"Georgia on my mind", das war immer der Spruch eines Kollegen, wenn es die letzten Klippen eines arbeitsreichen Tags zu meistern galt. Es war für ihn der Vorgeschmack auf eine angenehme Abendstimmung, genau von der Art, wie sie am ersten Abend der Jazztage im Hof der Kaiserpfalz herrschte.

Kulturbeauftragte Katja Browarzik hatte die Idee, sommerlichen Jazz nach Forchheim zu bringen. Und: "Georgia on my mind" gehörte zum Programm von Heye's Society, vorgetragen mit einer Bärenstimme von Tino Roßmann, dem Mann am Klavier.

Die sechsköpfige Band um den Gründer und Namensgeber Heye Villechner hat sich ganz dem Jazz der Frühzeit verschrieben, dem New Orleans Hot Jazz. Man muss es immer wieder realisieren, dass Stücke wie "Sugar Foot Stomp" von King Oliver oder Satchmos unvergesslicher Westend Blues schon hundert Jahre alt sind, so frisch und erfrischend erklangen die Klassiker. Gespielt von "alten Herren" und der jungen Tubistin Marion Dimbath. Sie begeisterte mit ihren tiefdunklen Solopassagen, die sich zwischen die sonore Posaune von Erwin Gregg und die quirlige Klarinette von Achim Bohländer mischte.

Junge Musik, die jung erhält, darf man sagen, überschlägt man in Gedanken, wie alt der Bandgründer ist. "Anfang 20 in den 60ern", erzählt er gegen Ende von seiner Begegnung mit Ringo Starr in Hamburg. Da ging es vorrangig nicht um Musik, sondern der Sportler Villechner plauderte am Rande eines Konzerts über Fußball. Dort sah Villechner seinen Weg; wer weiß, ob es nicht trotzdem der Impuls war, sich der letztlich der Musik zu verschreiben.

Beatles als Impulsgeber

Einen Auftritt mit den Beatles hatte er damals im Hamburger Starclub, als ihn eben Starr auf die Bühne rief. "Der fünfte Beatles", nannte ihn deshalb auch der musikalische Leiter der Band Toni Ketterle, auch wenn Villechners Weg in eine ganz andere musikalische Richtung ging. Aus der heutigen Perspektive. Waren die Beatles Impulsgeber bei Pop und Rock, ging Villechner den Weg zurück zu den Wurzeln des Jazz. In die Zeiten von Storyville, in die kulturelle Mixture des damaligen New Orleans mit ihren französischen und kreolischen Beimischungen.

Am deutlichsten wurde dies beim Konzert im Pfalzhof, als die Band "New Orleans Function" anstimmte, die komprimierte Fassung eines Trauerzugs mit Jazzmusikern, bei der die Stimmung vom Trauerchoral zum fröhlichen Swing umschlägt. Spätestens in diesem Moment hatte die mitreißende Atmosphäre des frühen Jazz alle Zuhörer erreicht. Vergessen waren die kleinen Malaisen mit den wackelnden Biertischgarnituren; unbekümmert und mit Verzicht auf eine Rückenlehne, setzten sich die meisten quer auf die Bänke, um einen guten Blick auf die Altjazzer auf der Bühne zu haben.

Leichtfüßig plauderte Trompeter Ketterle über die Größen dieser Zeit, über Louis Armstrongs Beerdigung ohne Funeral Jazz, über Plagiate und Streitigkeiten, wer denn nun der Schöpfer einer Melodie gewesen sei.

Ragtime

Das Konzertprogramm führt noch einen Schritt weiter zurück - zum Ragtime um 1890, für den der Name Scott Joplin steht. Es war eine technische Panne, die den Alarm des Pfalzmuseums auslöste, aber sie gab den allerletzten Aufmerksamkeitsanstoß für den Tiger Rag von 1903. Ein unsterbliches Musikstück, das so viel Freiraum für den Interpreten bietet. Heye's Society nutzte ihn für solistische Abstecher bis hin zur "Berliner Luft" und der "Fischerin vom Bodensee". Die zwei Zugaben - "What a wonderful world" und "Oh when the saints" - deckten noch einmal die ganze Breite des frühen Jazz ab und: den immer spürbaren Optimismus.