Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ist kaum vorbei, schon naht das nächste Turnier auf internationaler Ebene. Diesmal mit Beteiligung aus dem Landkreis Forchheim, aus Ebermannstadt, um genau zu sein: Lisa Ebert, seit knapp zwei Wochen 18 Jahre jung, steht im Kader von Bundestrainerin Maren Meinert bei der ab Mittwoch in der Schweiz stattfindenden Europameisterschaft der U19-Juniorinnen.

Während andere junge Menschen dem am Freitag beginnenden Annafest entgegenfiebern, fokussiert sich die junge Ebermannstadterin in Diensten des Frauen-Bundesligisten FFC Frankfurt seit Wochen und Monaten auf die wichtigste Phase in dieser Saison. Die offensive Mittelfeldspielerin hofft auf einen Platz in der Startelf, wenn die deutsche Elf zum Auftakt der EM am Mittwoch um 15 Uhr in Biel auf Dänemark trifft (siehe unten).


Trainingslager vor der EM

Lisa Ebert weiß, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, von Beginn an zu spielen, die Konkurrenz in den eigenen Reihen sei groß: "Es ist eine große Chance für mich, den nächsten Schritt zu gehen. Dafür will ich alles geben. Für die Bundestrainerin ist es ebenfalls gut, dass wir alle Gas geben müssen. Nur so können wir bestehen. Auch die anderen Nationen arbeiten seit Jahren hervorragend im Nachwuchs."

Den Feinschliff für das Turnier holten sich Ebert und ihre Kameradinnen in einem viertägigen Lehrgang in der Sportschule Kamen-Kaiserau. Dort hieß es täglich: laufen, schwitzen und pauken. Nicht nur die Fitness stand im Fokus, auch im taktischen Bereich galt es, die Intensität hochzufahren, um in den weiteren Gruppenspielen gegen die Niederlande und gegen Italien gewappnet zu sein. Acht Mannschaften, aufgeteilt in zwei Gruppen, kämpfen nach den beiden Halbfinals um den Titel.

Lisa Ebert geht das Abenteuer hoffnungsvoll an. In den Testpartien bekam sie viel Spielzeit und hatte bislang fünf Auftritte in der U19, sie erzielte auch zwei Tore. Zuvor durchlief sie alle Jugendmannschaften des DFB, beginnend mit der U15. Der nächste Schritt wäre die U20, danach ginge es zu den Frauen - das absolute Wunschziel. Sie ordnet dem ihr Privatleben unter und geht den Weg weit weg von daheim und von Mama Kerstin: "Anfangs war es nicht so einfach, wenn man mit 15 Jahren nur zwei Mal im Monat nach Hause kommt. Vor allem den Freundeskreis, mit dem man aufgewachsen ist, vermisse ich. Inzwischen habe ich mich mit der Situation arrangiert, es gehört einfach dazu, sich diesen Dingen unterzuordnen."

Etwas einfacher macht es ihr der kürzlich bestandene Führerschein, den sie sich allerdings in der Großstadt Frankfurt erringen musste. Vom Verein, der sie auch unterbringt, bekam sie inzwischen ein Fahrzeug gestellt, um nicht immer mühsam mit der Bahn heim nach Franken fahren zu müssen.


Alles für den großen Traum

Für Ebert ist die professionelle Vorbereitung längst Routine geworden, seit sie ihren beschaulichen Heimatort mit 14 Jahren verließ, um zunächst bei den B-Juniorinnen des 1. FC Nürnberg in der Bundesliga-Süd Fuß zu fassen. Vor zwei Jahren erklomm sie die nächste Stufe und wechselte nach Frankfurt, wo sie sich im Kader des FFC in der Frauen-Bundesliga beweisen konnte und als 17-Jährige in acht Bundesliga-Einsätzen bereits einen Treffer erzielte: "Es freut mich, dass ich dort nach und nach hineinwachsen kann, mein Ziel ist es, zeitnah immer in der Startelf zu stehen."

In Deutschland wird man jedoch auch auf absehbare Zeit kaum vom Profifußball leben können, so ihre Einschätzung: "Als Frau, versteht sich. Im Ausland, in Frankreich und Spanien, steht Frauenfußball wesentlich weiter oben in der Wertschätzung. Da wollen viele hin, der Weg ist aber weit." Hierzulande schaffen es nur wenige, oft unterstützt durch Werbeverträge, die man allerdings meist nur dann bekommt, wenn man als Nationalspielerin etabliert ist. Deshalb plant Ebert auch zweigleisig. Noch zwei Jahre geht sie zur Schule und möchte diese mit dem Abitur beenden. Vielleicht tritt sie danach im Polizeidienst an, bis dahin ist aber noch Zeit, jetzt steht erst einmal die EM an.


Französinnen können nachlegen

Befragt zu den Turnierchancen des Halbfinalisten von 2017 zeigt sich die 18-Jährige als analytische Expertin: "Die Franzosen sind neben Titelverteidiger Spanien einer der Favoriten. Gut, dass sie mit Gastgeber Schweiz und Norwegen in der anderen Gruppe spielen. Aber auch wir gehören wieder zum Kreis der Titelanwärter und müssen uns nicht verstecken."

An das Annafest, das just am Montag, 30. Juli, mit dem Finaltag der U19-EM endet, verschwendet Lisa Ebert keinen Gedanken. Ihr wäre an diesem Tag ein Pott in den Händen lieber als eine Tüte Popcorn oder ein Zuckerwatten-Stangerl.


U19-EM: Gruppen und Spielpläne

Gruppe A: Schweiz, Norwegen, Spanien, Frankreich.
Gruppe B: Niederlande, Dänemark, Deutschland, Italien

Deutsche Spiele: Deutschland - Dänemark (Mittwoch, 18. Juli, 15 Uhr in Biel), Niederlande - Deutschland (Samstag, 21. Juli, 18.15 Uhr in Yverdon-les-Bains), Italien - Deutschland (Dienstag, 24. Juli, 18.15 Uhr in Yverdon-les-Bains)
Vorschlussrunde: Halbfinale 1, Freitag, 27. Juli, 14 Uhr in Biel, Halbfinale 2, Freitag, 27. Juli, 18.15 Uhr in Biel) / Finale: Montag, 30. Juli, 18.15 Uhr in Biel)

EM im TV: Zu sehen sind die Partien lediglich beim Bezahl-Fernsehsender Sport1+, eventuell sogar nur als Streaming im Internet.