"Die Grundschule muss mit ihrem Neubau in der Mitte des Ortes bleiben", verlangt Christian Braun, der schulpolitische Sprecher der Freien Wähler im Gemeinderat von seinen Fraktionskollegen. Damit spricht er sich in der Diskussion um den Standort des geplanten Neubaus der Grundschule klar für einen Verbleib an ihrem alten Standort, dem Deerlijker Platz, aus. Die Alternativlösung am Ortsrand bei der Mittelschule sei seiner Meinung nach nicht akzeptabel.

Machbarkeitsstudie für alten Platz

Zur Lösung der Debatte wurde eine Machbarkeitsstudie beantragt. Sie sollte ermitteln, ob einem Neubau der Grundschule am Deerlijker Platz etwas widerspreche. Das Ergebnis fiel eindeutig aus, dem Neubau steht nichts im Weg.

Deshalb warben die Freien Wähler im Rahmen einer Pressemitteilung für den Neubau am alten Standort. "Der Bürger soll informiert werden", findet Stefan Braun und fügt hinzu: "Der bisherige Standort bietet vielfältige Möglichkeiten. Das soziale Zentrum kann beibehalten werden. Gerade für die kleinsten Schüler des Ortes ist es hilfreich, in zentraler Lage ihre Schule zu besuchen", so Braun.

Zusätzliche Omnibustransporte für Grundschüler an die Peripherie zum Alternativstandort am Schellenberger Weg würden damit entfallen. Auch städtebaulich würde die weitere Entwicklung des Ortes durch die Beibehaltung des Grundschulstandortes gefördert und ein Zentralitätsverlust des Innerortes vermieden werden, so Braun.

Unterstützung erhält er vom Vorsitzenden des Elternbeirats Peter Latzel. Abgesehen davon, dass mit dem jetzigen Standort die Ortsmitte belebt bliebe und die Nähe zur Bücherei, dem Freibad und den Kindergärten für den Standort sprechen würde, sieht Latzel Nachteile eines Schulstandorts an der Mittelschule: "Die Belastung für die Anwohner an der Mittelschule ist jetzt schon groß. Dann würden zusätzlich 300 Autos fahren", so Latzel.

Bürgermeister von FW überrascht

Christian Braun fordert eine zügige Entscheidung der Standortfestlegung, zumal jetzt erkennbar sei, dass die Platzverhältnisse am bisherigen Standort ausreichend für den Neubau seien.

Bürgermeister Martin Walz (CSU) ist von der Pressemitteilung der Freien Wähler überrascht. "Dass der Standort gut geeignet ist, wissen wir alle. Doch es geht nicht darum, mit dem Bauch zu entscheiden und hinterher Schiffbruch zu erleiden. Deshalb mussten wir die Rahmenpunkte betrachten", rechtfertigt Walz die Notwendigkeit der Machbarkeitsstudie.

Die Entscheidung über den Standort werde ohnehin in der nächsten Gemeinderatssitzung noch in diesem Monat getroffen. Und sie wird, so Walz, positiv für den Standort Deerlijker Platz ausfallen.

Der Bauplatz reicht "gerade aus"

Trotzdem: "Es ist nicht so einfach, wie man es gerne nach Außen trägt", meint Walz. Denn eine der drängenden Fragen an die Machbarkeitsstudie lautete: Reicht die dortige Fläche für den Neubau aus? "Sie reicht gerade aus", sagt Walz. Die Baupiloten, die Architekten aus Berlin, haben dazu mehrere Szenarien durchgerechnet.

"Die Schule hat immensen Platzbedarf", sagt Bürgermeister Walz. Alleine die Nutzfläche beträgt 5800 Quadratmeter. Denn gebaut werden eine Lernhausschule, mit flexible großen Räumen - pro Klassenzimmer 500 Quadratmeter; eine schulintegrierte Nachmittagsbetreuung; eine Zweifachturnhalle, die 1500 Quadratmeter Platz braucht und die Musikräumlichkeiten. Die Hausmeisterwohnung hat dabei den geringsten Raumbedarf.

Beide Standort haben Nachteile

"Die Schule wird mehrgeschossig sein, auch über der Turnhalle wird ein Geschoss sein", erklärt Walz. Das benötige ausreichend bebaubare Fläche, denn die neue Schule werde im Vergleich zur alten doppelt so groß, bei nahezu identischer bebaubarer Fläche. "Es war eine Kunst, in die bestehende Struktur das Gebäude einzubauen", lobt Walz.

Die Standortdebatte sei jedoch komplexer als nur nach gut oder schlecht zu unterscheiden. "Der jetzige Standort ist nicht super, aber gut", so Walz.

Bei allen Vorteilen gäbe es auch Einschränkungen am Deerlijker Platz. "Der Standort ist hochwassergefährdet. Das kann man lösen, doch man darf es nicht aus den Augen verlieren", betont der Neunkirchner Bürgermeister. Zudem sei im Gegensatz zum Standort Mittelschule weniger Platz vorhanden und das Verkehrsproblem innerorts dürfe auch nicht aus den Augen verloren werden, denn ein Großteil der Lastwagen fahre dort vorbei, solange es noch keine Umgehung gibt.

Neue Schule will finanziert sein

Wenn sich die Gemeinderäte für den Deerlijker Platz als Standort aussprechen, wird sich der Mittelschulstandort verändern. "Dieser Standort muss eine andere Verwendung bekommen. Es kann keine grüne Wiese bleiben", erklärt Bürgermeister Walz. Denn die neue Schule muss finanziert werden. Wäre die Grundschule dort entstanden, wäre der alte Standort innerorts abgerissen und der Grund verkauft worden, um so den Neubau zu finanzieren.