Der "Veränderliche Edelscharrkäfer" steht in Deutschland auf der Roten Liste in der Kategorie "vom Aussterben bedroht". Umso bemerkenswerter ist ein aktueller Fund im Kellerwald: Matthias Kist aus Hausen hat dort zusammen mit seinem Sohn Raúl mehrere lebende Exemplare entdeckt.
Bereits vor vier oder fünf Jahren stieß Kist erstmals auf eine Spur des seltenen Käfers. "Ich habe damals eine Flügeldecke gefunden – die ist sehr markant, Verwechslung ist eigentlich kaum möglich", erinnert er sich im Interview mit inFranken.de. Im vorletzten Jahr folgte der nächste Hinweis: "Da habe ich bei einem Baumstumpf einen halben Käfer entdeckt. Da war für mich klar, dass es hier zumindest früher ein Vorkommen gab."
Käferfund im Kellerwald: Hartnäckige Suche führt zum Erfolg
Um herauszufinden, ob noch lebende Tiere existieren, begann Kist (51), den Fundort mit seinem Sohn (18) regelmäßig zu kontrollieren. Die Geduld zahlte sich aus: "Dann haben wir tatsächlich lebende Käfer gefunden – am ersten Tag gleich fünf Stück", berichtet er. Inzwischen seien es sogar rund zehn Exemplare.
Trotz der Seltenheit bleiben die Käfer im Kellerwald weitgehend unbeachtet. "Der Baumstamm liegt ziemlich prominent, aber die meisten Leute gehen einfach vorbei", sagt Kist. Das habe er auch bei anderen Arten beobachtet: "Mein Sohn und ich sind im größten Annafest-Trubel dort entlanggelaufen und haben ein großes Hirschkäfer-Weibchen gesehen - handtellergroß. Alle anderen sind vorbeigegangen und haben es nicht bemerkt." Er fügt an: "Das Annafest hat den seltenen Käfer die letzten 180 Jahre nicht gestört und wird ihn hoffentlich auch die nächsten 180 Jahre nicht stören."
Keine Gefahr für das Annafest
Bislang gebe es nur wenig Interesse an dem Fund. "Eigentlich beschäftigt sich außer uns nur noch ein Lehrer meines Sohnes damit", erzählt Kist. Eine Begegnung im Wald brachte die Verbindung: "Wir sind über Hirschkäfer ins Gespräch gekommen, und dann hat sich herausgestellt, dass er der Biolehrer meines Sohnes ist."
Das bekannte Annafest werde durch den Fund des seltenen Käfers nicht beeinträchtigt. Kist geht davon aus, dass die Aktivitätszeit der Tiere bis dahin weitgehend vorbei sein dürfte: "Ich vermute, dass dann nicht mehr viel zu sehen ist – aber sicher kann man sich nicht sein, es gibt einfach zu wenig Literatur." Das Annafest wird auch in diesem Jahr in der letzten Juliwoche stattfinden. Alle Informationen dazu im Überblick.
Die Faszination für Käfer begann bei Vater und Sohn eher zufällig. "Wir haben einmal einen Weberbockkäfer gefunden – der war ziemlich groß, da haben wir uns erst erschreckt", erzählt Kist. "Aber gleichzeitig waren wir neugierig." Aus diesem Moment entstand ein neues Interesse: "Dann wollten wir unbedingt mal einen Hirschkäfer sehen. Inzwischen haben wir eine ganze Reihe seltener Arten beobachtet." Neben der Natur hat Matthias Kist noch weitere Hobbys. Er sammelt Kakteen und andere Sukkulenten. Außerdem begeistert er sich für Fußballstadien – in 32 europäischen Ländern hat er bereits Spiele besucht.