Die Landwirte sind los im Gräfenberger Raum. Nicht die einheimischen, sondern Bauern aus anderen Gemeinden, die dort Flächen bearbeiten und Jagd auf Hundehalter machen. Selbst wenn diese ihre Tiere an der Leine führen und nicht frei auf den Feldern herumlaufen lassen. Ein Grund für die Verärgerung der Landwirte ist, wenn sich ein Hund am Randstreifen neben Feldwegs, Heckenreihe oder Waldrand erleichtert.

Allerdings wird beobachtet, dass immer weniger Landwirte einen Randstreifen von der Bewirtschaftung ausnehmen, was eigentlich müssen. Im Gegenzug für die pestizidfreie Pflege dieser Flächen kassieren sie Fördergelder. Das soll dem Naturschutz dienen. Streng genommen gehören die Randstreifen der jeweiligen Gemeinde. Das Geschäft eines Hundes darauf ginge den Landwirt gar nichts an.

Verfolgungsjagd mit Traktor?

Dennoch spielten sich manche Agrarier zum Ordnungshüter auf. Laut Aussage einiger Menschen aus dem Raum Gräfenberg verfolgen sie manche dieser Hundebesitzer mit dem Traktor oder dem Auto, um sie anschließend zu fotografieren. Der zuständige Revierleiter Hans Derbfuß ist in der Region ebenfalls häufig mit seinem Hund unterwegs. Er räumt ein, dass sich sein Vierbeiner das eine oder andere Mal am Waldrand oder am Randstreifen entlang einer Heckenreihe erleichtert. Als problematisch betrachtet er das nicht: "Es verwittert schnell und ist hygienischer als die vielen Plastiktüten, die mit Hundekot gefüllt in die Wiesen geworfen werden." Außerdem gehörten Randstreifen nicht zu den bewirtschafteten Wiesen und Äckern und auch das Wild hinterlasse ja dort seine Ausscheidungen. Direkt auf den Wegen liege manchmal Pferdemist - in weitaus größeren Haufen.

Auch Sandra Striebich spaziert mit Kinderwagen und Hund durch die Gräfenberger Natur. Zwar ärgert auch sie sich, wenn in ihrem Wohngebiet in der Stadt die Hundehaufen auf dem Gehweg liegen, doch einfach die Spaziergänger zu fotografieren, wenn deren Hunde auf einem Feldrand in der Flur ein Häufchen hinterlassen haben, sei eine andere Sache. Dass die wenigen Hundehalter, die dort unterwegs seien, solches Verhalten auslösen, finde sie ein wenig irritierend, bei allem Verständnis.

"Die Landwirte sind sauer auf die Fünf-Seidla-Steig-Wanderer und auf die rücksichtslosen Mountainbiker, die keinen Respekt vor fremdem Eigentum haben", erklärt Derbfuß, der sich mit den Landwirten unterhalten hat. Deren ausrastendes Verhalten treffe aber die Falschen, nämlich die gesitteten Einheimischen, teils Menschen mit Handicap und Mütter mit Kindern, die den ruhigen, übersichtlichen Weg wählen und deren Hunde auf öffentlichem Grund ihr Geschäft hinterlassen. Denn nichts anderes sei ein Randstreifen, der den Kommunen gehört. Zumindest in den Gemeinden, in denen eine Flurbereinigung stattgefunden hat und die Wege damit in die öffentliche Hand übergingen.

Flurbereinigung änderte Recht

"Der Landwirt hat kein Recht, als öffentlicher Ordnungsdienst aufzutreten", informiert Stefan Kohlmann, Geschäftsführer der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg-Hiltpoltstein-Weißenohe. Seit der Flurbereinigung sind die Feld- und Waldwege, Böschungen und Straßenränder im Eigentum der jeweiligen Gemeinde. Allerdings habe es den Anschein, dass immer weniger Randstreifen bleibe, weil die Landwirte immer näher an die Schotter- und Feldwege ackerten.

Grundsätzlich gilt: "Jeder darf nur sein Grundstück bewirtschaften", erklärt Kohlmann. Ein gewisses Verständnis hat er für die Landwirte, denn mit der Flurbereinigung in den 70er Jahren sind riesige Trassen ausgewiesen worden. Die Randstreifen werden von den Gemeinden aber selten genutzt und bevor diese Flächen vergammeln oder gar das Unkraut in den Acker weht und die Saat verunreinigt, mähen die Landwirte die Randstreifen lieber ab oder bewirtschaften sie.

Bewirtschaftet ein Bauer die Feldränder mit und erhält beim Amt für Landwirtschaft Fördermittel für sein Feld oder seine Wiese, dann bekommt er auch für die Randstreifen Zuwendungen. Normalerweise müsste der Landwirt für den Randstreifen das Geld an die Gemeinde zurückzahlen. "Wir beauftragen einen Dienstleister oder den Bauhof, wenn die Kommune die Randstreifen selbst bearbeitet", erklärt Kohlmann. Es gebe auch Programme, dass entlang der Wege Blühflächen angelegt werden. "Das haben wir auf diesen ungenutzten Wegen auch schon gemacht", informiert Kohlmann.

Dass etwaige Fäkalien, die mancher Hundebesitzer nicht entfernt, beispielsweise nicht ins spätere Futter der Tiere sollen, ist klar. Der Landwirt hat also das Recht, Personen von der eigenen Fläche zu verweisen. Eine Vorschrift bezüglich des Randstreifens gibt es aber nicht. "Straßen dürfen nicht verunreinigt werden", erklärt Kohlmann. Dazu gehöre dann auch der Straßenrand, in diesem Fall der Randstreifen. "In der Praxis lässt sich das kaum umsetzen. Wir haben keinen Ordnungstrupp", meint der VG-Geschäftsführer.

Das betrifft aber nicht nur Hundehalter. "Es gilt auch für Pferdehalter und für den Landwirt", sagt Kohlmann. Dass Pferdemist Dünger ist, gilt nicht. "Die Straße braucht keinen Dünger", erklärt er. Verunreinigt ein Bauer mit seinem verschmutzten Traktor die Straße, müsste auch er diese säubern. "Jeder verursacht Dreck, ob es der LKW ist, der Jäger oder der Tourist. Jeder muss vor der eigenen Haustüre kehren. Die Probleme werden nicht gelöst, indem man sagt, es gibt auch andere, die Dreck machen", sagt Kohlmann.

Jeder darf private Flächen nutzen

Außerdem ist in der bayerischen Verfassung das Naturgenussrecht verankert. Heißt: Der Mensch darf auch private Flächen nutzen. Einen Zaun um das Grundstück zu ziehen, ist nur erlaubt, um Baumkulturen zu schützen und für die Weidehaltung. "Es ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit", sagt Kohlmann. Und gerade auf dem besagten Weg sind eher wenige Leute unterwegs.