Ist die Deponie Gosberg zum Spielball illegaler Abfall-Entsorgung geworden? Dies legt der Vorwurf eines Abbruchunternehmers aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt nahe. Er hat sich mit einer anonymen "Anzeige" an das Landratsamt Forchheim gewandt. Darin wirft er zwei Abbruchunternehmern aus dem Landkreis Forchheim vor, Abbruchmaterial auf "illegalem Weg" zu entsorgen. Besagte Firmen seien mit dem Abriss eines Einkaufszentrums in Höchstadt/Aisch beschäftigt. Doch statt beispielsweise die künstlichen Mineralfasern auf die Deponie nach Herzogenaurach zu bringen, würden sie in Gosberg entsorgt.

Der klagende Unternehmer behauptet, dass er, als Betreiber einer konkurrierenden Firma , um den Lohn seines Geschäftes gebracht werde. Denn in "seinem" Landkreis zahle er für die Entsorgung der Mineralfasern 500 Euro pro Tonne; während in Gosberg nur 132 Euro pro Tonne verlangt würden.

Keine Pflicht, Landkreisgrenzen zu beachten

Die Abteilung Abfallwirtschaft am Landratsamt Forchheim geht nun der Frage nach, ob der gefährliche Abfall aus Höchstadt tatsächlich im Landkreis Erlangen-Höchstadt entsorgt werden muss. Oder ob jeder Unternehmer das Recht hat, Landkreisgrenzen zu überschreiten und beispielsweise Höchstadter Abfall eben auch nach Gosberg zu fahren.

Die Abfall-Experten im Landkreis Erlangen-Höchstadt jedenfalls vertreten die Auffassung, dass es keine Verpflichtung gibt, gefährliche Baustoffe im jeweiligen Landkreis zu entsorgen. Stephanie Mack, Sprecherin des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt, argumentiert abfallrechtlich : "Nach unserer Satzung ist das Entsorgen zulässig."

Abfallhierarchie

Entscheidend sei die "Abfallhierarchie", betont Jürgen Schnieber vom Zweckverband Abfallwirtschaft Erlangen/Erlangen-Höchstadt. Schnieber erläutert das am Beispiel der künstlichen Mineralfasern. Dieser "gefährliche Abfall" werde an seinem Arbeitsplatz, am Wertstoffhof Herzogenaurach, zwar angenommen, aber nur in kleinen Mengen (ein Kubikmeter, maximal fünf) und auch nur dann, wenn die Fasern in Kunststofftaschen, sogenannten Bigbags, ordentlich verpackt seien. 230 Euro pro Tonne kostet das. "Bei größeren Mengen verweisen wir auf das Recycling ", erläutert Schnieber. "Die Wahl des Recyclers ist natürlich frei. Auch unser Bauschutt geht zum Verwerter."

Während also der Landkreis Erlangen-Höchstadt Abfall aus Nachbarlandkreisen annimmt, ist dies im Kreis Forchheim anders geregelt. Adrian Huter, Sachbearbeiter für Abfallrecht am Landratsamt Forchheim , stellt klar: Die sogenannte "Andienpflicht", von der in der anonymen Anzeige die Rede sei, gebe es tatsächlich. Bislang seien die anonymen Vorwürfe nicht bewiesen. "Aber es ist so: Gefährliche Abfälle dürfen nur dort angeliefert werden, wo sie anfallen."

Das problematisch an der Anzeige sei, dass der Beschwerdeführer seinen Namen nicht nenne, bedauert Huter. Doch unabhängig davon habe das Landratsamt natürlich die Überwachungspflicht. Daher gelte an der Deponie Gosberg seit Jahreswechsel auch eine neue Regel: "Wer gefährlichen Abfälle anliefert, muss nachweisen, woher er kommt. Wir haben nämlich kein Interesse daran, dass wir überschüttet werden. Das Deponie-Volumen, das wir vorhalten, ist nicht für Anlieferungen von außerhalb."