Ob in diesen Sommer die Wiesent mit Kanus befahren werden kann steht in den Sternen, denn im September 2017 sind die Schifffahrsgenehmigungen ausgelaufen. Nun muss die Neuvergabe geregelt werden und dabei die Frage geklärt werden, wie eine naturverträgliche Nutzung des fränkischen Gewässers aussehen soll.

Für den Bund Naturschutz ist klar, dass die Fortsetzung der bisherigen Nutzung katastrophale Folgen für das Ökosystem haben würde. So stören nach Angaben des Bundes Naturschutz bis zu 28 000 Flusswanderer pro Jahr nicht nur das Brutverhalten von bedrohten Vögeln und Fischen, sondern zerstören auch die Unterwasservegetation.

Durch Verschlammung der Kiesbette und das Zertrampeln von Wasserpflanzen werden die Laichplätze von Fische zerstört und die Anzahl an Wasserinsekten dramatisch reduziert.
Als erste Maßnahme möchte der Bund Naturschutz, dass die Kanusaison weiter eingeschränkt wird. Bisher war das Paddeln von Mitte Mai bis September erlaubt. Sollten die Kanuverleiher eine Genehmigung bekommen, dann soll ein Befahren erst Mitte Juni erfolgen. Dann würde man zumindest sicher gehen, dass die seltenen Vogelarten ungestört leben und sich vermehren können.


Überwacher benötigt

Statt einer immer stärkeren Einschränkung der Saison setzten sich die Verleiher für eine strengere Umsetzung bisheriger Verordnungen ein. Immerhin profitieren auch sie von einen intakten und anziehenden Ökosystem Wiesent. "Wir schlagen seit Jahren dem Landratsamt vor, jemanden einzustellen, der die Einhaltung existierender Vorschriften überwacht. Selbstverständlich würden wir uns an dessen Lohnkosten beteiligen", sagt Thomas Mehl, Inhaber von "Leinen Los Outdoorevents" aus Gößweinstein.
Dies sei ein notwendiger Schritt zu einem effektiven Schutz des Gewässers, weil insbesondere Eventtouristen sich so gut wie nie über das Gewässer informieren. Diese Eventtouristen kommen oft mit geliehenen Kanus in die Fränkische Schweiz in größeren Gruppen gefahren und kennen weder die Lage der Laichplätze und noch die Einstiege. Falsches Verhalten auf dem Wasser ist besonders in diesen Gruppen häufig und ein großes Problem. "Wir zeigen wenigstens jeden Besucher in Rahmen eines zehn- bis 20-minütigen Einweisungen wie sie sich verhalten müssen um die Natur nicht zu schädigen und geben Karten mit damit gesperrte Bereiche nicht befahren werden", sagt Thomas Mehl weiter.
Für den langfristigen Erhalt des Ökosystems Wiesent möchte der Bund Naturschutz die Verträglichkeit des Kanusports mit den Erhaltungszielen des Gebietes wissenschaftlich überprüfen lassen. Grundlage hierfür soll nicht das bisher angewandte Fischereirecht sein, sondern die strengeren Artenschutzbestimmungen der Europäischen Union. Wie ein solches Gutachten ausfallen wird, ist offen. "Es gab jedoch schon Regionen, die einen Schutz weniger nötig hatten als die Wiesent, auf denen das Befahren nach einer solchen Prüfung gerichtlich verboten wurde", sagt Hansotto Neubauer, Ehrenvorsitzender des Forchheimer Bundes Naturschutz.


Aus für den Kanusport?

Dies wäre dann das endgültige Aus für den Kanusport an der Wiesent. Selbst wenn es nicht so weit kommen würde, bedeutet die Einschränkung der Befahrzeit um einen weiteren Monat erhebliche Probleme für die ortsansässigen Verleiher. Immerhin machen Pfingstferien und mehrere freie Tage den Mai zu einen der umsatzstärksten Monate des Jahres. Außerdem würde die Suche nach Personal weiter erschwert. Immerhin müssten sich Arbeitnehmer darauf einstellen, dass sie nur drei Monate im Jahr benötigt werden
und sich danach eine neue Arbeitsstelle suchen müssten.
Wie Ulrich Buchholz, Vorsitzender des Forchheimer Bundes Naturschutz auf dem Pressegespräch betont, geht es bei dem Schutz der Wiesent nicht nur um die Größe der Population der Eisvögel und Wasseramseln. Diese brauchen für die Aufzucht
ihrer Jungen einen gesunden Bestand an Beutetieren. Diese werden jedoch wegen verschlammten Kiesbetten und zerstörter Unterwasservegetation immer kleiner. "Das mag für manche nicht als ein zu großer Eingriff in die Natur wirken, jedoch zeigt beispielsweise die Population des Eisvogels sehr genau den Zustand des gesamten Ökosystems", sagt Buchholz. "Wir müssen jetzt handeln, sonst ist die Wiesent bald tot!"