Die Vision von Till Stürmer klingt düster: "Nach der Rathaussanierung werden sich die Menschen anderweitig etabliert haben und die Innenstadt wird ein beschädigter und ruinierter Ort sein." Daher hat der Inhaber des Arizona seine Konsequenz aus der 40-monatigen Bauzeit am Rathaus bereits gezogen; für sein Geschäft in der Hauptstraße 25 sehe er keine Perspektive mehr: "Wir arbeiten genau daran, den Standort zu schließen."

Das Restaurant Arizona in Forchheim eröffnete vor fünf Jahren. "Wir leben ausschließlich vom Sommergeschäft", betont Till Stürmer. Daher wäre der "ursprüngliche Plan" der Stadt, die Außenbestuhlung komplett zu untersagen, "der Super-Gau gewesen". Aber auch das Entgegenkommen, die 160 Sitzplätze auf 80 zu reduzieren, scheint dem Restaurantbetreiber wenig hilfreich: "Die Bestuhlung entlang eines Bauzaunes samt Schwerlastverkehr, Staub und Dreck - das bedeutet große Umsatzeinbußen. Die Hälfte der Plätze bleibt, doch von der Attraktivität bleiben zehn Prozent."

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) sagt, dass "die Planungen für die Baustelleneinrichtung an dieser exponierten Stelle sehr schwierig" gewesen seien. "Diese jetzt vorgelegten Planungen sind der bestmögliche Kompromiss zwischen einer zügigen Baustellenlogistik und dem Bestreben nach einer aktiven und belebten Innenstadt aus Gastronomie, Handel und Anwohnerinnen und Anwohnern."

Wie belebt die Innenstadt in der Bauzeit bis Ende 2023 tatsächlich sein wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. "Jedenfalls wird die ganze Stadt von Umsatzeinbußen betroffen sein", ist sich Petra Dietzel von HeimFOrteil (Verein zur Förderung der Forchheimer Innenstadt) sicher. Wie Till Stürmer lobt auch Petra Dietzel das "unglaubliche Engagement" der Citymanagerin Elena Büttner. Sie fungiere als Sprachrohr der Geschäftswelt. Doch ob die Geschäftsleute den Belastungen durch die Baustelle Stand halten könnten - "das wissen wir nicht", sagt Dietzel. "Umsatzmäßig" werde aber die ganze Stadt schon deshalb betroffen sein, "weil es verkehrstechnisch schwierig ist, so eine große Baustelle zu haben", sagt die Boutique-Betreiberin aus der Wiesentstraße: "Überall Umleitungen zu haben, das macht die Kunden nicht williger, in die Stadt zu kommen."

Dass es nun für lange Zeit "zu dieser Belastung" für die Bürger, Geschäftstreibenden und Anwohner komme, das bedauere er "außerordentlich", sagt OB Kirschstein. "Gemeinsam müssen wir nun diese Phase der Baustelle durchstehen."

Dank der "intensiven Gespräche", die Citymanagerin Büttner im Vorfeld geführt habe, konnte auf die "Sorgen und Nöte der Betroffenen" im Vorfeld eingegangen werden, meint Kirschstein und nennt auch das Arizona als "prominentestes Beispiel" .

Zähne zusammenbeißen

Allerdings sprach Arizona-Geschäftsführer Till Stürmer gegenüber dem FT von einem "Entgegenkommen in sehr kleiner Dimension". OB Kirschstein habe "sehr gut zugehört, er kam uns auch entgegen, aber nicht weit, ein Dialog war es nicht." Der Geschäftsmann betont, dass es möglich gewesen wäre, "eine Saison lang die Zähne zusammenzubeißen, aber keine vier Jahre". Er hätte sich gewünscht, "die Baustelle wegen Corona zu verschieben, damit sich die Innenstadt erholen kann". Oder zumindest die Baustelle während der Sommermonate "auszusetzen oder zurückzubauen". Till Stürmer glaubt, dass sich die Stadt "der Dimension nicht bewusst" sei: Keine Feste und Veranstaltungen wegen Corona und nun die Baustelle: "Die Attraktion der Innenstadt wird nachhaltig beschädigt, am Ende wird es die Straße rauf und runter Leerständen geben." Die 20-Millionen-Euro-Sanierung des Forchheimer Rathauses wird im Dezember 2023 enden Zeitplan Der Umbau des Historischen Rathauses zum Haus der Begegnung soll bis Dezember 2023 fertig sein Ab Mittwoch (2. September) wird die Großbaustelle auf dem Forchheimer Rathausplatz und in einem Teil der St.-Martin-Straße eingerichtet. Die Stadt hat zwei Bauphasen angekündigt. Die erste beginnt am Freitag (28.August), wenn der städtische Bauhof das Bächla in der Hauptstraße vom Rathausplatz bis zur Einmündung der St.-Martin-Straße abdecken wird. "In Phase 1", teilt die Stadt mit, "wird der Rathausplatz von einem Bauzaun eingefasst werden, der ausgehend von der westlichen Ecke des Rathauses den Rathausplatz bis zur östlichen Ecke des Rathauses umfangen wird". Ab dem 7. September werden Container auf dem Rathausplatz aufgestellt. Die "Bauphase 2" startet Mitte Oktober: Ein Gerüst wird an den Rathausmauern aufgestellt, ein großer Baukran auf dem Rathausplatz. Baustellen-Einweihung Im November werden Fördergeber die Rathaus-Baustelle offiziell einweihen. Wie die Stadt mitteilte, werden zu dieser Einweihung Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie Vertreterinnen und Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege, des Bayerischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der Regierung von Oberfranken, der Landesstiftung und der Oberfrankenstiftung erwartet. Rund 80 Prozent der voraussichtlichen Baukosten von über 20 Millionen Euro werden durch Fördergelder finanziert. Wenn die ersten Sanierungsschritte sichtbar sind, will die Stadt im kommenden Jahr die Bevölkerung zum "Tag der offenen Baustelle" ein laden. Einschränkungen Die Rathausbaustelle bringt diverse Einschränkungen für die Bevölkerung mit sich. Zum Beispiel: Am Mittwoch, 2. September, wird die Behindertentoilette am Historischen Rathaus in der St.-Martin-Straße geschlossen. Am Sonntag, 30. August, wird es zum letzten Mal die Bestuhlung der Gaststätte Arizona verteilt über den ganzen Rathausplatz geben. Ab Montag, 31. August, muss diese Bestuhlung wegen der Baustelle stark eingeschränkt werden. Nur noch am östlichen Rand des Platzes wird es weiterhin die Außengastronomie des Arizona geben, durch eine Holzwand von der Baustelle abgegrenzt. Auch die Martinskirche ist von den Bauzäunen betroffen: an der Ostseite (Apsis) der Kirche, südlich ab dem Durchgang zur Hauptstraße bis zur Kirche, nördlich ab dem Durchgang zum Rathausplatz bis zur Kirche. Beide Durchgänge bleiben aber in der ersten Bauphase frei. Ab Mitte Oktober wird der Durchgang vom Rathausplatz zur Martinskirche geschlossen werden. Der Zugang von der Hauptstraße aus in die St.-Martin-Straße bleibt unterhalb des Gerüstes an der Registratur für Fußgänger offen.