"Jetzt bin ich der Einzige, der Text und Noten hat, und singe was ganz anderes", scherzt Referent und Musiker David Saam bei der Forchheimer Musikwoche "Volxmusigg 3000" in der Katholischen Landvolkshochschule Feuerstein in Ebermannstadt . Und Co-Referent Florian Ebert muss feststellen: "Des einzige harde B, was ich kann, is im Word ‚Bett‘!" Die Stimmung ist sehr gut und die Teilnehmer der Veranstaltung machen begeistert mit: Im Garten von Burg Feuerstein wird gesungen, getanzt, gewandert und abends am Lagerfeuer gesessen. In zwei Schulungsräumen teilen sich die 14 Gäste dann auf und machen Musik. "Bei uns gibt es keine falschen Töne. Denn manchmal sind die schrägen Sachen die schöneren", sagt David Saam und lacht. Denn schließlich funktioniere so Entwicklung und schließlich solle es ja allen Teilnehmern Freude bereiten. Weiter erzählt er, dass sein Vater Franz-Josef Saam die Forchheimer Musikwoche 1977 ins Leben gerufen und 25 Jahre lang geleitet hat: "Als Kind war ich dann ganz oft dabei, denn das war ein festes Event in der Familie."

So viel Aufwand

David Saam hat in diesem Jahr zum ersten Mal die Organisation übernommen und war überrascht, wie viel Aufwand in den Vorbereitungen steckt. Denn die Teilnehmer sind unterschiedlich alt und haben verschiedene Vorkenntnisse. Früher war die Veranstaltung als Weiterbildung für Musiklehrer gedacht, in diesem Jahr wollte man neue Wege beschreiten. Thomas Lang, Leiter der Landvolkshochschule, war auf David Saam zugegangen und hatte gefragt, ob er sich vorstellen könne, die Veranstaltung zu gestalten. "Es sollte um traditionelle fränkische Musik gehen. Ich habe ja einen progressiven Umgang damit und überlege, wie kann man die ins Hier und Jetzt holen. Denn Volksmusik war früher die Popmusik", erklärt er. Und so entstand der neue Name "Volxmusigg 3000" - Volksmusik auf fränkisch, aber zukunftsgerichtet. David Saam, Mitglied der Band "Kellerkommando", wollte bei diesem Projekt mit sehr guten Musikern aus der Szene arbeiten. So fanden sich als Referenten "Res" Richter von "Boxgalopp", Florian Ebert von "Häisd'n'däisd vomm mee" und Simon Schorndanner von "Gankino Circus" zusammen. "Und es passt", meint Saam.

Hygienekonzept

Wegen Corona war nicht klar, ob die Musikwoche stattfinden kann. Doch mit weniger Teilnehmern, einem Hygienekonzept, Abstand und Desinfektionsmitteln konnte die Woche am 23. August am Feuerstein starten.

Kerwa-Lieder

Im Mittelpunkt steht die fränkische Volksmusik, aber auch die Weltmusik. "Wir spielen traditionelle Lieder und Melodien nach Gehör und machen dann etwas Neues daraus", erklärt Simon Schorndanner. Zum Beispiel sind Kerwa-Lieder die Grundlage, werden dann weiterentwickelt und um weitere Strophen ergänzt. Interessant ist es für den Referenten, die unterschiedliche Motivation der verschiedenen Teilnehmer und deren Hintergrund unter einen Hut zu bekommen. Diese dürfen auch improvisieren, was dem einen oder anderen dann doch schwerfällt. Wenn es aber klappt, spüren die Teilnehmer, wie schön es ist, einfach mal loslassen zu können und draufloszuspielen. Das durfte die 14-jährige Malina Freitag kennenlernen, die mit ihrem 16-jährigen Bruder Finn die Woche besucht. Statt in Urlaub zu fahren gönnen sich die beiden jungen Musiker aus Weißenohe die Woche am Feuerstein und bestätigen, dass die viel Spaß macht. Finn kannte wohl Kerwa-Lieder, "aber das ist hier was ganz anderes".

Mit 76 Jahren

Mit 76 Jahren ist Erni Schlegel aus der Nürnberger Gegend die älteste Teilnehmerin. Als ehemalige Lehrerin hatte sie 1995 zum ersten Mal an dieser Veranstaltung - damals noch Fortbildung - teilgenommen. "Ich hatte schon befürchtet, dass es im letzten Jahr das letzte Mal sein wird. Aber das neue Konzept finde ich gut", sagt sie und setzt sich an ihr Cello: "Es ist wunderbar locker hier und macht Spaß. Und Singen und Musizieren abends am Lagerfeuer erinnert an früher." Die 21-jährige Franziska Eberle aus Ebermannstadt ist ebenfalls mit der Musikwoche aufgewachsen, weil ihre Eltern und ihr Bruder regelmäßig daran teilnahmen. "Wegen Corona war es in diesem Jahr unsicher", erzählt sie und verrät, dass sie das neue Konzept gut findet: Denn die Kultur ihrer Heimat gehe sonst langsam verloren: "Es sind sehr schöne Lieder. Ich bin positiv überrascht." Sie findet es schön, in der aktuellen Zeit die Möglichkeit zu haben, mit anderen gemeinsam zu singen und zu musizieren.