Kirschenkönigin Sandra Grau hat ihre Aufgabe als "Botschafterin der süßen roten Früchte" wörtlich genommen. Das 50. Pretzfelder Kirschenfest und den Besuch der Bier-, Meerrettich- und Karpfenkönigin, der Korbstadt- und der Thermenkönigin sowie der Knoblauchsländer Spargelprinzessin nahm Sandra Grau aus Lützelsdorf zum Anlass, ihre Kolleginnen in die Geheimnisse des Kirschenanbaus einzuweihen.

Schließlich gehört es zu ihrem Job, die Sonderkultur Kirsche im größten zusammenhängenden Süßkirschen-Anbaugebiet Europas zu repräsentieren und den Erzeugnissen ein Gesicht zu verleihen. So lud die Kirschenkönigin ihre Kolleginnen auf die Plantage ihrer Eltern ein, wo sie schon als Schülerin auf den Obststeigen ihre Hausaufgaben gemacht hatte.

Typisch für den Kirschenanbau, so Sandra Grau, sei der Sommerschnitt der Bäume. Nach der Ernte trockne das austretende Harz an den Schnittflächen schneller ab. Einen weiteren Rückschnitt müssten die Bauern alljährlich im Winter, meistens im Januar, vornehmen, um einen entsprechenden Behang erwarten zu dürfen.


Planzenschutzmittel

Besonders wichtig sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Der sei längst auf das unbedingt notwendige Maß reduziert worden. Mit biologisch abbaubaren Mitteln hätten die Kirschenbauern diesen Aspekt gut im Griff.

Ein Problem stelle dagegen die Kirschfruchtfliege dar, die kurz vor der Ernte die reifen Früchte befällt. Sie sei äußerst schwer zu bekämpfen. Vor allem warme und feuchte Witterung begünstige ihr Auftreten. Trockene Hitze möge die Kirschfruchtfliege nicht. Da heuer die Kirschenernte drei Wochen früher als üblich begonnen habe, gleichzeitig aber auch die früher reifenden Sorten aus der Türkei und Griechenland auf dem Markt waren, habe dies zu einem deutlichen Preisverfall geführt. Dies sei aber von Jahr zu Jahr unterschiedlich.


Mehr Überdachungen

Durchgesetzt habe sich in den vergangenen Jahren die Überdachung von Kirschplantagen. Die Bespannung halte den Regen ab verhindere, dass Kirschen aufplatzen. "Geschnappte Kirschen", wie Sandra Grau die aufgeplatzten Früchte nennt, seien auf dem Markt unverkäuflich.

Nach einer Stärkung verfolgten die Majestäten weiter den Weg vom Baum bis zum Käufer. Dazu besuchte Sandra Grau mit ihren Kolleginnen den Obstgroßmarkt Pretzfeld. Hier steht eine große, rund 200.000 Euro teure Kirschen-Sortieranlage, die pro Stunde 900 Kilo verarbeiten kann. Da sie von 28 Kirschenbauern angeschafft wurde, werden damit auch nur die Kirschen dieser Landwirte sortiert. Pro Saison immerhin bis zu 200 Tonnen.
Geschäftsführer Manuel Rauch erklärte: "Zunächst kommen die frisch gepflückten Kirschen in ein kaltes Wasserbad. Von hier laufen sie in die Stiel-Trennungsmaschine, ehe sie erneut in ein Wasserbad kommen und auf ein Förderband gespült werden." Hier entfernen Helfer von Hand faule und aufgeplatzte Kirschen.


Auf dem Förderband

Danach fallen die Früchte auf ein Förderband, das sich verjüngt, so dass die Kirschen schließlich in einer Reihe auf das "Gehirn" der Maschine zulaufen. Das ist eine Kamera, die pro Sekunde rund 20 Aufnahmen einer einzelnen Kirsche macht. Diese Daten merkt sich die Maschine. Auf dem letzten Förderband werden die Kirschen per Luftdruck nach Größen in unterschiedliche Behälter sortiert. Dahinter stehen wieder fleißige Hände. Frauen portionieren die Kirschen mit Hilfe von Waagen. Jeweils sechs Kilo werden in die blauen Steigen gefüllt und zum Abtransport bereit gelegt.

"Wer nicht an das Sortiersystem angeschlossen ist, muss die Qualitätskriterien trotzdem erfüllen", erklärte Sandra Grau. Diese Kirschenbauern müssen die Kirschen zuhause trennen und portionsgerecht abliefern. Die Alternative dazu: Die Kirschen werden vergoren und zu Kirschgeist oder Kirschlikör weiter verarbeitet. Davon bekam jede der Kolleginnen ein Fläschchen zur Erinnerung.