Unmut, Kopfschütteln und vor allem Verwunderung hat eine neue Methode zur Vogelvergrämung in der Fränkischen Schweiz ausgelöst. Der 31-jährige Matej Mezonsky lässt zwei Falken als natürliche Abschreckung von Singvögeln über den Kirschgärten kreisen. In vier Kirschgärten als Testgebiet wird diese Methode gerade ausprobiert.

Über einen Landwirt aus Freiröttenbach (Kreis Nürnberger Land) hat Karl Otzmann, der Anbauberater des Obstgroßmarktes Igensdorf, Kontakt zu dem Falkner und dessen Methode erhalten und drei weitere Landwirte im Forchheimer Oberland gefunden, die mit den beiden Falken ebenfalls gegen den Vogelfraß vorgehen wollen. Begründung ist der Ernteausfall vor allem bei Frühkirschen und auch bei den späten Sorten durch Stare. Die Vögel aber sollten, so die Landwirte, in der Reife- und Erntezeit der Kirschen Insekten und Waldbeeren fressen. Deshalb wollen sie die Methode mit den Falken ausprobieren.


BBV dementiert

Darüber sind nun mehrere Verbände aus verschiedenen Gründen verwundert. "Ein Vogelfraß ist uns nicht bekannt. Das ist nur ein kleines Randthema", behauptet Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbands (BBV) Forchheim. Er bestätigt zwar, dass immer wieder gerade die Frühkirschen von Vögeln gefressen würden, doch nicht in großem Umfang.

Auch Herbert Hubmann, Geschäftsführer der "Franken Obst GmbH und des Obstgroßmarktes in Igensdorf, distanziert sich von dem Projekt. "Ich habe das selbst erst durch die Zeitung erfahren", sagt Hubmann. Der Obstgroßmarkt habe das Projekt nicht initiiert.

"Das Projekt wird von vier Betrieben finanziert", sagt Karl Otzmann. Auch bei ihm in Lilling fliegen die Falke über dem Kirschgarten. Otzmann beteuert, einen hundertprozentigen Ausfall seiner Frühkirschen zu verzeichnen. Ein Hektar seiner Fläche sind mit Kirschbäumen bepflanzt. Ein Baum davon sei eine frühe Sorte.

Überhaupt sind die von dem Vogelfraß besonders gefährdeten frühen Kirschsorten im größten zusammenhängenden Kirschenanbaugebiet Europas nur wenig vertreten. "Die Frühsorten betragen maximal fünf Prozent", sagt Hubmann. Dem stimmt Christoph Vogel, der Betreuer der Obstversuchsanlage in Hiltpoltstein, zu. "Frühsorten werden vor allem im Forchheimer Oberland kaum angebaut", bestätigt Vogel. Von den frühen Sorten seien zwar hier und da mal einige angefressen, ein großer Schaden entstehe aber nicht.


Kosten für Falkner

Eine fachliche Berechtigung für den Einsatz der Falken sehen weder Christoph Vogel noch Herbert Hubmann. Der Schaden an den Kirschen sei geringer als die Kosten für den Falkner. Die tragen die vier Landwirte selbst. Pro Hektar und je nachdem, wie oft der Falke fliegt, koste das laut Karl Otzmann zwischen 20 und 100 Euro pro Tag, um die Singvögel zu verscheuchen.


Suche nach Wendehals

Das Landratsamt Forchheim war von der Bezirksregierung Oberfranken informiert worden, in den beteiligten Kirschgärten zu untersuchen, ob dort der Wendehals lebt. Das war nicht der Fall, so lautete das Ergebnis dieser artenschutzrechtlichen Untersuchung, wie Kathrin Schürr, Pressesprecherin am Landratsamt Forchheim, informiert. Es waren auch wenige andere Vögel dort.


Singvögel verscheucht

Doch genau das Verscheuchen der Singvögel ist es, was auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) kritisiert. "Die meisten Stare sind um diese Jahreszeit bereits an Rhein, Main und Mosel abgezogen", sagt Helmut Schmitt, Vorsitzender des LBV-Kreisverbands Forchheim. Zwar bestätigt er ebenfalls, dass die Frühkirschen sicher mehr durch Vogelfraß gefährdet seien, aber "man will und braucht ja die Vögel, um die Schädlinge in den Plantagen gering zu halten. Dann muss man auch akzeptieren, wenn sie sich jetzt einige Kirschen holen", meint Schmitt.

Die Amseln fressen neben Insekten auch Beeren, tun dies aber vor allem nur dann, wenn sie nicht genügend Insekten finden. "Fast alle Vögel brauchen in den ersten drei Wochen eiweißreiche Nahrung für die Aufzucht ihrer Jungen. Erst dann wird auf Beeren zurückgegriffen", beteuert Schmitt.


Tod im Nistkasten

Mit den Falken am Himmel würden aber alle Elternvögel davon abgehalten werden, in die Nistkästen zurückzukehren, um ihre Brut zu füttern. "Die Jungvögel sterben dann einen qualvollen Tod", erklärt Schmitt.

Die Nistkästen werden von vielen Landwirten selbst an den Obstbäumen angebracht. "Wir füttern die Meisen den ganzen Winter. Die Meisen fressen die Raupen des Frostspanners. Seit Jahren müssen wir deshalb nicht mehr spritzen", betont Christoph Vogel. Durch den Falkenflug würden die Singvögel verängstigt und könnten ihre Brut vernachlässigen.