Und wo bleiben die Heldinnen? Das wollte eine FT-Leserin wissen, als sie in unserer Zeitung über die berühmten Forchheimer (Männer) las, nach denen städtische Straßen benannt wurden. Mit ihrer kritischen Nachfrage ist der Eindruck verbunden: In den Straßen und Gassen der Königsstadt scheinen Frauen unterrepräsentiert zu sein. Und es stimmt: Wer auf den Schildern in Forchheim nach weiblichen Namensgeberinnen sucht, wird selten fündig werden. Die FT-Lokalredaktion Forchheim hat im Straßenverzeichnis recherchiert und sich mit einem Experten auf die Spuren der wenigen "weiblichen Wege" begeben.

Ein wahrer Kenner der Forchheimer Straßen ist Dieter George (der am vergangenen Samstag seinen 70. Geburtstag feierte). Der frühere Kulturreferent der Stadt hat Abhandlungen über Straßennamen sowie ihre historischen und kulturellen Ursprünge verfasst. Die Frage, warum im Stadtbild selten weibliche Namen auftauchen, ist dem Vorsitzenden des Heimatvereins nicht neu. "Tatsächlich gibt es kaum Frauen unter den Straßennamen", bestätigt George.

Diese sechs Orte beruhen auf Frauen

Aber es gibt einige wenige: In der Liste der 411 Forchheimer Straßen (Quelle: Geo-Datenbank "OpenStreetMap") beruhen die Namen von fünf Straßen und einem Platz auf weiblichen Vorbildern. "Das sind alles Namen aus den religiösen oder aristokratischen Bereichen", erklärt George. In Buckenhofen findet man Maria-Theresien-Straße, Marienstraße, die Hedwigstraße und Theresienstraße. Eine der Straßen wurde nach Maria Theresia, der letzten bayerischen Königin, benannt. Die Theresienstraße hat ihren Namen von der heiliggesprochenen Teresa von Ávila, erläutert George. In Kersbach heißt der Ort an der Pfarrkirche St-Ottilien-Platz und erinnert daran, dass bis Anfang des 19. Jahrhunderts in Kersbach Ottilienwallfahrten stattfanden. Im Stadtnorden wohnen einige in der Kaiserin-Kunigunda-Straße. An die Gemahlin von Kaiser Heinrich II. wird in Forchheim erinnert, da das fromme Herrscherpaar 1007 das Bistum Bamberg errichtete. Übrigens: Unweit von der Kaiserin-Kunigunda-Straße erstreckt sich die längere Kaiser-Heinrich-Straße.

FT-Kommentar: Bei der nächsten Straßenbenennung an Frauen denken - Diese Forchheimerinnen hätten es verdient, meint Reporterin Lucie Homann.

Immerhin: In die Reihe der weiblichen Heiligen, die in der Königsstadt öffentlichkeitswirksam verewigt wurden, gehört auch die heilige Anna. Rund um ihren Namenstag, den 26. Juli, wird das Annafest im Kellerwald gefeiert. Dennoch: Berühmte Frauen, die weder heilig noch königlich waren und nach der Abschaffung der Monarchie lebten, sucht man auf Schildern vergeblich. Verstorbene Forchheimer, denen im 19. und 20. Jahrhundert Straßen gewidmet wurden, waren Bürgermeister oder Industrielle - und Männer. "Die Straßen sind ein Spiegel dieser Stadtgeschichte. Wenn Frauen zunehmend hohe Positionen besetzen, werden auch sie ihre Straßennamen bekommen", ist sich George sicher.

Gasseldorf würdigt eine Bürgerin

Der 400-Seelen-Ort Gasseldorf zeigt: Es gibt im Landkreis Gemeinden, die Straßen nach Frauen benannten, die aus dem Ort stammten und Spuren hinterließen. Die Anna-Felbinger-Straße im Ortsteil von Ebermannstadt erinnert an eine Tochter des Dorfes, die am 19. November 1944 verstarb. Felbinger hatte fast ihr ganzes Vermögen der Kirchenstiftung vermacht, damit die Gasseldorfer Kapelle gebaut werden konnte. Die Straße ruft bis heute ihre Erinnerung wach.

So bekommen Straßen in Bayern ihre Namen

Benennungsrecht "Über Straßennamen entscheidet der Bauausschuss gemäß Geschäftsordnung beschließend", erläutert Forchheims Stadtsprecherin Britta Kurth. Das Recht, den öffentlichen Straßen und Plätzen Namen zu geben, haben in Bayern die Gemeinden. Das sogenannte Benennungsrecht umfasst ebenfalls das Recht, bestehende Namen zu ändern. Die Straßenbenennung bedarf der Beschlussfassung des jeweiligen Gemeinderats oder eines beschließenden Ausschusses. In Forchheim ist dies der Bauausschuss. Ausnahme: Es sollen unleserlich gewordene Namensschilder bereits benannter Straßen umbenannt werden. Die Benennung steht im Ermessen der Gemeinde.

Gestaltungsfreiheit Der Gemeinde steht bei der Namenswahl weit gehende Gestaltungsfreiheit zu. Es gilt jedoch zu beachten: Der Straßenname darf nicht anstößig sein oder gegen Strafgesetze und die demokratische Grundordnung verstoßen. Wenn Straßen umbenannt werden, sollten die Interessen der Anwohner, die den bisherigen Straßennamen beibehalten möchten, abgewägt und berücksichtigt werden. Mit den Straßennamen werden oftmals verdiente Bürgerinnen und Bürger geehrt und die örtliche Tradition gepflegt.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration