Der große Favorit im Kunstrad-Einer ist seiner Rolle bei der neu eingeführten Europameisterschaft der Hallenradsportler voll gerecht geworden: In Wiesbaden triumphierte der zweifache Weltmeister Lukas Kohl vom RMSV Concordia Kirchehrenbach mit großem Abstand. "Die Atmosphäre war toll, die Halle schön hell und das Mitten in Wiesbaden, wo man keine Sporthalle erwartet", sagte der neue Europameister.

Die letzte Entscheidung am ersten EM-Tag war das 1er Kunstrad der Männer. Der Ungar Martin Schön war der erste aus den möglichen Medaillenkandidaten, nachdem Jakub Masek (CZE) mit 146,24 Punkten in Führung lag. Der Ungar kam nicht wie gewohnt in Fahrt und reihte sich mit 143,79 Zählern dahinter ein. Der nächste war Lukas Burri (SUI), der zuvor schon im 2er Kunstrad mit Fabienne Hammerschmidt EM-Silber holte. Er musste bei der Lenkerstanddrehung und beim Drehsprung vom Rad. Entsprechend waren die Abzüge. Mit 158,78 Punkten übernahm er trotzdem die Führung.

Dann kam das deutsche Duo. Kohls Zimmerpartner Marcel Jüngling setzte aber gleich den Maute-Sprung in den Sand. Den Handstand musste er zweimal ansetzen, damit er ihn hochdrücken konnte. Der Rest gelang perfekt. 177,39 Punkte, die Führung. Damit war die Bühne bereitet für Kohl, den fränkischen Dominator der Szene. Er hatte das Geschehen wie immer während seiner Vorbereitung verfolgt. Der 22-Jährige konnte nunmehr ohne Druck an den Start, es hätte viel schiefgehen müssen, um den Wert von Jüngling nicht zu überbieten.


Von drei- auf fünffach

Sein Programm hatte er leicht variiert und risikoreicher gestaltet. Für eine Drehung handelte er sich Prozentabzüge ein. Diese glich er durch die Erweiterung des Drehsprungs von zwei- auf fünffach wieder aus. "Ich entscheide das nach Bauchgefühl während des Programms", so Kohl. "Das habe ich im Training schon geübt, je nach Beschaffenheit des Bodens wage ich es oder nicht. Der Boden in Wiesbaden war top, Kompliment an den Veranstalter." Der Rest seiner Kür passte perfekt. 203,95 Punkte, mit großem Vorsprung wurde er Europameister. "Es war mein erster Wert über 200 Punkte in diesem Jahr, und das gleich bei einer EM", so ein sichtlich zufriedener Champion. "Den Drehsprung habe ich bei meiner ersten WM dreifach, bei der zweiten WM vierfach und in Wiesbaden jetzt fünffach gezeigt", sagt Kohl.


Trikotsammlung erweitert

Bei der Siegerehrung bekam Kohl das blaue Sternenbanner-trikot über das Regenbogentrikot für den WM-Titel gestreift. Seine Trikotsammlung ist damit um ein weiteres Exemplar reicher. "Ich habe mit meiner Juniorenzeit jetzt insgesamt drei verschiedene EM-Trikots. Da das Weltmeistertrikot höherwertig ist, werde ich es wohl bis zur nächsten WM tragen."