Rein äußerlich könnte man meinen, bei Erhan Gezici den deutschen Nationalspieler Sami Khedira von Real Madrid vor sich zu haben - er wird auch, wie er selber sagt, mitunter mit Spitznamen "Khedira" genannt. Dabei ist Erhan Gezici vom Spielertyp das glatte Gegenstück: ein Torjäger, der in den zurückliegenden Wochen mehrfach mit einem "Doppelpack" in der Torschützenliste der DJK Weingarts auftauchte. In 21 Spielen hat er 22 Tore erzielt - eine Wahnsinnsquote, wenn man bedenkt, dass der 24-Jährige an sechs Punktspielen in der Fußball-Kreisliga 2 Erlangen/Pegnitzgrund verletzungsbedingt nicht teilnehmen konnte.

Bei Jahn Forchheim ging es los


Auch wenn er in Nordrhein-Westfalen geboren wurde und in Nürnberg lebt, hat Erhan seine ersten Fußballschuhe bei Jahn Forchheim geschnürt, blieb beim Jahn bis einschließlich zur B-Jugend und landete dann in der damaligen Bayernliga-A-Jugend des Baiersdorfer SV. Dann zogen seine Eltern nach Coburg, und danach verlor sich seine Spur zunächst einmal, zumindest aus Forchheimer Sicht. Fußballerisch war er für ein rundes halbes Jahr bei der DJK Seßlach, danach beim TSV Scheuerfeld. Schließlich kehrten seine Eltern mit Erhan nach Forchheim zurück, und Erhans Lebenslauf wurde wieder zu einer Forchheimer Vita.
Es folgte ein Intermezzo beim FC Wacker Trailsdorf. Danach wollte er Birol Aksoy beim Klassenerhalt helfen und ging zur DJK Wimmelbach - doch hier stand der frühere Jahn-Trainer auf verlorenem Posten, der Verein war vor dem Abstieg nicht mehr zu retten. "Dieser Abstieg war so unglücklich wie unnötig", glaubt Erhan Gezici heute noch. Wie Birol Aksoy, der danach A-Jugendtrainer beim SV Buckenhofen wurde, kam auch Erhan Gezici mit Norbert Hofmann zusammen, der das Traineramt beim SVB übernommen hatte und darum bemüht war, bei dem Verein etwas Solides aufzubauen.

Ein Glücksfall


Für beide, den SV Buckenhofen wie Erhan Gezici, war Norbert Hofmann ein Glücksfall: Denn dieser Trainer war als ehemaliger Bundesligaprofi nie einer von denen gewesen, die ihr Engagement nur auf die Spieler der Ersten Mannschaft beschränkten. Der Verein, der wenige Jahre zuvor seine Reserve abgeschafft hatte, betrieb eine Form von Jugendarbeit, die ihn für Jugendliche bis hin zu den untersten Altersklassen und über Forchheim hinaus attraktiv machte. Wenn der SV Buckenhofen heute wieder eine aufstiegsfähige Reserve hat, ist das zu einem hohen Maß auch ein Verdienst dieser Aufbauarbeit.
Zunächst blieb Erhan Gezici nur eine Spielzeit in Buckenhofen. An Hofmann imponierte ihm, dass er ein "ehrlicher und geradliniger Trainer" war, mit dem man sich von Angesicht zu Angesicht nicht nur über Fußball und die eigene Leistung auseinandersetzen konnte. Für Erhan war Norbert Hofmann stets "eine Respektsperson mit einem großen Fußballverstand".
Zwischendrin fand Erhan den Weg zum SC 04 Schwabach: Dem Drängen von Ahmet Koc, der dort Trainer war, verdankte er es, dass er erneut Forchheim verließ. Doch prompt verletzte er sich und wurde rund ein halbes Jahr lahmgelegt. In dieser Zeit hatte auch Norbert Hofmann Buckenhofen verlassen und wollte seine Trainertätigkeit in der Nähe seiner Familie (in Ebermannstadt) wieder aufnehmen. Mit familiärer Rückendeckung stellte er sich in die Dienste der DJK Weingarts. Norbert Hofmann machte sich sogleich ans Werk, sammelte seine Heerscharen, um eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Bei diesem Bemühen nahm Hofmann wieder mit Erhan Gezici, seinem Spieler aus Buckenhofner Zeiten, Kontakt auf. Nach der Verletzungspause in Schwabach war die Aussicht, wieder mit Norbert Hofmann zusammenarbeiten zu können, ein Lockmittel der Extraklasse.

Sechs neue Spieler


"Was Weingarts ausmacht, ist der große Zusammenhalt", beschreibt Erhan das "Weingarts-Feeling". Zu Anfang war der Weg nach oben noch etwas steinig, aber in der ersten Saison geht das nicht so schnell. "Norbert Hofmann hatte sechs neue Spieler in die Erste Mannschaft zu integrieren, die zum Teil sogar noch verletzt waren, so dass zeitweise nur zwei von ihnen regelmäßig spielen konnten", erklärt Erhan Gezici die Situation. Unter diesen Ausfällen litt auch die Reserve in der A-Klasse 3.
Auch wenn der Aufstiegszug für diese Saison für beide, Erste wie Zweite Mannschaft, abgefahren ist, sollte man nach Erhans Ansicht den Ehrgeiz und die Beharrlichkeit eines Norbert Hofmann nicht unterschätzen. "Norbert Hofmann ist ein Mann, der immer Ziele hat", ist sich Erhan sicher. Und der "Khedira" der DJK Weingarts ist dabei.