Wer momentan die Stube im Gasthof Seitz betritt, blickt auf blank polierte Tische, die Küche ist kalt, die Zapfanlage abgestellt. Doch nebenan, im Sudhaus und der Brennerei, laufen die Maschinen.

Denn neben der Gastwirtschaft ist die Familie Kugler für die Brauerei Elch-Bräu und die Brennerei bekannt. Wegen des Teil-Lockdowns ist der Gasthof wie alle Restaurants seit Anfang November geschlossen, in der hauseigenen Brauerei und Brennerei werden weiter Getränke hergestellt und über den Online-Shop oder den Handel vertrieben. Und genau das scheint das Problem zu sein.

Kein Geld, weil Brauerei weiter läuft?

In einer emotionalen Nachricht in den sozialen Medien hat Familie Kugler vergangene Woche geschrieben: "Wir sind schockiert! Die Regierung stellte sich noch vor dem "Lockdown light" groß in die Öffentlichkeit und erklärte, dass sie keinen Betrieb im Stich ließen und dass es Umsatzentschädigungen in Höhe von 75 Prozent geben werde. Wir konnten es damals schon nicht wirklich glauben, hofften aber auf die Versprechungen und jetzt endlich - nach vier Wochen - kommen die Fakten auf den Tisch."

Das Problem, vereinfacht dargestellt: Sogenannte Mischbetriebe sollten nur dann antragsberechtigt sein, wenn der Umsatz des geschlossenen Bereichs (beispielsweise der Gaststätte) im Jahr 2019 mindestens 80 Prozent des Gesamtumsatzes betragen hatte.

Für die vielen Mischbetriebe, wie es auch Brauereigaststätten sind, ein Schlag ins Gesicht. Seit 2002 betreibt Bianca Kugler mit ihrem Mann Georg die Gaststätte, 2007 kam die Brauerei dazu, seit 2012 die Brennerei mit den Bränden und Elch-Whiskys, sagt sie. Wie viel Umsatz die Gaststätte erwirtschaftet, schwanke, fest steht: "Wir liegen mit der Gastronomie darunter".

Damit ist der Thuisbrunner Gasthof kein Einzelfall, schließlich ist an viele Gaststätten in der Fränkischen Schweiz noch eine Brennerei oder Brauerei angegliedert, die im Moment trotz Teil-Lockdown noch weiter laufen dürfen.

Nicht auf den Gesamtumsatz

Günther Elfert, Dehoga-Bezirksgeschäftsführer Oberfranken, kann entwarnen: "Die sogenannten Mischbetriebe werden den reinen Gastronomiebetrieben gleichgestellt", sagt er. Das heißt: Auch, wenn eine Brauereigaststätte, wie die Elch-Bräu in Thuisbrunn, mit ihrer Gastronomie sonst weniger als 80 Prozent des Gesamtumsatzes macht, soll es dafür die Novemberhilfe geben.

Er betont: Die Novemberhilfen gibt es freilich nur für den Gastronomie-Umsatz, der den Betrieben wegbricht und nicht auf den Gesamtumsatz.

Die Regelung zu den Mischbetrieben habe zu viel Aufregung bei den betroffenen Betrieben geführt. "Das war ein ganz großes Thema bei uns", sagt Elfert. Der Branchenverband habe dieses Anliegen dann an das bayerische Kabinett weitergegeben.

Seit vergangener Woche können vom Lockdown betroffene Betriebe die Novemberhilfen beantragen, sagt Elfert. Neu dabei ist, dass dies über einen "prüfenden Dritten", beispielsweise über einen Steuerberater, geschehen muss.

Parallel dazu sollen die Auszahlungen der Abschlagszahlungen erfolgen: Soloselbstständige erhalten eine Abschlagszahlung von bis zu 5000 Euro; andere Unternehmen erhalten bis zu 10 000 Euro. Die Antragstellung erfolgt einfach und unbürokratisch. Das Verfahren der regulären Auszahlung der Novemberhilfen soll unmittelbar im Anschluss an die Abschlagszahlungen gestartet werden, heißt es in einer Pressemittelung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Bericht aus der Kabinettssitzung

In einem Bericht aus der Sitzung des bayerischen Kabinetts vom 26. November heißt es: "In den Verhandlungen mit dem Bund hat sich Bayern erfolgreich für Verbesserungen für seine Betriebe eingesetzt: Bäckerei-Cafés, Brauereigaststätten, Metzger mit angeschlossenem Imbissbetrieb und andere Mischbetriebe mit gastronomischem Angebot werden bei der Antragstellung den reinen Gastronomiebetrieben gleichgestellt."

Gaststätten, die an eine Brauerei oder Brennerei angegliedert sind, können also doch noch Hoffnung auf die versprochenen Novemberhilfen haben. Und das sind in der Fränkischen Schweiz schließlich viele.

Bianca Kugler vom Gasthof Seitz ist skeptisch: Noch habe sie die Novemberhilfe nicht beantragt, dies müsse ohnehin über einen Steuerberater geschehen. Bei den Soforthilfen, die es zu Beginn der Corona-Krise gab, habe die Auszahlung unbürokratisch funktioniert, sagt sie. Ob das mit der Novemberhilfe auch so funktioniert? "Die Hoffnung ist da. Hundertprozentig wissen wir es noch nicht."

Diese Hilfen gibt es für vom Teil-Lockdown betroffene Unternehmen

Novemberhilfe Seit 25. November können die vom Teil-Lockdown betroffenen Unternehmen die Novemberhilfe beantragen. Damit sollen die Unternehmen Zuschüsse in Höhe von bis zu 75 Prozent des Vergleichsumsatzes im Jahr 2019 als Hilfen zur Verfügung stehen.

Dezemberhilfe Ähnlich verhält es sich mit der Dezemberhilfe. Das Finanzvolumen der Dezemberhilfe wird sich voraussichtlich auf ca. 4,5 Milliarden Euro pro Woche der Förderung belaufen. Mit der Dezemberhilfe werden im Grundsatz erneut Zuschüsse von bis zu 75 Prozent des Umsatzes aus Dezember 2019 anteilig für die Anzahl an Tagen der Schließung im Dezember 2020 gewährt.

Überbrückungshilfe II Die Überbrückungshilfe II umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020. Antragsberechtigt sind Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen, Selbstständige und gemeinnützige Unternehmen und Organisationen.

Überbrückungshilfe III Die Überbrückungshilfe II wird als Überbrückungshilfe III bis Ende Juni 2021 verlängert und erweitert. Dabei handelt es sich um Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Der Förderhöchstbetrag pro Monat wird auf 200 000 Euro erhöht.

Quelle: www.bundesfinanzministerium.de