Land unter in Weißenohe. Fast drei Wochen lang waren etliche Weißenoher Bürger und vor allem Firmen, das Rathaus und das Pfarramt ohne Internet und ohne Telefon.

"Es liegt eine massive Störung des Telekomnetzes in der Region um Weißenohe vor. Der Festnetzanschluss wie der Internetanschluss meines Büros sind derzeit nicht nutzbar. Ihre E-Mails werde ich nach Möglichkeit täglich abrufen und bearbeiten. Bitte haben Sie Verständnis, wenn es dabei zu Verzögerungen kommen kann", erhielt man als Antwort, wenn man versuchte, Julia Endres, die Planerin des 5-Seidla-Steigs zu kontaktieren. Das hatte sie auch der Telekom so mitgeteilt.

Kurzerhand hatte sie ihr Büro nach Gräfenberg verlegt und versucht, ihre Arbeit von der Wohnung ihrer Mutter aus zu erledigen. Vor allem recherchierte sie, wie viele Haushalte betroffen sind. 40 Haushalte wurde einem Mitbewohner mitgeteilt, nachdem die Telekom den Bürgern die üblichen Ausreden für den Ausfall genannt hatte, erzählt Endres von dem unhaltbaren Zustand.


Eine Sammelklage?

Mit einem Notfallplan überbrückten auch die anderen Betroffenen, Firmeninhaber und Bürger ihre Tagesgeschäfte. Und sie sind vor allem eines: stinksauer. Eine Sammelklage gegen die Telekom wird erwogen, wie Bürgermeister Rudolf Braun informiert.

Julia Endres, die das organisiert, sieht in einer Klage das konstruktive eigene Handeln gegenüber dem stundenlangen Ärger in irgendwelchen Hotlines und dem Ärger für die Firmen. Nicht nur, dass Bürgermeister Braun für die Kunden seiner Vermögensberatung nicht mehr erreichbar war, auch im Rathaus ging nichts. "Die Geschäfte sind nur übers Handy oder von meiner Privatwohnung aus durchführbar", sagt Braun.

Laut Wolfgang Fischer, dem die Firma Heizung und Bad Fischer gehört, fing das ganze Dilemma bereits am Donnerstag vor Pfingsten an. Bis Dienstag nach Pfingsten ging überhaupt nichts. Dann funktionierte das Internet wieder für einen Tag, fiel anschließend wieder aus. Ein Techniker kam zu ihm und klemmte seine Leitungen um, weil er einen Entstörungsservice im Vertrag abgeschlossen hat. Sein Internet und Telefon funktionieren. Andere warten heute noch auf den Techniker der Telekom.


Warten auf den Techniker

Am Samstag sollte der Techniker zu Bürgermeister Rudolf Braun kommen. Per SMS wurde er darüber informiert. Doch der Techniker kam nicht. Die SMS mit dieser Information an die Telekom kam nicht an. Eine Entschuldigung dafür haben die Weißenoher nicht erhalten. Das Arbeiten von zu Hause aus ist jedoch nicht so einfach. "Man kommt nicht in alle Dateien rein", sagt Braun. E-Mails können nicht beantwortet werden, oft fuhr er in die Verwaltung nach Gräfenberg, um dort die wichtigsten Amtsgeschäfte erledigen zu können.


Nach Hause für die E-Mails

"Ich bin nun soweit, einen Rechtsanwalt einzuschalten", gab auch Urban Winkler zu. Der Chef der Klosterbrauerei hatte durch den Ausfall von Internet und Telefon große Unannehmlichkeiten. Erreichbar war er gerade per Handy im Auto vor seinem Haus. Dort funktionierte das Internet. Zwei Mal täglich fuhr er nach Hause, um mit dem Laptop die elektronische Post zu checken. Das Tagesgeschäft in der Brauerei funktioniert über Telefon und Telefax und das funktionierte seit zehn Tagen eben überhaupt nicht. "Mit Rufweiterleitung arbeiten wir derzeit", sagte Urban Winkler leicht angesäuert.

Doch die wirklichen Probleme gab es bei den Buchungsaufträgen. "Die Bankeinzüge per Internet funktionieren nicht. Der Buchhalter fährt nach Hause und muss dort jede Überweisung einzeln bearbeiten, denn zu Hause hat er kein Datev-Programm, mit dem wir sonst arbeiten", erzählte Winkler, welche Verzögerungen und zusätzliche Arbeitszeit anfallen. Von einem Verdienstausfall abgesehen, denn die meisten Firmen waren wie Brauns Dienstleistung eben nicht erreichbar.

"Eine größere Baugruppe in einem Verteiler ist kaputt. Wir sollen nun warten, bis die Baugruppe da ist und eingebaut wird", erzählte Winkler, was ihm und anderen von der Telekom erzählt wurde. Das hätte jedoch schon längst über die Bühne gehen sollen. Die Weißenoher warteten noch am Montag auf die Baugruppe und auf die Telekom.


Am Montag klappte es wieder

Den Vorfall bedauert die Telekom sehr, wie Pressesprecher Malte Reinhardt mitteilt. Eine Karte war defekt und immer wieder wurden neue Karten angefordert und nun sei ein kompletter Neustart gelaufen. "Eine Ersatzleitung, eine Umleitung, war nicht möglich, deshalb kam es zu der Komplettstörung", erklärt Reinhardt. Mit dem besonderen Entstörungsservice habe das nichts zu tun. Gerade bei Geschäftskunden sei eine schnelle Entstörung gewährleistet. Wenn es geht, was hier nicht der Fall war. Die gute Nachricht nach dem Neustart: Der Verteiler funktioniert fehlerfrei. "Seit einigen Stunden haben die Weißenoher wieder Internet", sagt Reinhardt.