Über 100 Gößweinsteiner kamen zu der Abschiedsfeier der Jugendherberge mit Kaffee und Kuchen, dem Auftritt des Männerchores Gößweinstein-Wichsenstein und der Unterhaltungsmusik von Anneliese Redel. Bekanntlich wird die ehemalige Jugendherberge abgerissen und entstehen an gleicher Stelle. An gleicher Stelle entstehen soll das neue BRK-Seniorenheim. Geplant war eigentlich, dass Investor Helmut Stranzinger das neue Konzept des Alten- und Pflegeheims an diesem Nachmittag vorstellt. Er und Birgit Kastura, Kreisgeschäftsführerin des BRK-Forchheim, sagten jedoch ihre Teilnahme ab. Die Projektumsetzung für das BRK-Seniorenheim sei aber deshalb keinesfalls gefährdet, teilten beide gleichlautend mit.

"Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck am Projekt Gößweinstein, jedoch machen uns die Rahmenbedingungen es derzeit nicht leicht, eine schnelle Lösung zu finden. Aufgrund neuer Gesetzgebungen, findet derzeit ein gewisses Umdenken in der Pflegelandschaft statt. Der Grundsatz, von Politikern ins Leben gerufen, lautet ,ambulant vor stationär' Das heißt konkret, dass der von uns gemachte und bereits ausgearbeitete Entwurf des Pflegeheims, so nicht mehr vom BRK umgesetzt werden kann", schrieb der Investor an Jürgen Kränzlein vom Förderverein "Zukunft Gößweinstein".

Es soll nun entgegen der früheren Planung eine ambulant betreute Wohnanlage entstehen. Für die Heimbewohner sei dies aber im Betrieb auch kaum zu unterscheiden. Baulich wird das neue BRK-Seniorenheim aber ganz anders aussehen, ganz anders tituliert und vertraglich anders geregelt werden. Wie genau die vertragliche Seite aussehen wird, kann auch Kastura, wie auch das BRK insgesamt, derzeit noch nicht sagen. Stranzinger geht aber derzeit davon aus, dass zwei voneinander getrennte Baukörper errichtet werden müssen. Einer davon erdgeschossig als Tagespflege und einer mehrgeschossig als Wohnbereich. Dass das Projekt definitiv umgesetzt werden soll, steht außer Frage.


Abriss im Frühjahr

Das neue Konzept des BRK-Seniorenhauses soll dann bei einer eigenen Informationsveranstaltung noch in diesem Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Kränzlein geht davon aus, dass die Jugendherberge im Frühjahr 2016 abgerissen werden kann und in der ersten Jahreshälfte 2017 das neue BRK-Seniorenhaus eingeweiht wird. 25 000 Euro Anzahlung auf den Kaufpreis für das Grundstück in Höhe von 150 000 Euro hat der Investor schon geleistet. Abzüglich der Gesellschaftsanteile der fünf Käufer der Jugendherberge verbleiben dann noch 130 000 Euro als Grundstock für den gemeinnützigen Förderverein "Zukunft Gößweinstein" der sich die Alten- und Jugendhilfe sowie den Umweltschutz auf seine Fahnen geschrieben hat.


Schweren Herzens verkauft

Die ursprüngliche Idee, aus der Jugendherberge ein Bürgerhaus mit kleinem Kino, Sozialcafé, Regionalladen, einem Senioren- und Jugendtreff, eine Unterkunft für die Lebenshilfe oder Max-Planck-Gesellschaft zu machen, konnte nicht realisiert werden. Es wären Investitionen in Millionenhöhe erforderlich gewesen. Mit schwerem Herzen habe man sich entschlossen, diese Vorstellungen aufzugeben und das Areal zu verkaufen, damit ein BRK-Seniorenheim in Gößweinstein erhalten bleibt. Durch den neuen Verein "Zukunft Gößweinstein" werden aus dem Verkaufserlös und den Mitgliedsbeiträgen der bisher rund 40 Mitglieder die Vorstellungen beim Erwerb der Jugendherberge, diese einer sinnvollen Nutzung der Bürger von Gößweinstein zuzuführen, erreicht, so Kränzlein.

Gekommen war auch der Präsident des Jugendherbergswerks, der ehemalige Forchheimer Schulrat Gerhard Koller. Er erinnerte daran, dass die Jugendherberge 1956 von der Marktgemeinde Gößweinstein gebaut wurde. 1974 erwarb das Jugendherbergswerk das Gebäude für 300 000 Mark und baute es 1978 umfangreich um. 1985 wurden 16 937 Übernachtungen und 1990 18 328 Übernachtungen mit jährlich rund 5300 Gästen gezählt. Nach der Wende gingen die Besucherzahlen deutlich zurück. Die Ansprüche der Gäste stiegen und man hätte laut Koller drei bis vier Millionen Euro investieren müssen, um die Jugendherberge auf den neuesten Stand zu bringen. Eine Investition, die nicht zu schultern war.