Es sind nicht die Holzstücke mit ihren oft skurrilen Formen, die Thomas Binz zu seinen Figuren inspirieren, es ist eher andersherum: "Ich habe eine Idee und suche mir dafür das passende Holz". Der Künstler hat eine lange und liebevolle Beziehung zu seinem Werkstoff, schließlich war bereits sein Vater Schreiner. Nach dem Abi wollte er auf die Walz gehen und begann daher mit einer Ausbildung als Zimmerer.

Mit dem Zirkuswagen unterwegs

Später zog er fast zehn Jahre lang mit einem Marionettentheater im Zirkuswagen umher. Im Wiesenttaler Ortsteil Haag kam er vor gut 16 Jahren an. Dort schnitzt Binz seine Figuren und stellt in der Werkstatt eines befreundeten Zimmerers in Schlaifhausen massive Holztische und -bänke her.

Wanderer gehen an seinem Haus in Haag vorbei, sind auf dem Weg zur Neideck oder ins Wiesenttal, sehen die Figuren, halten inne, schauen, fotografieren. Sie lassen die kleine Frau in ihrer Badewanne schaukeln. "Witzig", sagt eine Wanderin, die sich gerne noch umschauen würde, doch ihre Kinder sind ungeduldig.

Mit der Motorsäge ans Werk

Binz startet die Motorsäge und versenkt sie fast zärtlich in dem 200 Jahre alten Eichenstück, das einst als Balken gedient hat. Die Figur, die daraus entstehen soll, existiert nur in seiner Vorstellung. Auf der einen Seite soll ein Sockel entstehen, auf der anderen Seite, dort, wo die Bohrung ist, sollen einmal Hände herausgearbeitet werden. Für filigrane Arbeiten nimmt Thomas Binz das Schnitzmesser und schält einen Holzspan nach dem anderen ab.

Der Handwerker arbeitet mit einem Material, das selbst nie aufhört zu arbeiten. Altert das Holz, ändert es seine Farbe: Harte Eiche wird grau, Lärche silbrig-grau und auch die Robinie bekommt einen schönen dunklen Farbton.

"Holz ist Leben", schwärmt der Schreiner. Er wuchs mit dem Werkstoff auf, der so vielseitig verwendbar ist, wie fast kein zweiter. Mit Holz lässt sich Kunst schaffen, mit Holz lässt sich wohnen und mit Holz lässt sich gegen die Kälte heizen.

Ausstellung im Open-Air-Atelier

Am 6. September will Thomas Binz seine Werke in einem Open-Air-Atelier neben und hinter seinem Haus zeigen. Ab 12 Uhr sind Gäste willkommen, gegen eine Spende gibt es auch etwas zu essen und trinken. Da es in Haag keine Parkplätze gibt, sollten Besucher auf dem Wanderparkplatz beim Streitberger Freibad parken und von dort aus den zehnminütigen Fußweg an der Wiesent entlang nehmen.