"Wir scharren mit den Hufen", erklärt Janina Fuchs in freudiger Erwartung des heutigen Tages mit der entsprechenden Fußbewegung. Die junge Frau ist eine von elf Lehrern der Tanzschule Rupprecht-Moser. Zwölf Wochen durfte dort wegen des Corona-Verbots kein Tanzbein mehr geschwungen werden. Heute Abend um 17.30 Uhr findet der erste Tanzkreis wieder statt.

Das geflügelte Wort "dein Tanzbereich, mein Tanzbereich" aus dem Film-Klassiker der 80er Jahre "Dirty Dancing" gewinnt angesichts der staatlichen Vorgaben zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln eine andere, neue Bedeutung. "Die Paare müssen untereinander die geforderten 1,5 Meter Abstand einhalten. Es darf aber mit einem Partner in direktem Kontakt getanzt werden. Partnertausch ist nicht erlaubt. Das heißt, auch der Lehrer darf nicht mit dem Schüler tanzen," sagt Roland Moser. Er ist Inhaber der Schule, die es seit 20 Jahren in Forchheim gibt.

Die Tanzschule Rupprecht-Moser öffnet wieder - nicht ohne eigenes Hygiene-Konzept 

Der Platzbedarf pro Paar betrage zehn Quadratmeter. "Unsere Räume sind so groß, dass pro Kurs acht bis zehn Paare gestellt werden können", fährt er fort. Mit glücklichen Augen und einer einladenden Geste verweist er auf die drei Säle in der Niederlassung der Bayreuther Straße. Weitläufig und lichtdurchflutet sind die Räumlichkeiten dort, die 90 bis 120 Quadratmeter umfassen. "Wir werden natürlich regelmäßig lüften."

Denn das sei eine der Bedingungen, die im notwendigen Hygienekonzept berücksichtigt werden mussten. Bei dessen unterstützt habe der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband und der Berufsverband Deutscher Tanzlehrer. "Wir haben Tische und Stühle in den Pausenzonen umgestellt, um die Abstandsvorgaben zu wahren." Ein- und Ausgang werden separat ausgewiesen. "Die Zeiten der Tanzeinheiten haben wir angepasst, so dass sich die Teilnehmer der verschiedenen Kurse nicht begegnen." Auch die Dauer habe man reduziert. "Früher üblich waren 90, jetzt sind es 60 Minuten," betont Moser.

Getanzt werden dürfe ohne Maske. "Aber sie muss sofort getragen werden, wenn die Tanzfläche verlassen wird - zum Beispiel für den Gang zum Waschraum. Dieser darf nur von einer Person aufgesucht werden."

Nach zwölfwöchiger Pause für die Tanzschule: Getanzt werden darf ohne Maske

Die vergangenen drei Monate haben die gesamte Tanzbranche hart getroffen. Vor allem, weil es keine Perspektive gab, wann eine Wiedereröffnung erlaubt sei. "Alle Kollegen waren wie ich sehr um die Zukunft besorgt. Wirtschaftlich ist es für viele Tanzschulen sehr schwierig gewesen, da wir ja sehr hohe Fixkosten durch Mieten etc. haben", berichtet der Tanzlehrer aus Leidenschaft.

Hinzu gekommen sei die Sehnsucht nach der geliebten Freizeitbeschäftigung. "Tanzen ist nicht nur Sport. Es ist einfach Lebensfreude, verbunden mit viel Herzblut", meint Fuchs. "Das fehlt nicht nur den Schülern, sondern auch den Lehrern." Der gesellige Aspekt sei nicht zu vernachlässigen. "Die Paare kennen sich und kommen zusammen, um einen schönen Abend miteinander zu verbringen," ergänzt Moser. "Einige halten uns bereits seit zwanzig Jahren die Treue."

Für etwas Ersatz des Tanztrainings in den eigenen vier Wänden hat Janina Fuchs gesorgt: Sie hat Videos gedreht und online gestellt. "Vor allem für das tänzerische Fitness-Workout "dancit". Das haben unsere Mitglieder gerne und gut angenommen." Lateinamerikanische Tänze könne man auch noch halbwegs gut zu Hause üben. "Aber bei Wiener Walzer und Quickstep ist das Wohnzimmer schnell zu klein", erklärt sie schmunzelnd. "Insofern freuen wir uns alle, dass es endlich wieder losgehen kann."