Zu Beginn der Corona-Krise hatten in Deutschland viele Menschen Sorge, ob während des Lockdowns genügend Lebensmittel und Haushaltsartikel zu Verfügung stehen würden. Angst, ob das Essen reichen wird, haben die Menschen im Flüchtlingscamp "Rhino Camp Refugee Settlement" in der Ofua-Zone im Distrikt Arua im Nordwesten Ugandas, immer. "Hier im Rhino-Camp bekommen die Leute nur Bohnen zu essen", berichtet Simon, einer der Flüchtlinge, der mittlerweile Lehrer der Landwirtschaftsschule des "Project Two-Five" ist.

Unentdeckte Pozenziale fördern

Dabei handelt es sich um ein unabhängiges Projekt, das den Flüchtlingen hilft, ihre unentdeckten Fähigkeiten und Potenziale zum Vorschein zu bringen, damit sie sich selbst helfen können. "Ziel ist es, Menschen zu befähigen, ihr Leben mit Entschlossenheit, Selbstvertrauen und Würde zu bewältigen, Not zu lindern und Lebensumstände zu verbessern", fasst Franz Renker aus Hausen zusammen. Er ist Vorsitzender des deutschen Vereins "Projekt Zwei-Fünf", der das "Project Two-Five" von Franken aus unterstützt und Spenden sammelt.

Seine Tochter Judith ist mit dem Gründer des Projekts, dem Nigerianer Mac John Njidda, verheiratet. Ihre Freundin Damaris hat Daniel Dafam geheiratet, der ebenfalls aus Nigeria stammt. Gemeinsam leiten sie das Projekt vor Ort. Dabei ist unter anderem eine Landwirtschaftsschule entstanden. Aufgrund der damaligen Auflagen des Staates Uganda besteht diese nur aus einfachen Holzstützen mit Planen. "Starker Wind, Regen und Termiten haben die Holzstützen von zwei Schulungsräumen stark angegriffen, so dass diese nicht mehr standhielten", erzählt Franz Renker.

Mittlerweile haben sich die Vorgaben geändert und die Flüchtlinge und Helfer vor Ort dürfen eine Schule mit Mauern bauen. Dazu benötigen sie Material. Und das kostet Geld. "Jeder Familie wurde ein Areal zugeordnet, das sie selbstständig nutzen darf. Aber die meisten wissen leider nicht, wie man etwas anpflanzt und pflegt", berichtet Renker. Das Projekt will die Menschen in der Landwirtschaftsschule ausbilden, damit sie sich selbst helfen und sich ausgewogen ernähren können. Das ist besonders für die Gesundheit der Kinder wichtig.

In den vergangenen Jahren kamen immer wieder Lehrer von außerhalb, die neuartige Anbaumethoden wie "hängende Gärten" ausprobierten. "Zum Beispiel Tomaten wachsen da gut an. In Zisternen wird Regenwasser gesammelt und damit wird gegossen", erklärt Renker. Mit dem Verkauf von Ernte-Erträgen wird ein Teil der Betriebskosten getragen.

An der Schule werden auch Schüler zu Lehrern ausgebildet, denn Nachhaltigkeit auf allen Ebenen ist dem Projekt wichtig. Viola Sunday ist eine Studentin des Landwirtschaftskurses. Sie floh mit ihrem kleinen Sohn und ihren Eltern aus dem Süd-Sudan. "Da ich alleinerziehend bin, trage ich alleine die Verantwortung für die Grundbedürfnisse von meinem Sohn und mir. Das ist oft eine große Herausforderung für mich", erzählt sie.

Trotz der schlimmen Umstände will sie ihrem Kind eine bessere Zukunft mit ausgewogener Ernährung und Bildung bieten. Deshalb besucht sie die Schule: "Wir lernen über den Gemüseanbau und die Tierhaltung. Trotz aller Unwegsamkeiten versuchen wir hart, unsere landwirtschaftlichen Projekte am Laufen zu halten."

Hoffnungslose Menschen hoffen

Franz Renker erzählt, dass die Menschen motiviert sind. Zum Beispiel Lehrer Naphtali Gideon Peter aus dem Süd-Sudan. Seine Vision ist es "zu sehen, wie die weniger Privilegierten befähigt werden, um gleichberechtigte Chancen im Leben zu haben. Es bereitet mir Freude zu sehen, wie hoffnungslose Menschen anfangen, wieder zu hoffen." Irgendwann möchte Peter in seine Heimat zurück und Menschen ausbilden: "Ich glaube, dass Bildung das Licht ist, das Menschen und Gesellschaften aus der Dunkelheit führen kann."