"Was für ein Endstand. Der SC Forchheim Sechster bei einer offiziellen Weltmeisterschaft. Absoluter Höhepunkt der Vereinsgeschichte. So eine Platzierung wird es nie mehr geben", schwärmte Berthold Bartsch, der sonst nicht so leicht zu begeistern ist. Aber das sensationelle Abschneiden bei der Senioren-WM in Dresden hat den SC-Ehrenvorsitzenden dann doch euphorisch werden lassen. Denn die Denksportler aus Franken sind in der sächsischen Landeshauptstadt nur ganz knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt.

Bronze-Gewinner England lag nur einen Zähler vorn. Dabei hatten die Spieler von der Insel, das frühere Olympiateam um Vize-Weltmeister und Großmeister (GM) Nigel Short, GM John Nunn und GM Jon Speelman, den direkten Vergleich mit 3:1 gewonnen. "Als Setzlisten-Erster war das für uns ein richtig dicker Brocken," so SC-Spieler und Fidemeister (FM) Dieter Seyb. Gold ging an die überlegen auftretende Slowakei, in deren Reihen auch der Ex-Bindlacher GM Igor Stohl maßgeblich zum Titel beitrug. Nicht nur kein Wettkampf, sondern auch keine einzige Partie ging für den neuen Senioren-Weltmeister verloren.

Silber holte sich Deutschland, das im Duell mit Forchheim 3:1 gewonnen hatte. "Wir waren dort krasser Außenseiter," erklärte Seyb, "haben uns aber unter Wert schlagen lassen." Weil zwei Partien, die zwischenzeitlich sehr gut für den SC gestanden hatten, in der Schlussphase noch kippten. FM Bartsch kam nur vier Mal zum Einsatz (zwei Unentschieden), musste einige der spannenden Wettkämpfe grippeerkrankt in seinem Hotelzimmer verfolgen.


Heidrich verpasst die Norm knapp

In der Schlussrunde war er wieder an Bord. Und seine Kollegen spielten umso erfolgreicher. Am Spitzenbrett verpasste FM Manfred Heidrich mit 6,0 Punkten aus neun Runden nur knapp seine dritte und letzte Norm zum Internationalen Meister (IM). Zum Auftakt besiegten die Forchheimer zwei Damen-Teams aus Lettland und Deutschland. Später deklassierten sie das finnische Quartett, kamen gegen Belgien aber nicht über ein 2:2-Remis hinaus.

Für Bundesliga-Urgestein FM Hans Niedermaier, der nach langjähriger Pause erstmals wieder "hartes Turnierschach" spielte, standen 3,0 Punkte zu Buche. Angesichts der vielen Schach-Legenden und erfahrenen Gegnern ein guter Einstand. Erfolgreichster Forchheimer war Regionalliga-Stammspieler Seyb (6,5). Gastspieler Karl-Heinz Kannenberg, sonst in der Landesliga beim SC Kitzingen im Einsatz und vor rund 30 Jahren bei Bundesligist SF Marktheidenfeld, rundete mit 4,5 Punkten das gute Ergebnis ab.

Gegen die starke England-Reserve wäre fast noch der Sprung aufs Treppchen gelungen, aber die Punkteteilung ließ den SC vor der Schlussrunde entscheidend zurückfallen, was auch ein Gewinn im finalen Durchgang nicht wiedergutmachen konnte. "Wir dürfen stolz auf unsere Senioren sein, dass sie in diesem starken Feld aus 45 Teams so erfolgreich abgeschnitten haben," freute sich SC-Vize Rainer Stephan.