dagegen kontert: "Nach dem Einlagensicherungsgesetz sind im Allgemeinen nur Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro durch den gesetzlichen Anspruch abgesichert." Er fragt: "Was ist mit dem Rest? Wer garantiert, dass die Stiftung im August die gesamte Summe zurückbekommt?"
Bürgermeisterin Christiane Meyer dagegen zeigt sich zuversichtlich, dass der Stiftung kein Geld verloren geht. Da die Bindungsfrist der Anlage des Stiftungsvermögens der Parrer Stang/Paul Herbst-Stiftung bei der Nordbank am 6. August dieses Jahres ausläuft, werde die Verwaltung dem Stadtrat eine neue Anlageform vorschlagen, die der aktuellen Entwicklung Rechnung trage.