Fahrgeschäfte, Keller, Sirenen,Bier und kuriose Geschichten. Was hinter dem Trubel und dem Feiern des Annafestes steckt, erzählte der Fremdenführer Wolfgang Hartmann bei seiner Annafest-Führung. Er begann die Tour damit, dass das Annafest eigentlich erst morgen ist.

Denn erst am 26. Juli ist der Annatag. Der Namenstag der Heiligen Anna, um dessen Zeit das Annafest immer gefeiert wird. Als der Schützenverein 1840 sein Hauptschießen auf den Kellerwald verlegte, entstand das Annafest.

"Leider sind aus dieser Zeit keine Schützen-Scheiben mehr vorhanden", bedauert Hartmann. Diese seien bei einem Feuer 1860 zerstört worden. "Brandstiftung war das damals", erklärte der Fremdenführer.

Um Feuer anzukündigen seien die Sirenen nicht auf dem Oberen und Unteren Kellern angebracht. "Vor 13 Jahren ist ein riesiger Ast in Annafest-Besucher gestürzt", berichtete Hartmann. Eine Orkanböe löste einen Ast von einem Baum, der dann in die Besucher krachte. Eine Person starb, eine andere sitzt seit dem Vorfall im Rollstuhl.

"Die Sirenen sollen vor solchen Stürmen warnen", sagte Hartmann. Sobald sie erklingen, müssen alle Besucher das Festgelände verlassen. Das sei allerdings seit diesem Unfall nicht mehr vorgekommen. Und deshalb begutachte die Stadt Forchheim vor dem Annafest jeden einzelnen Baum.

Ein Baum steht auch in der Mitte eines kleinen Areals des Rappen-Kellers. Dieses Teil-Grundstück war der Einsatz bei einem Glücksspiel - "und der Rappenkeller hatte verloren", erklärte der Fremdenführer. Mehrere Jahre konnte deshalb ein anderer Kellerwirt darüber entscheiden, ob sich dort Leute hinsetzen dürfen. "Das hat einige Streitereien gegeben", erzählte Hartmann. Doch das Grundstück gehöre schon seit einiger Zeit wieder dem Rappen-Keller.

"Die Keller sind während des Annafestes geschlossen", sagte Hartmann. Er meint damit die Keller, die früher als Kühlschrank genutzt wurden. Im 16. Jahrhundert seien die Keller rausgehauen worden. "Der Ort war weit weg von der Stadt und es wurde zum Kühlen von Fleisch und Bier genutzt", berichtete er weiter.

Doch das Bier wurde dort nicht nur gekühlt, sondern sei in den Kellern auch gereift. Erst gekühlt, dann gereift und heute sind die Keller für den Ausschank bekannt. Alle Forchheimer Brauereien seien auf dem Annafest vertreten. "Früher gab es 20 Brauereien. Heute sind es noch vier", erklärte Hartmann.

Nicht nur das Bier lockt Annafest-Besucher, sondern auch die Fahrgeschäfte. Seit 70 Jahren steht das Karussell der Familie Ulrich auf den Kellern. "Man sieht das Original auf den aktuellen Annafest-Shirts", erklärte der Besitzer des Karussells Joachim Ulrich.

Sein Urgroßvater habe das Fahrgeschäft gebaut. Und das Originalholz sei immer noch unter den modernen Lichtern versteckt. "Seit 70 Jahren läuft es problemlos", bekräftigte Ulrich. Seine Attraktion sei ein Kindersportkarussell. Das heißt, dass sich die Reifen auf dem Boden drehen, was mittlerweile seltener geworden sei. "Zwei Tage brauchen wir für den Aufbau - und sechs Stunden für den Abbau", erklärte der Besitzer.

"Über 300 Schausteller bewerben sich jedes Jahr, um auf dem Annafest zu sein", erklärt Hartmann. Dazu gehört auch das Wahrzeichen des Annafests: Das Riesenrad. "32 Meter ist das hoch", erklärte der Besitzer Michael Drliczek. Es sei zwar keines der größten, dafür eines der seltensten.

Das Riesenrad werde in einem Stück aufgebaut. "Kein Mitarbeiter muss in großer Höhe arbeiten", sagt der Besitzer. Das passiere am Boden. Der Nachteil: Man könne das Rad nicht mal schnell reparieren. Denn dazu müsste man den gesamten Bereich um das Riesenrad sperren, da es hingelegt werden müsse.

Deswegen stand das Riesenrad im letzten Jahr für einige Zeit still. "Wir haben ein knirschendes Geräusch gehört", sagte Drliczek. Das Kugellager sei defekt gewesen. Allerdings konnte man das nur im Liegen reparieren. "Und man kann das eben nicht schnell mal hinlegen", erzählte der Besitzer.

Und das, obwohl sich das Annafest "auf 198 Hektar erstreckt", wusste Hartmann. Täglich seien im Durchschnitt zwischen 40- und 50 000 Besucher dort. "Und die haben Platz auf den rund 30 000 Sitzplätzen auf den Kellern", sagte Hartmann

Wer die Annafest-Führung selbst erleben möchte, kann dies am 27. Juli ab 15 Uhr erleben. Es dauert circa eineinhalb Stunden. Treffpunkt ist die Infotafel am Fuße des Kellerwaldes.