Typische Tessa Korber-Sätze klingen so: "Sie war um die 14 und sah aus, wie Mädchen in dem Alter eben aussehen, und hatte an, was Mädchen in dem Alter eben anhatten. Kein Grund, warum sie hätte sterben sollen."

Wie in dieser finsteren Story über eine "Kirchweihleiche" auf dem Forchheimer Annafest wählt Tessa Korber ihren Erzählton vorzugsweise "lustig und hart".

Ihr Debüt gab die ungemein produktive Autorin 1998 mit dem historischen Roman "Karawanenkönigin". Als die Stadt Forchheim Tessa Korber 2010 mit dem Kulturpreis auszeichnete, hatte sie bereits 30 Bücher geschrieben. 2012 legte sie den eindrucksvollen Bericht über das Leben mit ihrem autistischen Sohn vor. "Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal können".

Tessa Korber verfasst historische Romane und Lyrik, mit und ohne Pseudonym. Vor allem ist sie aber immer eine Schriftstellerin von Kriminalromanen geblieben. Lange bevor Regio-Krimis Verkaufsschlager wurden, hat Tessa Korber den Nürnberg-Krimi erfunden. Jannette Dürer hieß ihre Kommissarin, eine Ermittlerin mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund. Sie lebte noch in der Wohngemeinschaft aus Studentenzeiten, war aber raus gekippt aus ihrer alten Existenz. Ein bisschen eben wie ihre Schöpferin Tessa Korber selbst, die nach einer Hochschullaufbahn als Germanistin und Historikerin eine neue Existenzform suchte.

Ab 1999 erschienen im Aufbau-Verlage sechs Dürer-Krimis. Doch als Tessa Korber ihre etwas erschöpfte Kommissarin auf Kur nach Bad Kissingen schicken wollte - weigerte sich der Verlag. Jannette Dürer müsse in Nürnberg ermitteln, so das Verkaufsargument. "Der Verlag hat sie sterben lassen", bedauert Tessa Korber.

Mit dem Schreiben von Kriminalgeschichten hat sie deshalb aber nie aufgehört. Weil sie den Lesern Spannung liefern will - und sich selbst: "Die Spannung zieht mich in den Schreibprozess", sagt Tessa Korber. "Die Spannung ergibt sich auch durch die Frage beim Schreiben: Funktioniert es?"

Zwischen E und U

So wenig die Unterscheidung zwischen E- und U-Literatur aussagt, so sehr ist die in Forchheim aufgewachsene Autorin Leidtragende dieser Unterscheidung. Wer mit Krimis sein Geld verdient, erlebt, dass seine Bücher kaum länger als ein Jahr im Verlagsprogramm bleiben. Und weil ein Taschenbuch-Krimi nicht mehr als 7000 Euro abwirft, ist Schreib-Elan gefragt.

Bei Tessa Korber ist er ungebrochen. Dass sie aber eben nicht nur U, sondern auch E beherrscht, wird daran deutlich, dass im Herbst zwei Romane von ihr erscheinen, die beides bedienen. Ihr aktueller Krimi ("Noch einmal sterben vor dem Tod") spielt in einem Altenstift am Nürnberger Tiergarten. Es geht um einen Fall, den der Kommissar nie lösen konnte. Jetzt lebt er im Altenstift und begegnet dem Täter von einst... "Eine Duellsituation", sagt Tessa Korber. Sie habe im Altenstift gearbeitet, um das Szenario ihres Romans "von innen" zu kennen.

Auch der Roman über vier Freundinnen, der im Dumont-Verlag erscheinen wird, ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema Alter und Tod. Nur dass Korber in diesem Werk ohne Mord auskommt. Warum Krimis dagegen "ohne Kapitalverbrechen nicht funktionieren" (Korber), dafür hat die 53-jährige Autorin eine ebenso knappe wie einleuchtende Erklärung: "Im Krimi geht es um ein mythisches Geschehen, da reicht kein Handtaschendiebstahl."