Der Klimawandel ist zwar allgegenwärtig, vollzieht sich aber gefühlt immer irgendwo anders: Wenn Atolle vom Pazifik überschwemmt werden oder sich die Sahara ausbreitet, ist das weit weg. Doch der Klimawandel rückt auch den Franken auf die Pelle.

Wenn die Fichten im Nürnberger Reichswald verdorren und der Grundwasserspiegel im Knoblauchsland sinkt, trifft das konkret auch die Bewohner des Landkreises Forchheim.

Seit 40 Jahren beobachtet die Mikrometeorologie-Gruppe der Universität Bayreuth die klimatischen Veränderungen in der Region genau, zeigt Trends und macht Vorschläge, wie man auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren kann. Mitarbeiter Johannes Lüers kann nachweisen, dass in den Klimazielen der Politik gravierende Rechenfehler auftauchen.

Das 1,5-Grad-Ziel sei nur ein Mittelwert, der auch die Erwärmung der Meere miteinbeziehe, erklärte Lüers jüngst bei einem Vortrag in Nürnberg. Das bedeute, dass dieser Durchschnittswert für die Menschen auf dem Festland höher ist: "Im Moment ist die Klimaerwärmung auf einem Trend, der uns in Bayreuth fast fünf Grad bringt", erklärt er.

Die Ursachen hierfür seien bereits überwiegend geschehen: "Das aufzuhalten, ist nahezu unmöglich. Lüers kann seine Aussagen mit konkreten Zahlen untermauern, denn in Bayreuth wird seit 1850 gemessen.

Herausforderung für Stadtplaner

Derzeit untersucht er sogenannte Wärmeinseln, das sind asphaltierte, gepflasterte oder betonierte Flächen in den Städten, die gerade an heißen Tagen die Wärme lange speichern und reflektieren. "Wenn wir tagsüber Temperaturen um die 40 Grad haben, dann kühlt sich das nicht mehr ab", erläutert Lüers, "und wenn so eine Hitzewelle läuft, dann läuft die über fünf bis zehn Tage." Abhilfe könnten hier nur mehr Bäume, aber auch viele Gras- und Wasserflächen schaffen - eine echte Herausforderung für die Stadtplaner.

Doch es wird nicht nur wärmer, sondern auch trockener. Die Zahlen der Mikrometeorologie-Gruppe der Universität Bayreuth belegen, dass es in den Monaten April und September weniger regnet als früher. Laut Statistik fällt im Jahresmittel so viel Niederschlag wie früher, doch dafür regnet es seltener und heftiger. Bei Starkregen kann ein Trinkwasserbehälter das wertvolle Nass nicht mehr auffangen, und das überschüssige Wasser versickert oder verdunstet.

Kunreuth betroffen

In der Gemeinde Kunreuth lässt sich das beobachten. Hier gibt es noch eine Trinkwasserquelle. Seit über 100 Jahren versorgt die Schwabachquelle die Dörfer Kunreuth, Weingarts und Regensberg. Aus den monatlichen Daten des gemeindlichen Bauhofs geht allerdings hervor, dass das Wasser der Quelle in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich um 20 Prozent zurückgegangen ist.

Bürgermeister Ernst Strian (Dem.) hat diese Werte mit den Wetterdaten des Flughafens Nürnberg abgeglichen und festgestellt, dass sich die Aufzeichnungen entsprechen. Die fehlenden Niederschläge in den Trockenmonaten führen zum Rückgang dieses Quellwassers. Starkregen kann die Quelle aber nicht füllen, weil das Wasser zu schnell abfließt und es nicht im Boden gespeichert werden kann. Die Einwohner rund um Kunreuth müssen aber nicht befürchten, dass sie eines Tages plötzlich ohne Wasser dastehen könnten.

Gerüstet für den Notfall

Im Notfall gibt es noch eine Fernwasserleitung. "Wenn es eng wird, dann speisen wir aus der Leithenberggruppe zu", erklärt der Bürgermeister, "dennoch bleibt es unser Ziel, möglichst lange die Eigenständigkeit aufrecht erhalten zu können, weil wir finden, dass wir hier ein sehr gutes Wasser haben."

Damit das so bleibt, muss sorgfältig mit dem kostbaren Nass umgegangen werden. Zum Beispiel könnten die Gärten auch über Zisternen bewässert oder Brunnen gegraben werden. Allerdings gibt es da ein Problem. Beispielsweise ist der alte Ziehbrunnen neben der evangelischen Lukaskirche rund 36 Meter tief und in den letzten fünf Jahren am Boden trocken gewesen. "Das Brunnenbohren ist bei uns sehr aufwendig, man muss sehr tief bohren", erklärt Strian. Das sei sehr kostenintensiv.

"Da wäre eine Zisterne die günstigere und sinnvollere Lösung", meint der Bürgermeister. Solche Zisternen müssten dann allerdings groß genug sein, um innerhalb kürzester Zeit große Mengen Regenwasser auffangen zu können.

Verluste vermeiden

In nächster Zeit will die Gemeinde ihre Quelle genau beobachten, um das Mikroklima besser zu verstehen. Neben einer Überarbeitung der Quellfassung ist das wichtigste Ziel, Wasserverlust und vor allem auch Wasserverschwendung weitmöglichst zu reduzieren.

Auch Corona wird die Klimaveränderungen nicht verlangsamen, meint der Mikrometereologe Lüers. Irgendwo auf der Welt sei trotz der Pandemie immer produziert und überall Strom verbraucht worden, "egal, ob die Leute Viren haben oder nicht".

Trostlose Aussichten

Wenn die Krise vorbei ist, dürfte ein Wirtschaftswachstum einsetzen, "und dann wird das Doppelte des Eingesparten verbraucht." Für Franken bedeute das: weitere Starkregenereignisse - und trotzdem trockene Wälder und weniger Wasser.epd