Weniger Leute treten aus der Kirche aus, aber auch immer weniger besuchen den Gottesdienst. Nurmehr ungefähr vier Prozent bei den Protestanten und etwas mehr bei den Katholiken.
Nahezu 60 Prozent der Kirchgänger sind Menschen über 60 Jahre, wie die Weißenoher Pfarrsekretärin Claudia Polster erzählt. Angesichts dieser Zahlen scheint es, als brauche man die Kirche nicht, um an Gott zu glauben.
Bei Laura (die Namen aller Kinder und Jugendlichen sind geändert) ist es anders. In diesem Punkt unterscheidet sie sich von vielen Gleichaltrigen. Seit ihrer Kommunion geht die Schülerin gerne in die Kirche, aber nicht alleine. Sie drängt ihre Mutter, mitzugehen. Nicht umgekehrt. Abgesehen davon, dass Laura gerade das Kircheninnere schön findet, gefallen ihr die Lieder und die Geschichten, die der Pfarrer über Jesus erzählt. Aber das sollen die Freundinnen nicht wissen. Es ist unmodern. Trotzdem: "Wenn ich in der Kirche bin, denke ich öfter an Gott als zu Hause", sagt sie.

Damit Glaube entstehen könne, brauche man das miteinander beten, ist sich Pfarrer Johannes Meisinger sicher. "Der Glaube fällt nicht als Geschenk vom Himmel", so der evangelische Pfarrer und fügt hinzu, dass jemand, der noch nie von Gott gehört habe, auch nicht glauben könne.
Lediglich an die Pfarrer hat Laura den Wunsch, die Predigten so zu erzählen, dass auch Kinder sie verstehen. Dem 15-jährigen Peter ist es egal, wie und was der Pfarrer spricht. Er betet nicht, glaubt nicht an Gott und von der Kirche will er auch nichts wissen.

Allerdings meint der katholische Pfarrer Andreas Hornung, die Menschen haben schon immer an Gott geglaubt, sie haben gespürt, dass es ein höheres Wesen gibt. Das Christentum sei ein Angebot Gottes, damit wir zu ihm finden.

"Man braucht die Kirche nicht unbedingt, außer für Weihnachten oder Ostern", findet Jan, der an besonderen Festtagen den Gottesdienst besucht. Ansonsten ist Jan überzeugt, auch ohne Kirche an Gott glauben zu können.
Dass man die Gemeinschaft für den Glauben brauche und für den Glauben auch etwas tun müsse, betont auch Dekanin Christine Schürmann vom Dekanatsbezirk Gräfenberg. Die Realität zeigt aber oft: "Die Kirche ist wie eine Feuerwehr", rezitiert sie einen erst kürzlich gelesenen Satz. Man braucht die Kirche für Beerdigungen und an besonderen Tagen.

Ein Muss in die Kirche zu gehen war es für den heute 17-jährigen Maximilian nicht. Nach seiner Kommunion ministrierte er sogar. Inzwischen geht er nicht einmal mehr an den Feiertagen in die Kirche. "Ich zweifle und bin mir nicht sicher, ob es Gott gibt." Aber auch den starren Gottesdienstablauf findet er nicht zeitgerecht. Eine gewisse Scheu kommt hinzu. Denn nach so vielen Jahren plötzlich wieder in der Kirche aufzutauchen, während alle früheren Freunde zu Hause bleiben, ist nichts für ihn.