Eine Forderung der Wiederaufnahme des Trainings- und Wettkampf- sowie Spielbetriebs mit Zuschauern in Bayern ab dem 19. September machte zum Ende des Wochenendes die Runde. 31 Sportfachverbände aus dem Freistaat veröffentlichten als "Team Sport-Bayern" einen gemeinsamen Brief an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, der auch für den Sport zuständig ist. Was hat es mit dem Schreiben auf sich? Wie lauten die Forderungen?

Team Sport-Bayern bittet mit Nachdruck darum, ab dem 19. September den Trainingsbetrieb für sämtliche Sportarten wieder zuzulassen, also auch für Kampfsportarten ohne eine begrenzte Teilnehmerzahl. Das Ganze natürlich bei Einhaltung der jeweiligen Hygienekonzepte. Zudem soll der Wettkampf- und Spielbetrieb für alle Kontaktsportarten im Freien sowie in geschlossenen Räumen möglich gemacht werden. Die dritte Forderung betrifft die Zuschauer. Diese sollen bei sportlichen Wettbewerben wieder zugelassen werden, ein Vorbild könnten hier Kulturveranstaltungen sein.

Womit begründet der Zusammenschluss seine Forderungen?

Die Sportbegrenzungs- und Sportverbotsregeln führen nach Ansicht von TSB zu immensen Belastungen, Herausforderungen und gefährlichen Entwicklungen. So komme es vermehrt zu Mitgliederaustritten und weniger Neueintritten, was wiederum zu Einnahmeverlusten führe. Der Vereins- und Verbandslandschaft drohe die Zerstörung. Die Akzeptanz der Corona-Regelungen schwinde.

Sind die Forderungen vertretbar?

Bisher seien im Zusammenhang mit dem Sport keine Corona-Hotspots bekannt geworden, heißt es in dem Schreiben. "Wir dürfen für uns in Anspruch nehmen, unserer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen zu sein und einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet zu haben." Dazu kommt die vermeintliche Ungleichbehandlung:

So ergebe sich die maximale Teilnehmerzahl bei Gottesdiensten in Kirchen nach den örtlichen Gegebenheiten. Bei Messen und Ausstellungen komme es auf den Abstand (1,5 Meter) und den zur Verfügung stehenden Raum (10 Quadratmeter pro Besucher) an. Bei kulturellen Veranstaltungen seien in geschlossenen Räumen 100, bei festen Sitzplätzen 200 Teilnehmer sowie im Freien 200, bei festen Sitzplätzen 400 Teilnehmer erlaubt. Bei der Sportausübung sind Zuschauer hingegen ausgeschlossen.

Haben die Forderungen eine rechtliche Grundlage?

Team Sport-Bayern bezeichnet den Sport als spezielle Form der Kultur. Damit sei er als Staatsziel in der bayerischen Verfassung zu fördern. Es gebe darüber hinaus keinen Anlass, bezüglich der Kultur im weiten Sinne (einschließlich Sportveranstaltungen) und der Kultur im engen Sinne gegen den Gleichheitsgrundsatz gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes zu verstoßen. Die Regelungen des 6. Infektionsschutzgesetzes dürften laut TSB vor dem bayerischen Verwaltungsgerichtshof somit keinen Bestand haben. Gibt es eine Frist für die Erfüllung der Forderungen?

Joachim Herrmann wird gebeten, sich im bayerischen Kabinett für die drei Forderungen einzusetzen. Dieses kommt an diesem Dienstag zusammen. Innen- und Sportminister Herrmann hatte allerdings angekündigt, dass der Sport dabei noch keine Rolle spielen, sondern erst am kommenden Montag im Ministerrat debattiert werde.

Hat der Druck schon gewirkt?

Der 14. September ist einigen Verbänden, vor allem den Amateurfußballern, aber zu spät, da sie einen gewissen Vorlauf für die Planung der Saison benötigen. Das ist ein Grund für den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Resolution. Mit seiner Erklärung will TSB vermutlich Druck ausüben, damit sich auf der Tagesordnung kurzfristig noch etwas tut. Dem Vernehmen nach hat es am Wochenende eine Besprechung gegeben, wonach die Belange des Sports doch schon am 8. September Thema im bayerischen Kabinett sein werden.

Das ist das Team Sport-Bayern

Mitglieder: Fußball, Basketball, Segeln und Tischtennis - die Bandbreite der 31 bayerischen Sportverbände, die die Resolution unterzeichneten, ist groß. Sie alle sind Mitglieder im Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV), fordern aber unabhängig von ihrem Dachverband die umgehende Rückkehr zum Wettkampf- und Spielbetrieb vor Zuschauern. Zudem tragen sie den vom Bayerischen Fußballverband vorgetragenen Weg mit (siehe unten). Organisation: Unterzeichnet hat das Positionspapier stellvertretend für alle Mitglieder des losen Zusammenschlusses Alfons Hölzl, Präsident des Bayerischen Turnverbands. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Sportbeirats des BLSV.

Lässt Politik Oberligisten sterben?

Eine besondere Position nehmen die Vereine der Eishockey-Oberliga ein. Alle Teams der Süd-Staffel, darunter die Höchstadt Alligators, kommen aus Bayern, die zweigleisige dritthöchste Spielklasse läuft aber unter dem Dach des Deutschen Eishockey-Bunds. Die 26 potenziellen Drittligisten weisen deshalb in einem gemeinsamen Appell auf die dramatische Lage der Klubs hin. 1400 Mitarbeiter stünden vor dem Aus. Zum überwiegenden Teil werde unter Profi-Bedingungen gespielt. Daher sei es unverständlich, dass die Vereine nicht ins 200-Millionen-Euro-Hilfspaket des Bundes für den Profisport aufgenommen wurden - Fußballklubs der 3. Liga, die unter ähnlichen Rahmenbedingungen arbeiten, dagegen schon.

"Spielbetrieb nicht möglich"

"Ohne Zuschauer und ohne verbindliche Zusagen für finanzielle Unterstützungen ist ein Spielbetrieb in der unmittelbar bevorstehenden Saison 2020/21 nicht möglich. Bereits jetzt nehmen die Vereine, die aufgrund des nahenden Saisonstarts mit dem Training und den damit entstehenden Kosten starten mussten, ein großes finanzielles Risiko auf sich", heißt es in dem Schreiben. Daraus leiten die Unterzeichner unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen mehrere Forderungen ab.

• Die EU-Beihilferichtlinie muss an Rahmenbedingungen des Sports angepasst werden.

• Finanzielle Einbußen durch fehlende Zuschauer müssen ausgeglichen werden.

• Hygienekonzepte müssen von den zuständigen Behörden geprüft und dürfen nicht mehr pauschal abgelehnt werden.

• Die Entscheidungen seitens der Politik müssen den Vereinen zeitnah vorliegen.

Der Puck liege nun bei der Politik. Sie müsse entscheiden, ob sie die Oberligisten sterben lasse.

Kommentar von Sportredakteur Torsten Ernstberger: Hilfeschrei des Sports

Der bayerische Sport hat die Maßnahmen der Landesregierung seit Beginn der Corona-Pandemie mitgetragen. Doch jetzt kippt die Stimmung. Die Forderungen der Fußballer in der Vorwoche und nun die darauf aufbauende Resolution 30 weiterer Teamsportarten ist weit mehr als eine gemeinsame Erklärung - es ist ein Hilfeschrei. Die bayerischen Sportverbände sehen durch das Verbot des Wettkampfsports die Existenz ihrer Vereine bedroht. Die Menschen verlieren die Bindung zum Verein, Ehrenamtliche werden weniger und Einnahmen sind ohne Zuschauer kaum zu generieren. Und das vor dem Hintergrund, dass es in anderen Bereichen - wie Kultur und Religion - bereits Lockerungen gibt.

Der Sport trägt ebenfalls eine hohe gesellschaftliche Verantwortung - von der auch die Politik profitiert. Ein Bayern ohne funktionierenden Vereinssport will man sich nicht ausmalen. Also Schluss mit Ungleichbehandlung. Schluss mit der Salami-Taktik. Es braucht jetzt Entscheidungen. Wie geht es in diesem Jahr mit dem Wettkampfsport weiter? Die Politik muss diese Frage dringend und vor allem nachvollziehbar beantworten. Nur dann können die Verbände die passenden Maßnahmen einleiten. Und sollte der Wettkampfsport erlaubt werden, muss klar sein: Jeder Verband, jeder Verein übernimmt dann ein großes Stück Verantwortung in diesen schwierigen Zeiten.

BFV hat grünes Licht für seine Klage gegen den Freistaat

Das Ergebnis ist eindeutig: Bayerns Amateurfußballer drängen mit überwältigender Mehrheit von 80 Prozent auf einen zeitnahen Re-Start der aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison 2019/20 und unterstützen damit den Kurs des Bayerischen Fußballverbands (BFV), den Wettkampfspielbetrieb zumindest mit einer begrenzten Zahl an Zuschauern am 19. September wieder aufzunehmen. An der Umfrage beteiligten sich in den vergangenen fünf Tagen 3069 der 4355 Vereine.

Zwei Drittel sind für eine Klage

Mehr als 85 Prozent der Abstimmenden halten den Kurs der Staatsregierung im Umgang mit dem Breitensport für nicht mehr nachvollziehbar. Sollten kurzfristig keine weiteren Lockerungen beschlossen werden und der Amateurfußball damit keine Gleichbehandlung erfahren, sprechen sich zwei Drittel der Klubvertreter dafür aus, dass der BFV als letztes Mittel den Klageweg beschreitet. Dem Innenministerium hatte der BFV bereits am 13. August ein Muster-Hygienekonzept für einen Re-Start mit einer begrenzten Zuschauerzahl vorgelegt.

"Unsere Vereine haben ein ebenso starkes wie klares Signal gegeben. Ein solches erhoffen wir uns jetzt auch sehr kurzfristig von der Staatsregierung, denn wir wollen Fußball spielen und nicht gegen die Regierung klagen", sagt BFV-Präsident Rainer Koch zum Ergebnis. Schon zu Beginn der Abstimmung hatte er betont, "dass die Staatsregierung die Freigabe für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab dem 19. September erteilen kann. Wir können nicht erst am 14. September damit anfangen, für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs fünf Tage später zu planen".

Die Beteiligung im Spielkreis Erlangen/Pegnitzgrund lag lediglich bei 57 Prozent. Am meisten Vereine haben in Niederbayern-West (88 %), am wenigsten in Würzburg und Rhön (je 55) abgestimmt. Bei Frage 1 lagen die Ja-Stimmen der Erlangen/Pegnitzgründer nah beim bayernweiten Ergebnis (18 %), bei Frage 2 sogar exakt im Durchschnitt. Allerdings votierten hier deutlich weniger für den Klageweg: 58 Prozent.

Im Kreis Bamberg/Bayreuth/Kulmbach haben sich 157 von 227 Vereinen (69 Prozent) an der Umfrage beteiligt, die Werte weichen marginal ab.

Im Fußballkreis Coburg/Lichtenfels/Kronach lag die Abstimmungsbeteiligung bei 65 Prozent (112 von 181 Vereinen). Ein knappes Fünftel (19 Prozent) stimmte bei Frage 1 mit Ja. Auf eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs drängen drei Viertel der Klubs (75 Prozent) - fünf Prozentpunkte weniger als im Landesdurchschnitt. Bei Frage 3 stimmte der Fußballkreis mit 65 Prozent für Ja.