Ausgeglichen war am Mittwochabend nicht nur die erste Halbzeit, in der sowohl der HC Erlangen als auch der TVB Stuttgart 16 Tore warfen. Beide Handball-Bundesligisten mussten in ihrem siebten Saisonspiel zudem kurzfristig auf ihren Stammtorwart verzichten. Johannes Bitter auf Seiten der Gäste kann sich seine Infektion zwar nicht erklären, kam neben dem Coronavirus aber zumindest mit zwei Erfolgserlebnissen mit der deutschen Nationalmannschaft zu seinem Verein zurück, ehe er in Quarantäne ging.

Völlig überflüssig erscheint im Nachhinein die Länderspielreise von Klemen Ferlin: Beide Partien mit Slowenien in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2022 fielen pandemiebedingt aus, in Franken erhielt er die nächste schlechte Nachricht: Corona. "Wir haben bis zuletzt auf ein falsch-positives Ergebnis gehofft, doch der zweite Test kurz vor dem Spiel brachte Gewissheit", berichtet Pressesprecherin Mira Olk.

Duell der Besten fiel aus

So standen sich in der Nürnberger Arena, was die Zahl der Paraden angeht, nicht der bislang beste (Bitter) und zweitbeste Torhüter der Liga (Ferlin) gegenüber, sondern zwei Keeper, die zuvor jeweils nur auf gut eine halbe Stunde Einsatzzeit gekommen waren. "Er hat ein paar richtig gute freie Würfe gehalten", lobte Rückraumakteur Simon Jeppsson seinen Schlussmann. Lediglich elf Tore ließ der 37-Jährige in den zweiten 30 Minuten zu. 18 Paraden bedeuteten eine Quote von 44 Prozent abgewehrter Bälle.

Stuttgart war allerdings deutlich besser in die Partie gekommen, führte in der 14. Minute mit 8:4 und schien, seinen starken Saisonauftakt mit neun Punkten aus sechs Begegnungen fortzusetzen. Doch der HCE blieb cool, wie es Jeppsson (6 Tore) ausdrückte. Angetrieben von Sebastian Firnhaber glichen die Hausherren zehn Minuten später aus (12:12), nahmen das Unentschieden mit in die Kabine und zogen nach dem Seitenwechsel davon.

Acht Treffer bei neun Versuchen gelangen Firnhaber - neuer persönlicher Rekord für den 26-jährigen Kreisläufer, der auch in der Abwehr als Mittelblocker zum klaren zweiten Heimsieg beitrug. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal acht Tore über den Kreis geworfen haben", schwärmte Mira Olk, die im selben Atemzug die guten Zuspiele lobte.

Mit der starken Leistung von Ziemer, der mit seinem Auftakt nicht zufrieden war, nach Wiederanpfiff aber über sich hinaus wuchs, kann Erlangen dem Gastspiel in Ludwigshafen am Samstag gelassen entgegensehen, wo Ferlin auf jeden Fall noch fehlen wird. Mit seinem Auftritt am Mittwoch schraubte der Ersatzkeeper seine Paraden-Quote auf 33,3 Prozent, womit er sich genau zwischen Ferlin (34) und Bitter (32,4) einreiht. Mindestens zehn Tage müssen die Stammkräfte in Quarantäne. "Wenn er weiter keine Symptome hat und negativ getestet wird, ist Klemen am Donnerstag gegen Balingen dabei", erklärt Olk. Die komplette Mannschaft wird zwei Mal pro Woche getestet, stehen zwei Spiele innerhalb von sieben Tagen an, sind es sogar drei Tests. Die anderen Nationalspieler aus dem HC-Kader - Jeppsson (Schweden), Sime Ivic (Kroatien) und Daniel Mosindi (Israel) - kamen ohne Ansteckung zurück. Firnhaber und DHB-Kollege Antonio Metzner waren nur Nachrücker und beim Verein geblieben.

"Angesichts des straffen Zeitplans bin ich froh, dass wir nicht von einer Absage betroffen sind", sagt die Pressesprecherin. Allein am Donnerstag fielen vier der fünf angesetzten Partien coronabedingt aus. Am Mittwoch traf es das Verfolgerduell zwischen Flensburg und Melsungen, am Sonntag setzt Aufsteiger HSC Coburg aus, weil ein Akteur von Gegner Minden erkrankt ist.

Kommentar von Sportredakteur Daniel Ruppert: Stoppt unnötige Auslandsreisen!

Dem Virus sind Grenzen egal, hieß es nach dem ersten Lockdown im Frühjahr. Nicht nur deshalb bleiben die Schlagbäume in Europa während der zweiten Corona-Welle oben. Die Profis, die ihren Sport im Gegensatz zu den Amateuren weiter ausüben dürfen, nutzen diese Reisefreiheit: EM-Quali im Handball, Champions League im Basketball, Deutschland-Cup im Eishockey, Nations League im Fußball - das sind einige internationale Arbeitseinsätze.

Unabhängig davon, ob ein Testspiel einer deutschen B-Elf gegen ein tschechisches C-Team wichtig ist: Die vergangenen Wochen zeigen, dass die Ausflüge quer über den Kontinent sehr wohl zur schnelleren Ausdehnung der Pandemie beitragen. DFB-Torwart Oliver Baumann musste sich vorzeitig von Jogis Jungs verabschieden und zu seinen Hoffenheimer Vereinskollegen in Quarantäne. Selbe Position, selbes Leid: Klemen Ferlin vom HC Erlangen holte sich bei der slowenischen Auswahl keine Länderspielpraxis, sondern das Virus. Vier von fünf Begegnungen der Handball-Bundesliga fielen am Donnerstag wegen Corona-Fällen aus.

Richtig ernst wird es spätestens, wenn Symptome im Spiel sind, wie bei Juri Knorr von GWD Minden. Der Profisport soll weitergehen, aber ohne riskante Grenzüberschreitungen.