Die Stimmung ist gelöst. Es wird gelacht und diskutiert. Alt und Jung sitzen gemütlich zusammen und tauschen sich aus. So enden die Proben der Blaskapelle Niedermirsberg: Erst spielen die Musiker zusammen, üben neue Stücke ein und geben ihr Bestes, dann lassen sie den Tag bei Gesprächen ausklingen. "Wir sind da fast wie eine Familie", meint Dirigent Alfons Herbst und rechnet nach, wie oft sich die Musiker treffen.

"Wir treffen uns etwa 120 Mal im Jahr - und das seit 50 Jahren. Das ist schon was." Vorsitzende Helena Leikam weiß, dass Niedermirsberg etwa 530 Einwohner hat. Da sei es schon etwas Besonderes, eine solch große Blaskapelle im Ort zu haben. "Und dann muss man sagen, dass etwa 80 Prozent der Mitglieder auch wirklich aus dem Dorf sind", wirft Gründungsmitglied Rudolf Männlein ein. Das Motto der Kapelle stammt von Ernst Mosch: "Musik ist das Schönste auf der Welt. Und Musikant zu sein, ist ein Segen Gottes."

"Schön ist auch, dass wir nicht nur beim Spielen perfekt aufeinander abgestimmt sind und aufeinander achten, sondern dass auch beim geselligen Beisammensein die Jungen und die Älteren harmonieren", meint die Vorsitzende. Der Verein habe die Führung an die jüngere Generation abgegeben.


Nachwuchs führt den Verein

Helene Leikam beispielsweise ist 25 Jahre alt. Der Verein hat Mitglieder im Alter von 14 bis 77 Jahren. "Wenn jemand ein bestimmtes spielerisches Niveau hat und die Musik liebt, dann darf er bei uns mitspielen", sagt Alfons Herbst, der ebenfalls von Anfang an dabei ist. "Im Ort gab es früher auch schon Musiker, die zum Beispiel auf der Kerwa oder bei kirchlichen Ereignissen gespielt haben und in der Gegend bekannt waren", erinnert sich Rudolf Männlein. Die acht Musiker wurden älter und die Gruppe löste sich auf. In den 60er Jahren rührten Lehrer Hans Hubert und Bürgermeister Georg Bernreuther die Trommel für die Gründung einer Blaskapelle - und die Niedermirsberger machten mit: 1967 wurde die Blaskapelle gegründet.

Zuerst sollte eigentlich nur bei kirchlichen Anlässen gespielt werden. "Nach acht Wochen hatten wir schon unseren ersten Auftritt in der Öffentlichkeit", erinnert sich Männlein. Die Musiker konnten nur den "Reichswehr Marsch" und den "Schustertanz", aber damit füllten sie den Abend. "Die Stücke haben wir dann halt 20 Mal gespielt. Aber die Leute waren begeistert und die Straßen waren voll", erzählt Männlein. Mittlerweile spielt die Blaskapelle deutlich mehr Stücke - von böhmischen Weisen bis hin zum modernen Schlager.

Und wie sich das für eine Familie so gehört, werden auch regelmäßig Ausflüge unternommen. "Wir waren zum Beispiel zweimal in Fredenbeck im Landkreis Stade zwischen Bremen und Hamburg", erzählt Alfons Herbst. Dort begeisterten die Musiker die Norddeutschen mit süddeutschen Weisen. "An einem Tag haben wir sieben Stunden gespielt. Ein Teil ging dann zu Bett, während die anderen weiter bis zum Frühschoppen spielten", erzählt der Dirigent.

Es wird eben leidenschaftlich musiziert und gefeiert. Im Jahr 1974 gab die Blaskapelle ein Standkonzert in Tschechien in der Nähe ihres Hotels. "Da kamen ganz viele Menschen, denn das war für die neu, dass da Deutsche sind und Musik machen", berichtet Männlein. Überrascht waren die Musiker allerdings, als sie ein Auto mit Ebermannstadter Kennzeichen dort stehen sahen.

Sie hinterließen einen Zettel an der Windschutzscheibe. In Deutschland meldete sich ein Apotheker aus Ebermannstadt, der zufällig zur gleichen Zeit in Tschechien war.
Geschichten wie diese gibt es einige zu erzählen. In 50 Jahren haben die Musiker der Blaskapelle Niedermirsberg viel Musik gemacht, viel gefeiert und viel erlebt. Das alles zusammen ist für sie ein Segen Gottes.


Im Juni wird in Niedermirsberg gefeiert
"Wir freuen uns schon auf den Juni und unsere Gäste zum 50. Jubiläum der Blaskapelle Niedermirsberg", sagt Vorsitzende Helena Leikam. Das Programm steht, die Vorbereitungen sind in vollem Gange, denn es wird nicht nur das Jubiläum, sondern auch das Kreismusikfest gefeiert.
"Los geht das Programm am 8. Juni. Da gibt es den Festkommers mit Ehrungen und unsere Freunde, die Weilersbacher, werden für musikalische Unterhaltung sorgen", zählt Helena Leikam auf. Da die Niedermirsberger Geburtstagskinder sind, dürfen die anderen für sie aufspielen.
Der Freitag ist für Junge und Junggebliebene, denn da soll die Gruppe "Justice" die Gäste erfreuen. "Am Samstag geben die Hergoldsheimer einen Böhmischen Abend. Die haben wir ausgesucht, weil uns deren Musik gut gefällt", meint die Vorsitzende. Am Sonntagmorgen wird es in der Kirche einen Festgottesdienst geben. Danach ziehen alle zum Festzelt und unterhalten sich beim Frühschoppen, den der Pretzfelder Musikverein musikalisch untermalt. "Wir waren früher viel in Pretzfeld und haben da Musik gemacht", erzählt Gründungsmitglied Rudolf Männlein. Nach dem Festzug wird es mit den geladenen Kapellen des Nordbayerischen Musikbundes einen Gemeinschaftschor geben. Anschließend können die Besucher das Jubiläum zu Klängen der Juramusikanten aus Hohenmirsberg ausklingen lassen.