Es ist wieder Bewerbungszeit. Das Schuljahr geht zu Ende und viele junge Menschen sind auf der Suche nach einem geeignetem Ausbildungsplatz. Doch da steht noch die Hürde: Bewerbungsmappe.
Die Deutsche Bahn hat für die Bewerber für das Ausbildungsjahr 2019 gute Nachrichten. Denn der Konzern verzichtet künftig auf das Anschreiben.

Damit nimmt die Deutsche Bahn den künftigen Azubis eine Hürde der Bewerbung. Der Pressesprecher der Agentur für Arbeit, Matthias Klar, sieht darin "einen weiteren Schritt für Bewerberfreundlichkeit". In der heutigen Zeit fragen sich Unternehmen, "was kann man bieten, um Bewerber zu bekommen".

Deshalb ist Klar nicht verwundert, dass die Deutsche Bahn auf das Anschreiben verzichtet: "Es ist ein weiterer Schritt, Barrieren abzubauen." Man müsse die Bewerber zu einem Unternehmen locken. "Das heißt aber nicht, dass heutzutage jeder genommen wird", ergänzt Klar.


Forchheim setzt auf Anschreiben

Mit dem Verzicht ist die Bahn zwar kein Einzelkämpfer, dennoch bestehen die meisten Firmen und Unternehmen in Forchheim auf das Anschreiben. "Damit wissen wir, dass unser Unternehmen angeschrieben wird", sagt die Personalreferentin von Infiana Germany GmbH & Co. KG Katrin Eger.

Es sei häufiger vorgekommen, dass auf dem Anschreiben keine oder falsche Adressen gestanden haben. Dabei sollten Bewerber doch "zumindest die korrekte Adresse herausfinden können". Zusätzlich erkenne man im Anschreiben ein Sprachgefühl erklärt Eger.

Auch soziale Berufe bestehen in Forchheim noch auf das Anschreiben. Die Pressesprecherin des Klinikums Forchheim, Franka Struve, hält dieses Schreiben "für sinnvoll". So können die Personalreferenten "erkennen, ob ein Bewerber formulieren kann".

Für Ausbildungen im Textil- und Modebereich in Forchheim benötigen Auszubildende ebenfalls ein Anschreiben. Irina Oltsch, die Leiterin der Personalabteilung der Weber & Ott AG sagt, dass das Anschreiben wichtig ist, "weil die Bewerber dort viel von sich preis geben können". Es geht hauptsächlich darum, "warum man den Beruf machen will".

Die Siemens Healthineers GmbH hat "seit 13 Jahren kein Anschreiben" für Auszubildende mehr, erläutert der Pressesprecher Heiko Jahr. Seit 2005 gibt es Online-Bewerbungen, für die ein Anschreiben nicht mehr notwendig sei. Motivation und Persönlichkeit werden "dann im Vorstellungsgespräch geprüft", sagt Jahr.

"Die harten Fakten wie Schulnoten können täuschen", meint der Pressesprecher der Agentur für Arbeit, Klar. Doch wie schreibt man nun die perfekte Bewerbung?


Persönlichkeit ist wichtig

Eine Bewerbungsmappe zeigt "die Persönlichkeit des Bewerbers", sagt er. Der Lebenslauf beschreibe die fachliche Kompetenz und das Anschreiben die Motivation. Deshalb gibt es auch kein allgemein gültiges Rezept, wie dieses Schreiben verfasst werden kann.

Für einen Bürojob brauche man andere Kriterien als bei einem Handwerksberuf. "Das Anschreiben muss individuell auf den Betrieb abgestimmt sein", erklärt Klar. Er empfiehlt "eine direkte Schreibweise: Ich freue mich auf ein Vorstellungsgespräch, anstelle von: ich würde mich freuen".