Kinderbetreuungsplätze sind begehrt. Auch in Neunkirchen am Brand werden deshalb neue Plätze geschaffen. "Zum guten Hirten" heißt die Kinderkrippe der katholischen Kirche. Der St. Elisabethenverein ist Träger und hat sich auch bereiterklärt, den Erweiterungsneubau im Mühlenwiesenweg zu übernehmen.

Allerdings sieht der Träger ein finanzielles Risiko, denn aktuell sind nicht alles Plätze belegt. Ist der Bedarf für einen Erweiterungsneubau überhaupt gegeben?, fragte deshalb der St. Elisabethenverein. Denn für jeden nicht belegten Krippenplatz würde dem Verein ein Verlust in Höhe von 11 000 Euro entstehen.

"Der zwölfte Platz"

Doch sind die 11 000 Euro wirklich pro Krippenplatz zu bewerten? "Es ist der zwölfte Platz", erklärte Bürgermeister Martin Walz (CSU). Die Erklärung schickte er gleich hinterher. "Sollte eine Gruppe nicht voll besetzt sein, sind es nicht zwölf Mal diese Mehrkosten in Höhe von 11 000 Euro. Dann kann Personal reduziert werden", sagte Walz. Ist nur der zwölfte Platz nicht belegt, dann werde dasselbe Personal benötigt, wie bei einer vollbelegten Gruppe. Wäre nun die Auslastung nicht gegeben, müsste der Träger handeln. Das finanzielle Risiko würde zudem erhöht werden, wenn es zu einer Verzögerung im Baubeginn komme.

Nun bat der Elisabethenverein die Gemeinde, das finanzielle Risiko zu übernehmen. Weder für den Bürgermeister noch für die Gemeinderäte war das ein Thema. "Wir als Gemeinde müssten diese Plätze selbst schaffen, deshalb ist es nur fair, dass das Risiko derjenige trägt, der die Krippe haben möchte. Das Risiko muss komplett die Gemeinde tragen", meinte Bürgermeister Walz. "Wenn es dann erkennbar ist, dass die Gruppe nicht ausgelastet ist, könnten wir die Räume anderweitig nutzen, um einzusparen", fügte Walz an. Da jedoch alle Krippenplätze finanziell gefördert werden, könnte eine Andersnutzung förderschädigend sein. Auch dieses Risiko müsse die Gemeinde tragen.

"Selbst wenn bei dem Worst-Case-Szenario die Räume nicht gebraucht werden, ist es sinnig, das älteste Gebäude (die Kita) andersweitig zu nutzen und die Förderrückzahlung von 20 000 Euro pro Jahr abzulösen", merkte Walz an. Allerdings werden laut der Prognose vom Landratsamt die Krippenplätze benötigt. Diese Zahlen lagen dem Erweiterungsneubau zugrunde. Der hohe Bedarf sei gegeben. Und: "Die Räume schaffen sich nicht von heute auf Morgen. Wir müssen präventive Räume schaffen", meinte Walz.

Deshalb sollte die Gemeinde heute Zusagen treffen, die dann später in die vertragliche Vereinbarung mit dem Elisabethenverein münden. "Es geht nicht nur um die Zusage, sondern um überschaubare Konsequenzen. Wenn die Gemeinde Räume braucht und keine hätte, wäre es schlimmer. Gerade, dass es in Neunkirchen Kitaplätze gibt, mache die Gemeinde für Familien attraktiv, meinte Florian Hofmann (FW) und stimmte der Risikoübernahme zu.

"Vorbehaltplätze"

"Besteht zu wenig Nachfrage oder sind es Vorbehaltplätze", erkundigte sich Bettina Wittmann (Grüne) über den Grund der aktuell fünf nicht belegten Plätze.

Schwierige Einschätzung

Das sei schwer einzuschätzen, erklärte eine Vertreterin des St. Elisabethenvereins. Manche Eltern würden coronabedingt zögern. "2020 ist ein besonderes Jahr, wie man es vorher nie erlebt hat", erklärte Walz, weshalb die aktuellen Zahlen nicht übertragbar seien. Doch die ausgewiesenen Bauplätze und allein die Familien, die in die Wohnungen in das Hemmerleingelände ziehen, haben zur Prognose für Mehrbedarf geführt.

Zweiter Bürgermeister Martin Mehl (CSU) wollte eine lockerere Handhabung mit auswärtigen Kindern, sollte die prognostizierte Auslastung nicht erfolgen. Einstimmig wurde dann beschlossen, ein Defizit der katholischen Krippe zu 100 Prozent auszugleichen.

Zudem stimmte der Gemeinderat zu, dass die Kinder aus dem Haus "Zum guten Hirten" in verbleibende Gebäude umquartiert werden, falls die Auslastung längerfristig unter 75 Prozent liege.

Wenn dadurch die Förderung des ältesten Krippengebäudes aus dem Jahr 2009 nicht mehr erfüllt werde und die Fördergelder zurückbezahlt werden müssten, übernimmt der Markt auch diesen Betrag.

Und zuletzt übernimmt der Markt auch die ausfallenden Förderkosten, sollte der Bau nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.

Wobei Armin Spatz es schon als sportlich betrachtete, den Neubau bis Mitte 2022 fertiggestellt zu haben. "Der Baubeginn ist der Maßstab. Wichtig ist deshalb, dass wir zügig beginnen und nicht verschleppen", sagte Walz.

Mit dieser Risikoübernahme wurde der erste Schritt für die schnelle Schaffung von 24 weiteren Krippenplätzen getan.